Der Zwist zwischen den Familien Esterházy und Ottrubay würde Stoff für Filme und Romane liefern. Es geht um den Ruf einer österreichischen Adelsdynastie, eine vermeintliche Entführung – und vor allem um sehr, sehr viel Geld.

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Das Burgenland ist eine beschauliche Gegend. Nicht einmal 300.000 Einwohner zählt das kleinste Bundesland Österreichs. 171 Gemeinden verteilen sich auf einen schmalen Streifen um den Neusiedler See und entlang der österreichisch-ungarischen Grenze. Doch das Burgenland macht immer wieder mit einem Erbstreit auf sich aufmerksam, der seinesgleichen sucht.

Entführung auf offener Strasse?

Zu Jahresbeginn standen die Familien Ottrubay und Esterházy erneut im Fokus der Medien. Ende Januar war die 88-jährige Magdolna Ottrubay mit ihrer Pflegerin in Eisenstadt unterwegs, als zwei schwarze Wagen neben ihr hielten.

Die Insassen schubsten die Pflegerin zur Seite und setzten die betagte Dame in einen der Wagen. Ihr Sohn Stefan Ottrubay zeigte eine Entführung an, die Polizei leitete eine Grossfahndung ein. Im Einsatz waren laut Medienberichten 100 Beamte, auch die Nachbarländer wurden kontaktiert.

Kurze Zeit später meldete sich eine Dame aus Kitzbühel bei der Polizei: die Tochter von Magdolna und Schwester von Stefan Ottrubay. Ihre Mutter sei gar nicht entführt worden, sagte sie. Sie habe sie nur zu sich in die Schweiz holen wollen, wo die alte Dame ihren Lebensabend verbringen wolle. Die vermeintlich Entführte bestätigte das.

Familie mit klangvollem Namen

Der Fall war brisant, denn Stefan Ottrubay kontrolliert einen der grössten Privatbesitze Österreichs: Er ist Vorstand der Esterházy-Stiftungen und Generaldirektor der Esterházy Betriebe GmbH. Zum Imperium gehören 44.000 Hektar an Weinbaugebieten, Ländereien und Naturparks, unter anderem ein grosser Teil des Neusiedler Sees.

Hinzu kommen Burgen, Schlösser, Kunstsammlungen, Tausende Hektar biologisch bewirtschafteter Agrarfläche. Eigenen Angaben zufolge beläuft sich das Vermögen der Stiftungen auf mehr als 800 Millionen Euro. Hinzu kommen weitere, nicht bezifferbare Kulturgüter – womit das wahre Vermögen deutlich mehr als eine Milliarde Euro schwer sein dürfte.

Wo viel Geld ist, ist Streit nicht weit: Denn Stefan Ottrubay ist der Neffe einer "Angeheirateten". Seine Tante Melinda, eine Balletttänzerin, floh 1956 aus dem kommunistischen Ungarn nach Österreich. Dort heiratete sie den Esterházy-Fürsten Paul V.

Seine Familie hat seit jeher einen klangvollen Namen in der Alpenrepublik: Die Geschichte des ungarischen Adelsgeschlechts reicht zurück bis ins 13. Jahrhundert, nach den Esterházys sind Strassen, Fleischgerichte und eine Torte benannt. Die Familienmitglieder machten und machen sich einen Namen als Mäzene, Politiker, Unternehmer, Sportler, Wissenschaftler.

Streit ums Erbe

Paul V. starb 1989 und machte seine bürgerliche Frau Melinda zur Universalerbin. Die Ehe war kinderlos geblieben, und nachdem auch Melinda 2014 gestorben war, wurde ihr Neffe Stefan Ottrubay zum Erben und Chef der Stiftungen.

Den drei verbliebenen Linien der Esterházys gefiel das nicht. Sie haben das Gefühl, dass das Vermögen von einem "Familienfremden" verwaltet wird. "Wo Esterházy draufsteht, ist nicht immer Esterházy drinnen", zitierte die Zeitung "Der Standard" vor zwei Jahren Paul-Anton Esterházy. Der 33-jährige Betriebswirt ist der heutige Sprecher der adeligen Familie.

Die Esterházy-Betriebe – unter der Führung von Ottrubay – sehen die Sache erwartungsgemäss anders: Melinda habe Familienmitgliedern Geldgeschenke in Millionenhöhe gemacht, heisst es auf der Website des Unternehmens.

"Gewisse Adelige" seien aber auch danach noch mit Forderungen auf sie zugekommen. Ottrubays Seite stellt die Esterházys unterschwellig als Adelige dar, die ohne viel Arbeit an viel Geld kommen wollen. In der Verwaltung des Besitzes von Paul V. und Melinda sollten dagegen "immer professionelle Fachleute mit bürgerlichem Hintergrund zum Zug kommen", heisst es auf der Website.

"Fern vom Ethos unserer Familie"

Die ominöse vermeintliche Entführung lässt sich mit dem Zwist aber nicht erklären. Denn das Hin und Her spielte sich zwischen den Ottrubay-Geschwistern ab: Stefan Ottrubay wusste offenbar nichts von den Plänen seiner Schwester, die Mutter in die Schweiz zu holen.

Die Esterházys wollen mit alledem nichts zu tun haben: "Als Sprecher der fürstlichen Familie Esterházy lege ich Wert auf die Feststellung, dass auch dieser von den Behörden zu überprüfende Fall mit der Familie Esterházy NICHTS zu tun hat", schrieb Sprecher Paul-Anton in einer Pressemitteilung. In seiner Familie, so der Erbprinz, pflege man "gänzlich andere Umgangsformen".

Für weiteren Streit gibt es genügend Stoff. Stefan Ottrubay und Paul-Anton Esterházy spielen dabei die Hauptrollen. Sie streiten sich vor Gericht derzeit um die Besitzrechte der mittelalterlichen Burg Forchenstein.

Er habe zum Erbprinz ein "distanziertes Verhältnis", räumte Stefan Ottrubay in einem Gespräch mit der "Kronen-Zeitung" ein. Paul Anton wiederum machte in einem Interview mit derselben Zeitung keinen Hehl daraus, dass er das Vermögen lieber selbst verwalten würde. Ottrubay, so der Erbprinz, handele "fern vom Ethos unserer Familie".

Verwendete Quellen:

  • Der Standard: "Esterházys wollen Ruf schützen"
  • Die Presse: "Familienzwist im Hause Esterházy/Ottrubay"
  • Website der Esterházy Betriebe GmbH
  • Website der Familie Esterházy
  • Kronen-Zeitung: "Das steckt hinter der Esterházy-Entführung"
  • Kronen-Zeitung: "Ottrubay: Ich sehe meine Mutter bald wieder"
  • Kronen-Zeitung: "Was läuft da hinter den Kulissen, Herr Esterházy?"
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