Die Anhörung des US-amerikanischen Justizministers Jeff Sessions hat mehr neue Fragen aufgeworfen, als dass sie alte beantwortet hätte – so könnte man die Meinungen der Medien und der politischen Opposition zusammenfassen. Doch es gibt auch Ausreisser.

Die Anhörung von Justizminister Jeff Sessions schlägt in der amerikanischen Medienlandschaft am Tag danach hohe Wellen.

Sessions wurde vor einem Untersuchungsausschuss vorgeladen, der Klarheit darüber schaffen soll, ob und inwieweit Russland den amerikanischen Wahlkampf zugunsten Donald Trumps manipuliert hat.

Vergangene Woche war bereits der gefeuerte FBI-Direktor James Comey geladen worden, der mit seinen Aussagen für Furore sorgte und Trump schwer belastete.

Session weist die Anschuldigungen ihm gegenüber klar mit den Worten zurück: "Eine entsetzliche und abscheuliche Lüge".

Die Strategie des Jeff Sessions

Die Washington Post sieht das Verhalten des Justizministers so: "Es ist unwahrscheinlich für Sessions, mit solch einem Ablenkungsmanöver vor dem Untersuchungsausschuss davon zu kommen."

Sie beschreibt ihn als "nervös und in seinem Sitz geschrumpft". Ganz im Gegensatz zu James Comey sei er ausweichend und schreckhaft gewesen.

Für die New York Times erscheint sein Auftreten wie "in einer Ganz-Körper-Rüstung, gereizt und manchmal seine Stimme erhebend gegen das, was er die Verteidigung seiner Ehre gegen skurrile und falsche Anschuldigungen nennt."

Jeff Sessions sagt, dass seine Aussagen aus dem Kontext gerissen worden seien.

Die Times schenkt dem wenig Glauben: "An Stelle einer echten Entschuldigung", so der Kommentator, "zitierte er eine langdauernde Erklärung." Mit anderen Worten: "Mr. Sessions hat keine Absicht diese Fragen jetzt oder in der Zukunft zu beantworten."

In einem anderen Kommentar schreibt NY-Times Kolumnist Andrew Rosenthal: "Das Auftreten von Justizminister Jeff Sessions vor dem Senatsausschuss war ein Meisterstück im übers Ohr hauen, Wutgeheul und der Rettung des eigenen Arsches."

Genau diese Strategie scheine aber zu funktionieren, gerade im Kampf mit der politischen Opposition, meint der Weisse-Haus Korrespondent für CNN, Stephen Collinson, im TV-Interview mit dem eigenen Sender.

"Ich denke, dass es immens frustrierend für die Demokraten war, die der Hoffnung waren, die Ausmasse der Russland-Affäre endlich zu erkennen."

Erfolg hätten sie jedenfalls nicht gehabt, fährt er fort. "Ich denke, dass der Justizminister ohne politischen Schaden für ihn oder seine Administration aus der Anhörung herausgegangen ist."

Die Verteidiger von Sessions

Ebenso gibt es Verteidiger des Verhaltens von Jeff Sessions bei der Anhörung. Der Berühmteste ist wohl sein direkter Vorgänger Ken Starr, von dem gesagt wird, dass seine damalige "Whitewater-Ermittlung" zu dem drohenden Amtsenthebungsverfahren von Ex-Präsident Bill Clinton geführt habe.

Er sagt im Interview mit Fox-News, dass Sessions sich "wunderschön der Sache freigesprochen hat".

Ausserdem meint er: "Ich denke, dass das amerikanische Volk heute gesehen hat, dass der Justizminister schlicht ein grossartiger Mensch mit einer enormen Menge an Leidenschaft und Bestimmtheit ist, der mit aller Kraft versucht das Richtige zu tun."

Trump klagt über "Fake-News"

Während der Anhörung wurde erneut rege getwittert. Donald Trump schreibt: "Fake-News sind auf einem Allzeithoch. Wo ist Ihre Entschuldigung mir gegenüber für alle diese falschen Storys?"

Für die politische Opposition sind diese Anhörungen ein gefundenes Fressen.

Kaliforniens Senatorin Kamala Harris twittert, was Sessions in der Anhörung von sich gab: "Ich weiss nicht. Ich ziehe meine Aussage nicht zurück. Ich erinnere mich nicht. Erneuern Sie ihre Erinnerungen eigentlich nach jedem geschriebenen Dokument?"