Gianluca Savoini ist ein langjähriger Weggefährte von Matteo Salvini. Doch nun geht der Boss der italienischen Regierungspartei Lega auffällig auf Distanz zu seinem Schattenmann - seit dessen möglicher Verstrickung in illegale Parteienfinanzierung durch russische Quellen.

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Ein Foto unter Freunden, Wange an Wange vor geschichtsträchtiger Kulisse auf dem Roten Platz in Moskau - was soll da schon dabei sein?

Eigentlich nichts weiter. Ausser, wenn der Schnappschuss später falsche Behauptungen des italienischen Innenministers Matteo Salvini entlarvt.

Hintergrund ist "Moscopoli": So bezeichnen die italienischen Medien die Affäre um den Versuch, Salvinis Partei, die rechte Lega, mit russischen Öl-Millionen zu unterstützen.

Salvini spielt Verbindung zu Savoini herunter

Der Parteiboss weist jegliche Verwicklung von sich. Doch einer seiner engsten Vertrauten, Gianluca Savoini, ist tief in die Affäre verstrickt. Unter anderem existieren belastende Tonaufnahmen. Die Mailänder Staatsanwaltschaft ermittelt wegen internationaler Korruption.

Salvini, gegen den nicht ermittelt wird, geht auf Abstand und tut so, als kenne er Savoini kaum. Der habe mit der Lega nichts zu tun, und er wisse gar nicht, warum Savoini auf all seinen Russland-Reisen immer dabei ist, so der Lega-Boss, nachdem die Affäre bekannt wurde.

Dumm nur für Salvini, dass die von den Behörden ausgewerteten Handydaten zeigen, dass der Innenminister seit seinem Amtsantritt im Juni 2018 beinahe täglich mit Savoini telefonischen Kontakt hatte.

Savoini und Salvini - kongeniales Lega-Duo

Die beiden lernten sich Anfang der 1990er Jahre in der Lega kennen, die damals noch Lega Nord hiess. Savoini, so schreibt die "Süddeutsche Zeitung", war vorher Mitglied einer rechtsextremistischen subversiven Gruppe. Bei der Lega arbeitete er mit Salvini unter anderem gemeinsam für die Parteizeitung "La Padania".

Der 55-jährige Savoini ist mit einer Russin verheiratet und hat die kulturelle Vereinigung "Lombardia Russia" gegründet, die zufällig unter der gleichen Anschrift wie die Lega-Parteizentrale firmiert: in der Via Carlo Bellerio, 41, Milano.

Gianluca Savoini.

Als Salvini 2013 zum Parteichef aufstieg, wurde Savoini sein Sprecher und Berater - und aufgrund seiner Russland-Affinität wohl auch der Steigbügelhalter für Salvinis Kontakte nach Moskau. Obwohl er kein Mitglied der italienischen Regierung ist, nahm Savoini zum Beispiel als Delegationsmitglied am offiziellen Gala-Dinner für Putin Anfang Juli in Rom teil, berichtet die "Welt".

Salvini und Savoini waren zeitgleich in Moskau

Schwer zu glauben also, dass Savoini bei "Moscopoli" eigenmächtig und ohne Wissen Salvinis handelte. Vergangenen Oktober reisten Lega-Vertreter, unter ihnen Savoini, nach Moskau. Ein Bericht des Portals "Buzzfeed" inklusive eines Audio-Mitschnitts legt nahe, dass seitens der Lega der Versuch unternommen wurde, finanzielle Unterstützung für die Europawahl zu bekommen.

Auch Salvini war zu der Zeit in Moskau. Ganz offiziell reiste Italiens Vizeregierungschef am 17. Oktober in die russische Hauptstadt, um an einer Veranstaltung der Confindustria Russia teilzunehmen, einem Verband italienischer Unternehmer.

Laut offiziellem Reiseplan kehrte Salvini im Anschluss nach Italien zurück, tatsächlich reiste der Lega-Boss erst am folgenden Vormittag ab.

Salvini: Geheime Treffen mit russischem Vizepremier?

Nach Informationen des italienischen Magazins "L’Espresso" gab es am frühen Abend des 17. Oktober noch ein geheimes Treffen mit dem russischen Vizepremier Dimitri Kozak, einem Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin, zuständig für Energiefragen. Ob das Treffen stattfand und was besprochen wurde, wollte Salvini auf Anfrage von L’Espresso nicht beantworten.

Wie der "Corriere della Sera" berichtet, folgte auf das Treffen mit Kozak noch ein Abendessen im Restaurant Russki im 85. Stock eines Moskauer Hochhauses. Die illustre Teilnehmerrunde umfasste demnach Salvini, Savoini und sechs weitere Personen.

Am Morgen des 18. Oktober soll es dann konkret um ein riesiges Öl-Geschäft gegangen sein. Savoini und zwei weitere Italiener sollen sich in der Bar des Moskauer Hotels Metropol mit mehreren Schlüsselfiguren der russischen Wirtschaft und Emissären des Kremls getroffen haben.

Der geplante Deal: Eine russische Ölfirma sollte drei Millionen Tonnen Öl im Wert von 1,5 Milliarden Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro) an den italienischen Ölriesen Eni verkaufen. Getarnt als Rabatte sollten insgesamt 65 Millionen Euro aus dem Megadeal unerkannt als Unterstützung an Salvinis rechte Lega fliessen.

Salvinis Taktik: leugnen, schweigen, ablenken

Salvini steckt also in der Zwickmühle. Wenn er einräumt, dass Savoini sein "Mister Russland" ist, fällt die russische Parteienfinanzierung auf den italienischen Innenminister zurück und könnte seinen weiteren politischen Aufstieg verhindern. Streitet er die Verbindung ab, werden ihm die vielen gemeinsamen Fotos mit Savoini zum Verhängnis, offenbaren sie doch seine Lüge.

Gut möglich, dass Salvini seine bisherige Strategie weiterfährt: nur zugeben, was nicht geleugnet werden kann, ansonsten lieber schweigen und ablenken - zum Beispiel mit seiner kompromisslosen Flüchtlingspolitik, deren Folgen auch schon die deutsche Kapitänin Carola Rackete zu spüren bekam.

Der Popularität Salvinis tut all dies übrigens keinen Abbruch: In Umfragen ist die Lega mit 37 Prozent derzeit klar die stärkste politische Kraft.

Salvinis Problem mit von der Leyen

In Italiens Regierung ist es wegen der Wahl von Ursula von der Leyen als künftige EU-Kommissionspräsidentin zu einem ernsthaften Streit gekommen. Copyright: picture alliance / Vincenzo Livieri/LaPresse via ZUMA Press

Verwendete Quellen:

  • www.sueddeutsche.de: "Salvinis Türöffner wird zur Belastung"
  • www.welt.de: "Der enge Freund und Berater, den Salvini nicht kennen will"