"Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch (57) hat schwere Vorwürfe gegen die Europäische Union und die Regierungen ihrer Mitgliedsländer erhoben.

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"Es ist beschämend, dass die EU mehr dafür tut, Seenotrettung zu verhindern, als gegen das Sterben im Mittelmeer", erklärte der 57-Jährige am Montag in einer schriftlich verbreiteten Stellungnahme vor seiner geplanten Landung in München.

Mindestens 277 Menschen seien ertrunken, seit die Rettungsschiffe auf Malta festgesetzt sind. "Wir diskutieren jetzt also ernsthaft, ob es legitim ist Menschenleben zu retten? Hätten wir die Leute einfach ertrinken lassen, würde ich jetzt wohl nicht vor Gericht stehen, das ist schäbig und eine Gefahr für die Demokratie."

Schwere Vorwürfe des "Lifeline"-Kapitäns

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) warf er vor, er wolle Menschen auf dem Mittelmeer ertrinken lassen. "Er ist ein Täter, er gehört vor Gericht, er muss zurücktreten."

Reisch steht als Kapitän des auf Malta liegenden Rettungsschiffs "Lifeline" vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, das Schiff ohne ordnungsgemässe Registrierung in maltesische Gewässer gesteuert zu haben. Die "Lifeline" der in Dresden ansässigen Hilfsorganisation Mission Lifeline war zuvor fast eine Woche auf dem Meer blockiert, nachdem sie rund 230 Migranten vor Libyen gerettet hatte.

Reisch kann einige Tage ausreisen und wurde am Montag am Flughafen in München erwartet. Zum nächsten Prozesstermin am 30. Juli wird er nach Malta zurückkehren.  © dpa

Auf Malta ist der Kapitän des deutschen Rettungsschiffes "Lifeline" auf freien Fuss gesetzt worden. Er dürfe Malta aber nicht verlassen.