"Oma, was ist ein Schneemann?" - Diese Frage wollen die Teilnehmer der Fridays for Future Demo in Aachen nicht von ihren künftigen Enkeln gestellt bekommen. Nach Polizeiangaben nahmen bis zu 20.000 Menschen mit teils kreativen Transparenten an der Demo der Klimaschutzbewegung teil. Auch ein besonders bekanntes Gesicht mischte sich unter die Demonstranten.

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Tausende haben sich in Aachen an einer Demonstration der Klimaschutzbewegung Fridays for Future beteiligt. Ein langer Demonstrationszug wand sich am Freitag durch die nordrhein-westfälische Stadt. Die Organisatoren sprachen von rund 40 000 Teilnehmern und der damit bisher grössten Demonstration der Bewegung in Deutschland. Am Mittag hatte eine Polizeisprecherin gesagt, man gehe davon aus, dass die angemeldete Zahl von 10 000 bis 20 000 erreicht werde. Am frühen Abend nannten die Beamten zunächst keine weitere Zahl.

Auf Transparenten, in Sprechchören und Reden forderten die Teilnehmer ein schnelles Abschalten der Kohlekraftwerke und andere einschneidende Schritte zur Begrenzung des Klimawandels. Auch auf dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund riefen Umweltschützer, Wissenschaftler und Aktivisten mit dramatischen Appellen zu mehr Anstrengungen gegen die folgenschwere Erderwärmung auf.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte in Dortmund, die Energieversorgung in Deutschland werde neu organisiert, der Ausstieg aus der Kohleverstromung komme. "Ich sorge mit dem Klimaschutzgesetz dafür, dass jetzt endlich gehandelt wird." Mit dem angestrebten Gesetz wolle sie die derzeitige und alle nachfolgenden Regierungen bei der Reduzierung der CO2-Emissionen verpflichtend binden.

Chance, etwas zu verändern

Weltweit soll der Temperaturanstieg nach dem Pariser Klimaschutzabkommen bei 1,5 Grad gestoppt werden - im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. UN-Klimachefin Patricia Espinosa hatte aber jüngst betont, dass es zu einer Erhitzung um drei Grad kommen werde, wenn es bei den unzureichenden Zusagen der Länder bleibe. Beim nächsten Weltklimagipfel in Santiago de Chile im Dezember muss es nach Experten-Einschätzung deutliche Bewegung geben.

"Wir müssen jetzt etwas tun, es ist eigentlich schon zu spät", warnte Malika Scheller (17) aus Freiburg bei der Fridays-for-Future-Demo in Aaachen. Nadja Gosteli (15) aus der Schweiz sagte, sie "nutze jetzt die Chance, etwas zu verändern in der Welt. Wenn man die Chance hat, ein Held zu sein, sollte man sie doch nutzen."

Lange nicht alle Schüler schwänzten den Unterricht, denn viele Schulen hatten den Freitag als Brückentag zwischen Fronleichnam und dem Wochenende freigegeben. "Ich habe frei", erklärte etwa die 17 Jahre alte Romy aus Köln. Sie hielt ein Schild hoch mit der Aufschrift "Das Klima ist aussichtsloser als unser Mathe-Abi". Die Schüler hatten noch weitere Plakate und Transparente dabei. Darunter waren Aufschriften wie: "Die Dinos dachten auch, sie hätten Zeit" oder "Grandma, what's a Snowman?" (Oma, was ist ein Schneemann?).

Waghalsige Demonstration

Mehrere Schilder bezogen sich auch auf das Rezo-Video "Die Zerstörung der CDU", das vor der Europawahl eine Klimaschutz-Debatte entfacht hatte. Aachen ist der Wohnort des Youtubers. Nach eigenen Angaben war Rezo auch selbst mit dabei. Der junge Mann mit dem blauen Haarkamm verbreitete bei Instagram mehrere Videosequenzen von der Grossdemo. Einer der ältesten Demonstranten war der 88 Jahre alte Erasmus aus Köln. "Wir unterstützen die Schüler, wir wollen zeigen, dass wir Alten dieselben Ideen haben und dieselben Ziele", sagte er.

Bei einer waghalsigen Aktion seilten sich zwei Kinder von einer Brücke ab. Bilder eines dpa-Fotografen zeigen die beiden Kinder in Kletterzeug, wie sie in einem Abstand von einigen Metern an Seilen hingen. Zwischen den Seilen spannten sie ein Banner mit der Aufschrift "Eure Gier kostet unsere Zukunft". Der Protestzug wurde wegen kurzfristig gestoppt. Die Polizei beendete die Aktion.

Zwei Kinder haben sich mit einem Banner mit der Aufschrift "Eure Gier kostet unsere Zukunft" von einer Brücke bei der Klimademonstration Fridays for Future abgeseilt.

Rund 40 Kilometer entfernt, am Tagebau Garzweiler, war unterdessen ein Katz- und Maus-Spiel zwischen Klimaaktivisten und Polizei im Gange. Einsatzwagen sammelten sich am Aussichtspunkt Hochneukirch im Norden des Tagebaus. Von diesem strategisch günstigen Platz hat man einen weiten Blick auf das riesige Abbaufeld. Ein Wasserwerfer rollte an und ein Räumfahrzeug.

Die Polizei sperrte für mehrere Stunden den Bahnhof Viersen am Niederrhein, nachdem sich etwa 1000 Aktivisten auf dem Weg dorthin gemacht hatten. Die Menschen kamen nach Polizeiangaben aus dem Camp des Aktionsbündnisses "Ende Gelände", das Blockaden im Rheinischen Revier angekündigt hatte. "Wir möchten damit verhindern, dass mit der Bahn zum Tagebau angereist wird, um da Straftaten zu begehen", begründete eine Sprecherin der Aachener Polizei das Vorgehen. Auch schon das Eindringen in den Tagebau stelle eine Gefahr da.

Die rund 1000 Demonstranten seien auf dem Weg zu Mahnwachen und Versammlungen gewesen, sagte die Sprecherin des Aktionsbündnisses, Kathrin Henneberger. "Die Polizei nimmt jungen Menschen das Grundrecht, für ihre Zukunft zu protestieren", kritisierte sie. (mc/dpa)

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