Bei Sandra Maischberger dreht sich am Mittwochabend alles um den TV-Zweiteiler "Gladbeck", in Anlehnung an das Geiseldrama von 1988. Eine Geisel von damals erhebt einen schweren Vorwurf gegen die ARD – und bringt Maischberger damit in Erklärungsnot.

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Es ist in diesen Tagen das beherrschende Thema in der ARD. Das Erste strahlte am Mittwochabend zur Primetime den ersten Teil des Zweiteilers aus. In diesem wird das als Geiseldrama von Gladbeck in die Geschichte eingegangene Verbrechen aus dem Hochsommer 1988 nachgezeichnet.

Maischberger diskutiert über Gladbeck

Auch Sandra Maischberger diskutiert am späten Mittwochabend in ihrer Sendung über Gladbeck. "Es war ein Verbrechen, bei dem der Zuschauer live dabei sein konnte, weil Polizei und Presse teils gnadenlos versagten", sagt sie zu Beginn ihrer Sendung und fragt: "Haben wir aus dem Verbrechen gelernt?"

Zur Einordnung: Zwischen dem 16. und 18. August 1988 hatten die Kriminellen Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski zuerst bei einem Banküberfall im nordrhein-westfälischen Gladbeck zwei Bankangestellte und anschliessend, in Tatbeihilfe durch Rösners Freundin Marion Löblich, auf ihrer langen Flucht 32 Insassen eines Bremer Linienbusses als Geiseln genommen.

Studiogast überrumpelt Maischberger mit Vorwurf

Anschliessend gaben sie den zahlreichen Reportern, die ihnen folgten, reihenweise Interviews, mit der Pistole in der Hand an den Tatorten, und sogar im Fluchtfahrzeug. Die Polizei schaute machtlos, Kritiker sagen unfähig, zu.

Die Bilanz war blutig: Degowski erschoss eine der Geiseln, den damals jugendlichen Emanuele De Giorgi. Bei der Verfolgung war zudem ein Polizist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Beim Zugriff eines Sondereinsatzkommandos wurde eine der beiden verbliebenen Geiseln, die 18-jährige Silke Bischoff, erschossen. Mutmasslich von Rösner.

Maischberger will eigentlich über das fragwürdige Verhalten der damaligen Journalisten sprechen, da erhebt einer der Studiogäste einen schweren Vorwurf gegen ihren Arbeitgeber, die ARD.

Gladbeck-Geisel attackiert die ARD

Johnny Bastiampillai, 1988 einer der Geiseln, bringt den Zeitpunkt der Ausstrahlung des Zweiteilers in Zusammenhang mit der Haftentlassung von Degowski. Dieser kam erst vor drei Wochen nach 30 Jahren Haft auf freien Fuss.

Er habe den ersten Teil des Films nicht geschaut, wolle "das nicht unterstützen", sagt der heute 36-jährige Arzt. "Der Zeitpunkt, wann der Film rausgekommen ist, ist eine Huldigung an Degowski." Harter Tobak.

"Wir geben den Vorwurf weiter. Ich glaube, dass keiner wusste, wenn Degowski rauskommt", meint daraufhin die sichtlich vor den Kopf gestossene Maischberger. Doch gegen Ende der Sendung wird ausgerechnet ein Einspieler gezeigt, wonach seit Oktober vergangenen Jahres bekannt war, dass Degowski im Februar 2018 freikommen würde. Kann das Zufall sein? Nein, meint Bastiampillai. Wer will es ihm verdenken?

Maischberger wirkt in die Defensive gedrängt

"Man wusste auch, wann Rösner rauskommt. Ich glaube, dass man das wusste", sagt er weiter. Zur Erklärung: Rösner sitzt nach wie vor in Haft, hatte zwischenzeitlich aber mal Freigang.

Maischberger wirkt durch Bastiampillais Vorstoss sichtlich in die Defensive gedrängt. Sie gibt die moralische Instanz, indem sie den damaligen Kollegen vorwirft, ihnen seien "die Sicherungen durchgebrannt".

Wut von Gladbeck-Geisel ist verständlich

Einer der verbliebenen Gäste brachte das Fass für Bastiampillai vollends zum Überlaufen. "Man hat gut daran getan, ihn vor der Ausstrahlung des Films zu entlassen. Da wären ja sonst noch mehr Emotionen hochgekommen", meint der Gefängnisarzt von Degowski, Joe Bausch.

"Erklären Sie es uns. Erklären Sie es seiner Familie", meint Bastiampillai daraufhin mit Blick auf den ermordeten De Giorgi zu Bausch. "Wie kann so einer freikommen? Wir leiden weiter!"

Seine Wut ist verständlich, auch der Frust gegenüber der ARD. Wie Maischberger versuchte, ihren Arbeitgeber aus der Affäre zu ziehen, war auch keine journalistische Glanzleistung.

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