• Seit WhatsApp neue Nutzungsbedingungen angekündigt hat, suchen Millionen Nutzer nach Alternativen.
  • In den App Charts ganz vorn liegt der Messenger Signal, den schon Whistleblower Edward Snowden empfohlen hat.
  • Das Programm gilt als besonders sicher. Aber stimmt das auch? Und was kann Signal?

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"Ich nutze Signal jeden Tag", erklärte Whistleblower und Datenschutzaktivist Edward Snowden schon 2015 auf Twitter. Auch Tesla-Chef Elon Musk und Twitter-Chef Jack Dorsey haben den Messenger empfohlen.

Der Ansturm auf das Programm ist riesig: In den App-Charts von Google und Apple liegt Signal derzeit auf Platz 1. Allein bei Android wurden mehr als 50 Millionen Downloads verzeichnet, vor wenigen Tagen waren es noch zehn Millionen. Die vielen neuen Nutzer führten dazu, dass der Dienst einige Tage lang technische Probleme hatte.

Das Problem: WhatsApps Datenhunger

Signal profitiert davon, dass immer mehr Anwender WhatsApp verlassen wollen. Der Grund: Der zum Facebook-Universum gehörende Messenger hatte neue Nutzungsbedingungen angekündigt. Letztlich ändert sich zwar dadurch für Nutzer in der EU nicht viel.

Aber WhatsApp erhebt auch jetzt schon viele Daten - etwa Telefonnummer, Profilbild und Geburtstag - von Usern. Ausserdem erstellt er Profile und hält fest, wann und wo jemand Nachrichten an wen versendet. Nicht zuletzt synchronisiert das Programm regelmässig Kontakte der Nutzer aus dem Adressbuch. Sie werden gespeichert, um sie abgleichen zu können.

Den Inhalt von Messages kann WhatsApp aber nicht auslesen: Sie sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Eine Nachricht wird dazu auf dem Gerät des Absenders chiffriert und erst auf dem Telefon des Empfängers wieder entschlüsselt. Alle Chats werden auf dem Telefon des Nutzers gespeichert, nicht auf den WhatsApp-Servern.

So sicher ist Signal

Auch Signal nutzt für alle Chats und Anrufe eine sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Aber die Macher des Messengers haben das entsprechende Verschlüsselungsprotokoll entwickelt: Es stammt genau wie Signal von Open Whisper Systems. Auf diesem Protokoll basiert auch die Verschlüsselung von WhatsApp und Threema.

Der Messenger für Android und iOS ist darüber hinaus eine Open-Source-Anwendung, der Quellcode ist öffentlich zugänglich. Externe Experten können so beispielsweise überprüfen, welche Daten tatsächlich erhoben werden.

Hinter dem kostenlosen Messenger stehen keine geschäftlichen Interessen: Die gemeinnützige Signal-Stiftung betreibt den Dienst, er finanziert sich ausschliesslich aus Spenden. Deshalb hat Signal kein Interesse an den Daten der Anwender, genauso wenig wie an Werbung.

Die App erhebt kaum Daten: Sie speichert lediglich die Telefonnummer, die für die Anmeldung notwendig ist. Es ist nicht nötig, der App Zugriff auf das Telefonbuch zu geben. Signal legt Fotos, Chats und andere Daten lokal auf dem Smartphone ab und nicht auf eigenen Servern.

Das gilt auch für Backups: Die werden aus Sicherheitsgründen nur auf dem Telefon gespeichert. WhatsApp erlaubt wahlweise eine Datensicherung bei Google Drive oder iCloud.

Diese Funktionen bringt der Messenger mit

Signal funktioniert ähnlich wie WhatsApp: Nutzer können Textnachrichten mit Emojis verschicken. Ebenso teilen sie Gifs, Sticker, Bilder, Videos, Sprachnachrichten, Dateien, Kontakte und den Standort. Ausserdem sind Sprach- und Videoanrufe sowie Chats in Gruppen möglich. In letzteren sind ebenfalls Videogespräche möglich: Bis zu acht Teilnehmer können mitmachen.

Wenige kleinere Features von WhatsApp hat Signal (noch) nicht: So ist es nicht möglich, eine Statusmeldung zu erstellen, die alle Kontakte sehen. Einige neue Funktionen hat Signal kürzlich über Twitter angekündigt, etwa ein "Über mich"-Feld, animierte Sticker und Wallpaper für Chat-Hintergründe.

Diese Funktionen gibt es nur bei Signal und nicht bei WhatsApp

Signal bringt zudem Funktionen mit, die WhatsApp fehlen: Ein nettes Gimmick ist, dass Nutzer für jeden Kontakt einen eigenen Klingelton einstellen können.

Aus Sicherheitsgründen interessanter ist ein Feature, das auch Snapchat bietet: Auf Wunsch können Nutzer Messages schreiben, die sich nach einer bestimmten Zeit selbst zerstören. Anwender bestimmen selbst, nach welcher Zeit der Inhalt nicht mehr angezeigt wird – zwischen fünf Sekunden und einer Woche sind möglich.

Selbstlöschende Nachrichten erlaubt WhatsApp zwar auch, allerdings haben Nutzer keine Auswahl: Sie verschwinden nach genau sieben Tagen.

Welche Nachteile hat Signal gegenüber WhatsApp?

Signal kann nur in einem Punkt nicht mit dem grossen Konkurrenten mithalten – bei den Nutzerzahlen. WhatsApp hat weltweit zwei Milliarden Anwender. Wie viele es bei Signal sind, verraten die Macher nicht. Im Dezember sollten es laut "Techcrunch" 20 Millionen monatliche Anwender gewesen sein.

Fazit: Ist Signal eine bessere Alternative zu WhatsApp?

Wer Signal zum Senden und Lesen von Kurznachrichten, Bildern und anderen Inhalten nutzt, geht auf Nummer sicher: Der Open-Source-Messenger erhebt und speichert deutlich weniger Daten als WhatsApp. Wie dort sind alle Chats Ende-zu-Ende-verschlüsselt.

Im Vergleich zu einer anderen WhatsApp-Alternative hat Signal aber zwei Nachteile. Beim ebenfalls sicheren Messenger Threema müssen Nutzer nicht einmal eine Telefonnummer angeben. Dessen Server stehen zudem in der Schweiz und nicht in den USA.

Verwendete Quellen:

  • signal.org/de
  • Twitter-Profile von Edward Snowden, Elon Musk und Jack Dorsey

Alternative Messenger auf Platz eins in den Downloadcharts von Apple und Google

Bei vielen WhatsApp-Nutzern gingen wohl die Alarmleuchten an, weil die Whatsapp-Nutzerdaten angeblich an Facebook weitergegeben werden sollten. Das zeigt sich auch in den Downloadcharts der Stores von Apple und Google. © ProSiebenSat.1
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