Die Polizei in Moskau hat am Wochenende eine nicht genehmigte Demonstration gegen den Ausschluss wichtiger Oppositionskandidaten von der Regionalwahl in sechs Wochen mit Gewalt niedergeknüppelt. Der prominente Kreml-Kritiker Alexej Nawalny könnte gar Opfer eines Giftangriffs geworden sein.

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Die Regionalwahlen in Russland im September werfen ihre brutalen Schatten voraus. Bei einer nicht genehmigten Demonstration am Samstag in Moskau protestierten rund 3.500 Menschen gegen den Ausschluss wichtiger Oppositionspolitiker von der Wahl.

Die Moskauer Polizei reagierte mit Gewalt. Rund um das Rathaus im Stadtzentrum führten Beamte am Samstag Menschen ab und zerrten sie in Busse. Dem Bürgerrechtsportal OWD-Info zufolge gab es mehr als 1.300 Festnahmen.

Oppositionspolitiker dürfen nicht zur Regionalwahl antreten

Viele Moskauer gehen seit mehr als zwei Wochen täglich auf die Strasse, die Proteste ebben nicht ab. "Dopuskaj" - auf Deutsch etwa: "Lass' sie zu" - ist die stets wiederholte Forderung. Hintergrund ist, dass in wenigen Wochen das Stadtparlament der Zwölf-Millionen-Metropole neu gewählt wird, aber auf der Wahlliste kaum Oppositionspolitiker zu finden sind. Dutzende Kandidaten durften nicht antreten; die Wahlkommission stellte schwere Formfehler fest.

Kritiker machen die Regierungspartei "Geeintes Russland" für die schlechte Wirtschaftslage im Land verantwortlich. Sie hat eine umstrittene Rentenreform durchgebracht, gleichzeitig sinkt, neben den Löhnen, auch der Lebensstandard.

Für Geeintes Russland könnte die Regionalwahl, in der auch über 16 Gouverneure in der Provinz abgestimmt wird, deshalb dramatisch ausfallen.

Kreml-Kritiker Nawalny im Krankenhaus - Verdacht auf Gift

Zum Protest aufgerufen hatte auch der prominente Kreml-Kritiker Alexej Nawalny. Am Mittwoch wurde der Oppositionspolitiker deswegen zu 30 Tagen Haft verurteilt.

Alexej Nawalny musste wegen seiner Kritik an Wladimir Putin schon mehrfach ins Gefängnis.

Inzwischen sitzt Nawalny allerdings nicht mehr hinter Gittern, sondern liegt im Krankenhaus. Nach Angaben seiner Hausärztin ist er möglicherweise mit Gift in Berührung gekommen.

"Wir können nicht ausschliessen, dass seine Haut von einem Gift berührt und von einer unbekannten chemischen Substanz durch einen Dritten verletzt wurde", schrieb die Medizinerin Anastasia Wassiliewa am Sonntagabend auf Facebook.

Nawalnys Ärztin fordert Untersuchung der Bettwäsche

Demnach litt Nawalny unter geschwollenen Augenlidern und hatte Abszesse an Nacken, Rücken, Rumpf und Ellenbogen. Ihr Patient habe noch nie eine allergischen Reaktion erlitten, erklärte die Hausärztin nach einem Besuch bei dem Politiker im Krankenhaus. Sie forderte eine Untersuchung der Bettwäsche in seiner Gefängniszelle.

Nawalnys Sprecherin Kira Jarmisch hatte zunächst von einer "schweren allergischen Reaktion" gesprochen. Er werde medizinisch versorgt und polizeilich bewacht.

Nawalny ist einer der prominentesten Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Demonstrationen organisiert, was ihm immer wieder kurze Haftstrafen einbrachte. (hub/afp/dpa)

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