Zum 75. Jahrestag des D-Day ist der Westen zerstritten wie lange nicht. Bei den Feierlichkeiten zur Landung der Alliierten in der Normandie werden diesmal wohl auch Misstöne und Mahnungen zu hören sein. Schon vorab bekannt wurde, dass sich Theresa May dem Appell der Queen an Donald Trump anschliessen wird.

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Flottenparade, Überflug von Kampfflugzeugen und viele Soldaten - die Militärfeier im südenglischen Portsmouth zum 75. Jahrestag des D-Days dürfte Donald Trump gefallen. Der US-Präsident macht aus seiner Vorliebe für Uniformen und schweres Gerät keinen Hehl und wird am Mittwoch bei der Zeremonie in der Hafenmetropole an der Seite von Queen Elizabeth II. im Mittelpunkt des Interesses stehen.

Das "grösste britische Militärspektakel der jüngeren Geschichte" kündigte London ganz unbescheiden an - schliesslich landeten die alliierten Truppen vor einem Dreiviertel-Jahrhundert in der Normandie auf der anderen Seite des Ärmelkanals.

D-Day: Dunkler Schatten über der bunten Schau

Doch über der sicherlich farbenprächtigen Schau in Portsmouth am Mittwoch wird ein Schatten liegen. Denn die westlichen Verbündeten präsentieren sich zerstritten. An der Bewahrung der Nachkriegsordnung und internationaler Bündnisse scheint dem unberechenbaren US-Präsidenten wenig zu liegen. Immer wieder säte Trump Zweifel an dem Verteidigungsbündnis Nato und schloss selbst einen US-Austritt nicht aus, sollten die Partner ihre Verteidigungsausgaben nicht nach oben schrauben.

Eine Botschaft, die vor allem an Deutschland und seine Bundeskanzlerin Angela Merkel gerichtet war. Auch die CDU-Politikerin, die in Berlin um den Bestand der grossen Koalition kämpfen muss, wird in Südengland erwartet.

May schliesst sich dem Appell der Queen an

Gastgeber Grossbritannien, dessen Kriegspremier Winston Churchill einst die Formel von der "besonderen Beziehung" ("Special Relationship") mit den USA prägte, zeigt sich am symbolträchtigen Jubiläumstag geschwächt.

Nachdem Premierministerin Theresa May dreimal mit ihrem Brexit-Abkommen im Parlament gescheitert ist, will sie in Kürze zurücktreten. Die Teilnahme an der Parade ist wohl ihr letzter grosser öffentlicher Auftritt. Für Freitag hat sie bereits angekündigt, ihr Amt als konservative Parteichefin abzugeben.

Wie aus vorab verbreiteten Auszügen aus der Rede, die May in Portsmouth halten wird, hervorgeht, hat sie eine an Trump gerichtete Mahnung in petto: Es sei "wichtiger denn je, dass wir weiterhin dabei zusammenstehen, unsere gemeinsamen Werte und unseren Lebensstil aufrechtzuerhalten", heisst es in dem Manuskript.

May schliesst sich damit dem Appell der Queen an, die Trump am Montagabend in für sie ungewöhnlich deutlichen Worten aufgefordert hat, am Bündnis der Westmächte festzuhalten.

Differenzen bei Iran-Politik und Klimaschutz

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will Trump gleich mehrere Male sehen: einmal in Portsmouth und dann am Donnerstag, dem eigentlichen D-Day, bei einer Gedenkfeier auf dem US-Militärfriedhof in Colleville-sur-Mer in der Normandie. 12.000 Menschen werden dort erwartet.

Danach wird es noch Treffen der beiden Staatschefs in der Hafenstadt Caen geben. Hofft Macron, dessen Image durch monatelange Dauerproteste der "Gelbwesten" angekratzt wurde, vielleicht auf eine "Special Relationship" mit dem Gast aus dem Weissen Haus?

Vor dem Jubiläumstag wird in der Pariser Machtzentrale Élyséepalast auf jeden Fall das Verbindende und Versöhnende betont. Der D-Day sei ein Moment, um daran zu erinnern, dass die USA ein beständiger Freund Frankreichs seien, hiess es. Die Vereinigten Staaten hätten dazu beigetragen, dass Frankreich 1944 von der Nazi-Diktatur befreit worden und danach unabhängig geblieben sei.

Auch wenn die Franzosen immer wieder betonen, wie wichtig die Zusammenarbeit mit den US-Amerikanern im Kampf gegen den internationalen Terrorismus sei, werden in Paris Meinungsunterschiede unverhohlen benannt. So hält Macron an dem internationalen Atomdeal mit dem Iran fest, aus dem die USA ausgestiegen sind. Auch der Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen wird von Macron offen kritisiert. (dpa/mcf)

US-Präsident Donald Trump nutzt seinen Staatsbesuch in Grossbritannien, um sein Verhältnis zu Herzogin Meghan in Ordnung zu bringen. Dass sie "fies" sei, will der 72-Jährige nie gesagt haben.


Teaserbild: © Rafael Yaghobzadeh/AP/dpa