Zwischenfall in Pariser Polizeipräfektur: Ein Mann geht mit einem Messer auf Beamte los. Er wird von der Polizei tödlich verletzt.

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Bei einem Messerangriff im Pariser Polizeipräsidium sind mindestens vier Polizisten getötet worden. Ein Mitarbeiter des Präsidiums griff Sicherheitskräfte mit einem Messer an, wie die Ermittler am Donnerstag mitteilten. Er wurde daraufhin im Hof des Präsidiums mit einer Schusswaffe tödlich verletzt. Zunächst gab es keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund.

Der Täter arbeitete Ermittlern zufolge bei der nachrichtendienstlichen Abteilung der Pariser Polizei (Direction du renseignement de la préfecture de police, DRPP), die unter anderem für den Kampf gegen Extremisten zuständig ist. Er soll für Computer zuständig gewesen und eine Behinderung gehabt haben. Die Ermittler gehen nach eigenen Angaben Hinweisen nach, wonach es einen Konflikt zwischen dem Täter und Kollegen gegeben habe.

Bei den toten Polizisten soll es sich nach Medienberichten um eine Frau und drei Männer handeln. Ein Augenzeuge des Angriffs berichtete, unter den Polizisten sei Panik ausgebrochen. "Ich habe einen Schuss gehört", sagte der Dolmetscher, der in dem Präsidium Dienst hatte. "Alle rannten, viele haben geweint."

Ein Mitarbeiter der Polizeigewerkschaft Alliance, Loïc Travers, sagte dem Sender BFM-TV, der Täter habe mehr als 20 Jahre in dem Präsidium gearbeitet. Er habe als "vorbildlicher Angestellter ohne Vorgeschichte" gegolten.

Umgebung der Präfektur abgeriegelt

Die Umgebung des Polizei-Hauptquartiers wurde von Sicherheitskräften abgeriegelt. Rund zehn Feuerwehrwagen waren im Einsatz, wie AFP-Journalisten berichteten. In einer Lautsprecher-Durchsage war von einem "Angriff" die Rede, die Gegend werde "überwacht", hiess es.

Das Polizei-Hauptquartier liegt im Herzen der Stadt, in Laufweite der Pariser Kathedrale Notre-Dame auf der Seine-Insel Île de la Cité. In der Gegend sind normalerweise viele Touristen unterwegs.



Emmanuel Macron und Edouard Philippe am Tatort

Der französische Regierungschef Edouard Philippe begab sich zu dem Polizei-Hauptquartier. Auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron besuchte den Tatort.

Macron habe den Mitarbeitern der Polizeistation seine Unterstützung und Solidarität bekundet, hiess es am Donnerstag aus Élyséekreisen. Er wurde demnach von Innenminister Christophe Castaner und dem französischen Innenstaatssekretär Laurent Nuñez begleitet. Der Präsident sei gut 35 Minuten bei der Polizeipräfektur gewesen.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo bestätigte, dass bei dem Angriff "mehrere Polizisten" ums Leben kamen. "Paris weint um seine Angehörigen", schrieb die Sozialistin auf Twitter und sagte, es handele sich um eine "fürchterliche Attacke".

Die Tat ereignete sich gegen 13:00 Uhr in der Polizeipräfektur. Der mutmassliche Täter sei nach dem Angriff erschossen worden. Die Polizei nahm zunächst keine Stellung zu den Berichten.

Pariser Polizei kämpft mit Image

Die Pariser Polizei war in den vergangenen Jahren durch mehrere Skandale erschüttert worden. Im Februar wurden zwei Beamte wegen der Vergewaltigung einer Touristin in dem Hauptquartier zu jeweils sieben Jahren Haft verurteilt. Für Schlagzeilen sorgte auch der Fall eines Drogenfahnders, der Kokain gestohlen haben soll.

Erst am Mittwoch hatten Tausende Polizisten in Paris für bessere Arbeitsbedingungen protestiert. Mehrere Gewerkschaften hatten zu dem "Marsch der Wut" im Osten der Hauptstadt aufgerufen.

Nach Angaben der Organisatoren, der Polizeigewerkschaft Unité SGP Police, waren in Paris rund 27.000 Polizisten auf die Strassen gegangen. Wie der Radionachrichtensender Franceinfo berichtete, gab es in der Polizei seit Jahresbeginn rund 50 Suizide. (afp/dpa/ank)

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Teaserbild: © Martin BUREAU / AFP