Wie es zum Einsturz der Autobahnbrücke in Genua kommen konnte, ist immer noch unklar. Italiens Regierungschef Giuseppe Conte verspricht grössere Anstrengungen bei der Kontrolle der Infrastruktur. Seine Regierung will den Autobahnbetreiber zur Rechenschaft ziehen. Vize-Premier Salvini hat unterdessen einen anderen Schuldigen für die Tragödie gefunden: die EU.

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Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke sagte Regierungschef Giuseppe Conte der italienischen Bevölkerung zu, dass die Regierung einen ausserordentlichen Plan zur Kontrolle der Infrastruktur voranbringen werde.

"Die Kontrollen werden sehr streng sein, denn wir können uns keine weiteren Tragödien wie diese erlauben", schrieb er auf Facebook.

Bei dem Unglück in Genua sind mindestens 42 Menschen ums Leben gekommen. Rettungskräfte konnten auch mehrere Personen lebend aus den Trümmern bergen. Conte will an diesem Mittwoch Verletzte in den Krankenhäusern der Stadt besuchen.

Wie durch ein Wunder überlebte der Ex-Fussballprofi Davide Capello den Einsturz der Brücke in Genua. Nun spricht er über das Geschehen - und findet dramatische Worte.

Regierung will Autobahnbetreiber zur Rechenschaft ziehen

Jüngsten Meldungen zufolge will die italienische Regierung den verantwortlichen Autobahnbetreiber zur Rechenschaft ziehen.

Zunächst müsse die Führung des Unternehmens Autostrade per l'Italia zurücktreten, forderte Verkehrsminister Danilo Toninelli in einem Facebookpost.

Ausserdem prüfe die Regierung die Auflösung des Vertrags mit der Firma sowie Bussgeldforderungen in Höhe von bis zu 150 Millionen Euro.

Salvini gibt EU Schuld für Tragödie in Genua

Nach Brückeneinsturz bietet sich Einsatzkräften ein Bild der Verwüstung.

Innenminister und Vize-Premier Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Lega instrumentalisiert die Tragödie unterdessen für seinen europafeindlichen Kurs. Er gibt der EU die Schuld an dem Brückeneinsturz.

Die strengen europäischen Defizitregeln stehen nach Ansicht Salvinis der Sicherheit des Landes im Weg. Kosten, die für die Sicherheit ausgegeben werden, "dürfen nicht nach den strengen [...] Regeln berechnet werden, die Europa uns auferlegt", sagte der EU-kritische Politiker dem Sender Radio24.

"Immer muss man um Erlaubnis fragen, um Geld auszugeben", beschwerte er sich weiter. Davon dürfe aber nicht die Sicherheit auf den Strassen, bei der Arbeit und in den Schulen, "in denen immer mal wieder die Decken einstürzen", abhängen.

Salvini hatte bereits am Dienstag nach dem verheerenden Einsturz der Autobahnbrücke in Genua gesagt, dass die Sicherheit der Italiener an erster Stelle stehen müsse. "Ab sofort bin ich ohne Pause an der Arbeit, um Vorname und Nachname der Schuldigen für diese inakzeptablen Todesfälle herauszufinden", sagte er. (jwo/dpa/AFP)