Propaganda wider Willen: Diese Musiker wehren sich gegen US-Präsident Donald Trump

US-Präsident Donald Trump verwendet für seine Wahlkampfauftritte immer wieder Lieder berühmter Musiker. Stars wie die Rolling Stones, Elton John und Ozzy Osbourne gehen vermehrt dagegen vor.

US-Präsident Donald Trump verwendet für seine Wahlkampfauftritte immer wieder Lieder berühmter Musiker. Zahlreiche Stars gehen gegen die unrechtmässige Verwendung ihrer Titel vor. Und das nicht erst seit diesem Jahr.
So möchte Phil Collins Trump untersagen, seinen Song "In The Air Tonight" im Wahlkampf einzusetzen. Im Juni und nun erneut hätten Collins' Anwälte Trumps Wahlkampfteam eine entsprechende Unterlassungserklärung übermittelt, teilte das Management des ehemaligen Genesis-Frontmanns mit. Sie hätten von Trumps Vertretern bislang keine Antwort erhalten.
Vor dem Hintergrund der Coronavirus-Übertragung sei es zudem "höchst unsensibel", dieses Lied zu verwenden. Trump hält seine Kundgebungen häufig vor Versammlungen ab, bei denen die meisten Menschen keine Masken zum Schutz vor einer Virusinfektion tragen.
Neil Young hat im August rechtliche Schritte gegen das Trump-Team eingeleitet. In einer Klage wegen Urheberrechtsverletzung schreibt Young unter anderem, er könne es nicht erlauben, dass seine Musik als "'Titelsong' für eine spalterische, un-amerikanische Kampagne von Ignoranz und Hass" benutzt wird.
Die Vorwürfe drehen sich um die nicht genehmigte Verwendung der Songs "Rockin' in the Free World" und "Devil's Sidewalk". Sie wurden etwa im Juni bei einer Trump-Kundgebung in Tulsa (Oklahoma) gespielt. Young verlangt unter anderem Schadenersatz.
Die Rolling Stones drohen Trump ebenfalls mit rechtlichen Schritten. Er solle davon abgehalten werden, die Musik der Gruppe bei seinen Wahlkampfveranstaltungen zu spielen, teilte die Band im Juni mit. Ein Anwaltsteam arbeite dafür mit der US-amerikanischen Gesellschaft zur Wahrung von Urheberrechten BMI zusammen. Sollte Trump weiterhin Stones-Songs verwenden, müsse er mit einer Klage rechnen.
Die Familie des 2017 verstorbenen Sängers Tom Petty will Trump untersagen, seine Lieder im Wahlkampf einzusetzen. Trump habe bei einer Wahlkampfkundgebung im Juni den Tom-Petty-Hit "I Won't Back Down" ohne Genehmigung verwendet, hiess es in einer Erklärung auf der Facebook-Seite der Band Tom Petty and the Heartbreakers.
Petty hätte es niemals zugelassen, dass einer seiner Songs für eine "Kampagne des Hasses" genutzt wird. Er wollte Menschen zusammenbringen. Petty und seine Familie würden "fest gegen Rassismus und Diskriminierung jedweder Art" stehen. Sie hätten Trumps Wahlkampfteam eine Unterlassungserklärung geschickt, hiess es weiter.
Die US-Band Linkin Park ist im Juli gegen ein Kampagnen-Video von Trump auf Twitter vorgegangen, in dem eines ihrer Lieder verwendet wurde. Linkin Park habe Trump weder unterstützt noch seiner Organisation die Verwendung ihrer Musik gestattet, schrieb die Band auf Twitter. "Eine Unterlassungsanordnung wurde erlassen", teilte die Rockgruppe weiter mit.
Die Nachlassverwaltung von Leonard Cohen hat die Benutzung seines Songs "Hallelujah" beim Parteitag der US-Republikaner nach eigenen Angaben explizit untersagt. Dass Coverversionen des Liedes trotzdem benutzt wurden, habe die Nachlassverwaltung "überrascht und entsetzt", sagte deren Anwältin Michelle Rice.
Eine entsprechende Anfrage sei zuvor ausdrücklich abgelehnt worden. Die Nachlassverwaltung prüfe nun ein rechtliches Vorgehen gegen die Organisatoren. Auch die Plattenfirma Sony bestätigte, dass eine bei ihr eingegangene entsprechende Anfrage abgelehnt wurde.
Im Juni 2019 verwendete Trump den Song "Crazy Train" von Ozzy Osbourne in einem Twitter-Video. In diesem spottete er über einen technischen Fauxpas während einer Fernsehdebatte der Demokraten. Daraufhin wies der Musiker Trump in seine Schranken.
Trump hatte auch Stress mit Queen-Gitarrist Brian May: Der Musiker fand es nicht in Ordnung, dass sein Lied "We Are The Champions" bei der Kür Trumps zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner im Jahr 2016 gespielt wurde. Er hält politisch nicht viel von ihm.
Auch den Song "Dream On" von Aerosmith durfte Trump für seinen Wahlkampf 2016 nicht verwenden.
Elton John sprach sich 2016 ebenfalls gegen eine Verwendung seiner Lieder aus. Speziell ging es dabei um "Rocket Man" und "Tiny Dancer". (ff/mit Material der dpa)