Ein weiterer Bezirk in Afghanistan wird nun von den Taliban kontrolliert. Als sich die Sicherheitskräfte zurückziehen, werden sie aus dem Hinterhalt überfallen.

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Die radikalislamischen Taliban haben einen weiteren Bezirk im Norden Afghanistans erobert und Dutzende Soldaten getötet und verletzt. Afghanische Sicherheitskräfte hätten am Montag ihre letzte Militärbasis im Bezirk Ghormatsch in der Provinz Fariab aufgegeben, sagte der Provinzrat Sajid Abdul Baki Haschemi.

Beim Rückzug der Soldaten in die Provinzhauptstadt Maimana sei der Konvoi aus rund 80 Fahrzeugen in einen Hinterhalt der Taliban geraten. Mindestens 25 Soldaten seien getötet und weitere 20 verwundet worden. Mindestens 16 seien von den Taliban gefangen genommen worden.

Allerdings sei die genaue Anzahl der Opfer unbekannt, sagte Haschemi. Bisher seien zwölf Soldatenleichen geborgen worden. Das Rote Kreuz sei dabei, weitere aus dem Kampfgebiet zu holen.

Taliban hatten vor zwei Wochen eine andere Militärbasis übernommen

Luftstreitkräfte hätten in der Nacht zum Dienstag die liegengebliebenen Fahrzeuge bombardiert, damit die Taliban sie nicht erbeuten könnten. Laut Provinzrat Mohammed Nadir Sajidi hätten Sicherheitskräfte aus der benachbarten Provinz Badghis die Basis in Ghormatsch übernehmen sollen, allerdings seien sie nie angekommen.

Bereits vor rund zwei Wochen hatten die Taliban eine andere Militärbasis in Ghormatsch, das sogenannte chinesische Camp, überrannt und dabei Dutzende Soldaten getötet.

Von Provinzräten hiess es, die Soldaten hätten bis zur letzten Patrone gekämpft und sich dann ergeben. Die Provinz Fariab gehört mittlerweile zu den am schwersten umkämpften des Landes.

Taliban kontrollieren immer mehr Landstriche

Da die Taliban immer mehr Landstriche kontrollieren oder in ihnen präsent sind, haben die afghanischen Sicherheitskräfte zunehmend Schwierigkeiten, Nachschub an Kämpfern, Munition und Verpflegung in ihre Basen, zu ihren Kontrollposten oder in Kampfgebiete zu bringen. Immer wieder gibt es Berichte, dass Soldaten die Regierung um Nachschub bitten, aber vergebens darauf warten.

Auch bei dem Angriff der Taliban auf die strategisch wichtige Provinzhauptstadt Gasni Mitte August überfielen die Aufständischen gezielt Nachschubkonvois und hielten sie so über Stunden, ja Tage auf.

Manche Konvois mussten Umwege von 100 Kilometern machen, um nach Gasni zu kommen. Experten führen die Nachschubprobleme aber auch auf schlechtes Management und Korruption innerhalb des Militärs zurück.

Nach Militärangaben kontrollieren die Aufständischen knapp 14 Prozent der Bezirke des Landes, weitere 30 Prozent sind umkämpft.

Am Samstag trat der Nationale Sicherheitsberater des afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani zurück. Auch der Innen- und der Verteidigungsminister sowie der Chef des Geheimdienstes hatten ihren Rücktritt angeboten, was Ghani allerdings ablehnte.  © dpa

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