In jedem Jahr das gleiche traurige Spiel: Bei grosser Hitze brennt der Wald rund um Jüterbog. Alte Munition kann hochgehen und Leben in Gefahr bringen. Das Wegräumen der Munition ist schwer.

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Der Leidensdruck wird immer grösser. Jedes Jahr aufs Neue brennt der Wald bei Jüterbog südlich von Potsdam. Die Flammen lösen eine Kettenreaktion aus: Alte Munition entzündet sich und setzt weitere Waldflächen in Brand. Die Gefahr lauert im Boden. "Die Dimension ist kaum vorstellbar", sagt Arne Raue, Bürgermeister der Stadt Jüterbog.

Der ehemalige Truppenübungsplatz von etwa 9.000 Hektar wurde von 1864 bis 1992 militärisch genutzt: Während der Kaiserzeit, im Ersten und Zweiten Weltkrieg, zu DDR-Zeiten bis zur Gegenwart wurde Munition aller Art abgefeuert.

Blindgänger blieben einfach liegen, alte Kampfmittel bilden mittlerweile eine dicke Schicht im Erdboden. In den vergangenen Jahrzehnten verrotteten sie und wurden damit unberechenbar. Betreten des Geländes ist undenkbar und könnte tödlich enden. Warnschilder weisen darauf hin.

Wegräumen der Munition ist aus Kostengründen schwer

"Die Gefahr ist nach wie vor gross", sagt der erfahrene 64 Jahre alte Feuerwehrmann, Lothar Schwarz, Einsatzleiter der Feuerwehr. Bei seinem jüngsten Einsatz in diesem Jahr hat er zwar noch keine Detonationen gehört. Aber er weiss, es kann jeden Moment etwas passieren.

Löscharbeiten seien nur aussen vom Waldrand möglich, sagt er. "Auch Hubschrauberpiloten wissen um die Gefahr, wenn etwas hochgeht."

Das Wegräumen der Munition, dessen Menge nicht bekannt ist, ist aus Kostengründen schwer. Die Heinz Sielmann Stiftung hat beispielsweise in den Sielmann Naturlandschaften Döberitzer Heide vor den Toren Berlins - ebenfalls einst ein Truppenübungsplatz - in den vergangenen Jahren rund 55 Kilometer Wanderwege von Munition geräumt. Die Kosten lagen nach Angaben der Stiftung zwischen 4 und 8 Euro je Quadratmeter.

Bürgermeister sieht Bund bei Beseitigung der Munition in der Pflicht

Jüterbogs parteiloser Bürgermeister Raue sieht in erster Linie den Bund in der Pflicht, für die Beseitigung der Munition zu sorgen. "Er muss auch die Kosten tragen", betont er. Nach seiner Kenntnis sei auf dem Gelände TNT-Sprengstoff zu finden sowie Munition, die auf U-Booten und Flugzeugen getestet wurde. Vor einigen Jahren seien Sprengkörper in die Luft gegangen, das habe man in ganz Jüterbog gespürt.

Besonders gefährlich ist aus Sicht des Waldbrandschutzbeauftragten Raimund Engel auch, dass sich an einigen Munitionsresten - sogenannte Leuchtspurgeschosse - Phosphor befindet. Das chemische Element könne sich bei Temperaturen ab 20 Grad und Wind selbst entzünden. "Da braucht es kein weiteres Zutun", sagt er. Auf trockenem Boden breite sich der Brand dann schnell aus.

Raue befürchtet, dass auch seine Enkel noch mit dem Erbe leben müssen. "Erst wenn konsequent die Munition beräumt wurde, kann der ehemalige Truppenübungsplatz gefahrlos betreten werden."

Hilft das Wetter beim Kampf gegen die Flammen?

Nach einer Gewitternacht mit Starkregen im Westen Deutschlands ist das nasse Wetter weiter in Richtung Osten gezogen. Dort gab es am Donnerstag Gewitter, der Deutsche Wetterdienst erwartete Starkregen und Hagel. Auch im Gebiet des Waldbrandes bei Jüterbog regnete es. Ob der Regen half, den Band einzudämmen, konnte eine Sprecherin der Stadt Jüterbog auf Anfrage aber zunächst nicht einschätzen.

Der Landkreis Teltow-Fläming stufte das Feuer am Donnerstag als Grossschadenslage ein. Kreisbrandmeister Tino Gausche sprach von einer "einmaligen Dimension" des Brandes. Es ist der grösste Waldbrand in Brandenburg seit Jahrzehnten. (msc/dpa)

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