Der Bündner Fleischhändler Carna Grischa soll seit Jahren Fleischwaren falsch deklariert haben. Pferde- wurde als Rindfleisch verkauft, ungarisches Poulet als schweizerisches und Gefrier- als Frischfleisch. Zudem sind angeblich die Verfallsdaten auf den Verpackungen verändert worden. Wir beantworten die sieben wichtigsten Fragen zum Fleischskandal in der Schweiz.

Woher kommt das Fleisch?

Anders als in der Schweiz werden in den EU-Mitgliedsstaaten die Kennzeichnungspflichten für frisches, gekühltes und gefrorenes Fleisch ab 2015 verschärft. Sämtliche Fleischsorten sollen dann mit bestimmten Herkunftsangaben ausgestattet sein. Anders in der Schweiz: Das neue Lebensmittelgesetz, das im Juni verabschiedet wurde, sieht bei der Herkunftsangabe keine grössere Transparenz für Konsumenten vor.

Das bedeutet, man muss sich weitestgehend darauf verlassen muss, dass Gastrobetriebe mit zuverlässigen Lieferanten arbeiten. Ebenso darauf, dass diese Lieferanten ebenso gut und hygienisch arbeiten wie der Betrieb selbst.

Nach Angaben der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) sind Schweizer Produkte trotz des meist kurzen Transportwegs aber nicht immer die besseren. Welchen Weg Lebensmittel konkret nehmen bis sie auf unseren Tellern landen, zeigt eine Kampagne der europäischen Konsumentenorganisation (BEUC).

Woran erkennt man falsch deklariertes Fleisch?

Laien haben kaum eine Möglichkeit, falsch deklariertes Fleisch von anderem Fleisch zu unterscheiden. Ist es erst einmal zubereitet, lässt sich ein Betrug selbst für Experten fast nicht mehr nachvollziehen. Vor allem für Restaurants und Kantinen ist es daher wichtig, sich für Lieferanten zu entscheiden, zu denen sie grosses Vertrauen haben können und wissen, dass in der Kühl- und Lieferkette alles korrekt abgelaufen ist.

Wollen Sie Fehlkäufe vermeiden, achten Sie bei der Wahl der Fleischprodukte darauf, dass sie aus Markenfleischprogrammen stammen. Dadurch ist die Herkunft des Fleischs klar gekennzeichnet und eine Rückverfolgbarkeit gewährleistet. Doch eine hundertprozentige Garantie gibt es nicht. Kaufen Sie Fleisch nach Möglichkeit unverpackt - so haben Sie einen direkten Blick auf die Ware und können Qualitätsmängel umgehend beim Verkauf reklamieren.

Wie gefährlich ist es für die Gesundheit?

Wird Fleisch über das Verbrauchsdatum (Achtung, nicht das Mindesthaltbarkeitsdatum!) hinaus verkauft oder verzehrt, entstehen gesundheitliche Risiken. Vor allem der Verzehr von rohem oder nicht ganz durchgebratenem Fleisch kann durch Salmonellen oder E.coli zu Übelkeit, Magen- und Darmbeschwerden führen. Deshalb sollte die Kühlkette bei Fleisch nicht unterbrochen und das Produkt stets richtig gelagert werden.

Doch nicht nur das Fleisch selbst, auch die Verpackung kann ein Risiko für die Gesundheit darstellen: Eine Ende Juli veröffentlichte Studie der Stiftung Food Packaging Forum aus Zürich zeigt laut der SKS, dass mindestens 175 in der Produktion von Lebensmittelverpackungen zugelassene Chemikalien gesundheitsschädigend sein können.

Wie wichtig ist das Mindesthaltbarkeitsdatum wirklich?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gibt den Zeitpunkt an, bis zu dem ein Lebensmittel bei richtiger Lagerung und ungeöffnet ohne gesundheitliche Bedenken verzehrt werden kann - quasi als Qualitätsgarantie. Das hat jedoch nichts mit dem Verbrauchsdatum zu tun: Erst ab diesem Zeitpunkt sollten Produkte nicht mehr verkauft und konsumiert werden.

Bei Hackfleisch sollten Sie das Verbrauchsdatum in jedem Fall einhalten, das Fleisch aber schon davor entsorgen, wenn es streng riecht oder schimmelt. Andere Fleischsorten sollten Bundesamt für Umwelt BAFU bis zu 24 Stunden nach Ablauf des Datums konsumiert werden.

Nicht so beim MHD: Einem Bericht des "Beobachters" zufolge halten vielen Eidgenossen mehr als nötig daran fest. Jeder Konsument in der Schweiz entsorgt demnach jede Woche mehr als zwei Kilogramm Lebensmittel, die man eigentlich noch bedenkenlos essen könnte. Denn ein Produkt, dessen MHD "abgelaufen" ist, ist normalerweise immer noch geniessbar - höchstens nicht mehr qualitativ einwandfrei.

Wie erkennt man, welches Fleisch man gekauft hat?

An einigen grundsätzlichen Dingen lässt sich meist erkennen, um welche Art von Fleisch es sich handelt. Pferdefleisch ist normalerweise dunkler als Rindfleisch, feiner marmoriert und weniger fettig.

Frisches Fleisch erkennt man an einem neutral-milden Geruch, einer festen Oberfläche, seiner Färbung (Rind hell- bis dunkelrot, Schwein rosa und hell, Wild rot bis rotbraun) und Marmorierung. Ist das Fleisch besonders fettig, grau-farben, schmierig, süsslich im Geruch und eher schwammig-weich, handelt es sich dabei vermutlich um nicht mehr frisches oder bereits verdorbenes Fleisch.

Passiert so etwas öfter?

Fleischskandale machen in der Schweiz immer wieder von sich reden. Nicht zuletzt dürfte der Eklat um Pferdefleisch statt Rindfleisch in Fertigprodukten im Jahr 2013 in Erinnerung geblieben sein. Sara Stalder, Geschäftsleiterin der SKS, findet im Interview mit Radio SRF 4 News eine Erklärung für die immer wiederkehrenden Verstösse bei der Deklarierung von Fleisch: "Man muss sehen, dass Fleisch mit Schweizer Auszeichnung ein beliebtes, aber auch hochpreisiges Produkt ist. Da ist die Verlockung natürlich gross, wenn betrügerische Absichten bestehen - allein aufgrund der grossen Margen." Wer also importiertes Billigfleisch als Swissness-Produkt verkauft, streicht damit satte Gewinne ein.

"Es gibt bei einigen Fleischsorten grössere Anreize zu tricksen, zum Beispiel bei Geflügel oder auch beim Rindfleisch", sagt Stalder. Denn die Nachfrage nach diesen Fleischsorten ist gross - das heimische Angebot hingegen nicht. Aufgrund dessen wurde die Herkunftsdeklaration geschaffen, auf die sich die Konsumenten verlassen können sollten. Doch: "Wir erleben immer wieder, dass das nicht funktioniert. Das Sicherste wäre daher, wenn man das Fleisch wirklich direkt beim Landwirtschaftsbetrieb kaufen würde. Aber das geht natürlich nicht."

Was tut man gegen diese Betrugsfälle?

Zum einen setzen Detailhändler nach Angaben der SKS wieder verstärkt auf Fleischprodukte aus der Region. Mit diesem Angebot wird versucht, das Vertrauen der Konsumenten zurückzugewinnen. Die Carna Grischa AG selbst gab nach Bekanntwerden des Fleischskandals eine Stellungnahme auf ihrer Website ab. Dort heisst es, dass sich mit "grossem Bedauern" Kenntnis von den "in den Medien erwähnten Unregelmässigkeiten in der Abwicklung von Kundenaufträgen" genommen habe. Der Verwaltungsrat "hat als sofortige Massnahme entschieden, die Qualitätskontrolle zu verstärken, um ähnliche Vorfälle mit Sicherheit ausschliessen zu können". Experten sollen die Vorfälle zudem aufklären.