Nordkorea und die USA demonstrieren militärische Stärke, der Konflikt in Ostasien wird immer bedrohlicher. Welche Streitkräfte stehen sich in der Krisenregion gegenüber? Wie modern und schlagkräftig sind sie? Wie reagieren die benachbarten Staaten? Ein Überblick.

Die Lage zwischen Nordkorea und den USA spitzt sich weiter zu.

Am Dienstag hat Nordkorea anlässlich des 85. Jahrestags der Gründung seiner Armee in der Hafenstadt Wonsan eine grossangelegte Militärübung abgehalten. Das berichten Vertreter der südkoreanischen Regierung.

Zum selben Zeitpunkt traf das amerikanische atomgetriebene U-Boot "USS Michigan" beim südkoreanischen Bündnispartner im Hafen von Busan ein.


Beide Seiten versuchen, im seit Wochen angeheizten Konflikt militärische Stärke zu demonstrieren. In der nordkoreanischen Parteizeitung "Rodong Sinmun" war von einer "brutalstmöglichen Bestrafung am Himmel, an Land, auf See und unter Wasser ohne Vorwarnung" die Rede.

Doch welche militärische Stärke steckt tatsächlich hinter den gegenseitigen Drohgebärden?

Nordkorea hat eine riesige Armee mit veralteten Waffen

Mehr als eine Million von insgesamt 24 Millionen Nordkoreanern gehören den Streitkräften an. Einem Bericht des US-Verteidigungsministeriums von 2016 zufolge stehen allein bei den Bodentruppen über 950.000 Mann unter Waffen.

Weitere sieben bis acht Millionen sollen in Reserveeinheiten organisiert sein. Geschätzt 180.000 Soldaten sollen Spezialkräften sein. Unter anderem, um Spionage zu betreiben - oder zu verhindern.

Zudem verfügt die Koreanische Volksarmee (KVA) über rund 4.200 Panzer, 2.200 gepanzerte Fahrzeuge, 8.600 Artilleriegeschütze und 5.500 Mehrfachraketenwerfer. Bei den Panzertypen soll es sich aber etwa um russische T34-Panzer aus den 1950er bis 1980er Jahren handeln.


Die Marine verfügt indes über geschätzt 60.000 Soldaten, 430 Patrouillenschiffe, 260 Amphibienfahrzeuge, 20 Minenkampfschiffe und 40 Hilfsschiffe. Ihre Stärke: Sie unterhält eine der grössten U-Boot-Flotten der Welt mit geschätzt 70 Einheiten.

Der Luftwaffe gehören derweil über 110.000 Soldaten an, mit mehr als 800 Kampfflugzeugen, 300 Hubschraubern und mehr als 300 Transportflugzeugen. Besonders sie gilt jedoch als veraltet. Die modernsten Jets, die MiG-29 und MiG-23, stammen aus den 1980er Jahren.

Grosse Sorgen bereitet den Nachbarn und den USA jedoch das Raketenprogramm. Laut "Spiegel Online" verfügte Pjöngjang 2013 über bis zu 1.000 Raketen, die meisten sind einstufige Kurz- und Mittelstreckenraketen.

Kim Jong Un hat angeblich sechs Interkontinentalraketen

"Das Land fühlt sich extrem bedroht. Es verteilt seine Ressourcen deswegen auf eine Grundversorgung der Bevölkerung und die Nuklear- und Raketenrüstung", sagte jüngst Nordkorea-Experte Dr. Werner Pfennig von der Freien Universität Berlin im Interview mit unserer Redaktion.

Laut US-Angaben besitzt Pjöngjang sechs Interkontinentalraketen mit einer Reichweite von mehr als 5.500 Kilometern. Wie Nordkorea-Experte Eric J. Ballbach indes erklärte, ist unklar, ob Nordkorea die Technologie besitzt, Atomsprengköpfe zu miniaturisieren und auf die Raketen zu installieren.

China hat grösste Armee der Welt

Zur Abschreckung dient indes Partner und Nachbar China, die Volksrepublik hat laut dem „Global Firepower Index“ von 2014 die grösste Armee der Welt. Mehr als 2,3 Millionen Soldaten sollen dazugehören, mit mehr als 9.000 Panzern und mehr als 500 Schiffen.

Wie "krone.at" kürzlich unter Berufung auf die südkoreanische Tageszeitung "Chosun" berichtete, habe China nach den jüngsten Spannungen 150.000 Soldaten an die Grenze verlegt. Die Truppenverbände sollten mit "unvorhersehbaren Folgen" und den erwarteten Flüchtlingen bei einem möglichen US-Angriff umgehen, berichtete "Chosun".

Verlegt Russland Kriegsgerät an die Grenze?

China ist indes um eine Entspannung des Konflikts bemüht, soll auf Drängen der Amerikaner das Regime in Pjöngjang sogar ermahnt haben. Auch Russland ist nicht an einer kriegerischen Auseinandersetzung interessiert.

Zuletzt kursierten jedoch Berichte, wonach Russland mögliches Kriegsgerät an die knapp 20 Kilometer lange Grenze zwischen Sibirien und Nordkorea verlege.

Kremlsprecher Dmitri Peskow wollte dies weder bestätigen noch dementieren. Es handle sich lediglich um eine reguläre, jährliche Übung, sagte Militärsprecher Alexander Gordejew der Agentur Interfax.

Südkorea hat eine kleinere, aber moderne Armee

Die Truppe Südkoreas gilt als deutlich kleiner, aber wesentlich besser ausgestattet als die Streitkräfte des Erzfeindes, unter anderem gehören moderne K2-Black-Panther-Panzer seit 2014 zum Bestand.

Die Luftwaffe ist mit geschätzt knapp 1.400 Flugzeugen zudem grösser und verfügt über moderne F-16-Kampfjets.

Auch die Marine wirkt gewappnet. Sechs Zerstörer der Yi-Sun-sin-Klasse, die zwischen 2003 und 2007 in Betrieb genommen wurden, und sechs Fregatten der Incheon-Klasse sind mit neuesten Waffensystemen ausgestattet.

Insgesamt soll die Marine über 68.000 Mann und über 170 Schiffe verfügen, die Streitkräfte insgesamt über 600.000 Mann. Hinzu kommt die Unterstützung der Amerikaner, die einst im Koreakrieg an der Seite des Südens gegen den Norden kämpften – und nach dem Waffenstillstand 1953 blieben.

In Südkorea sind die "United States Forces Korea" mit rund 30.000 Mann stationiert. Zu ihrem Arsenal zählen schwere M1-Abrams-Kampfpanzer, schwere M109-Panzerhaubitzen sowie Flugabwehrraketensysteme vom Typ MIM 104 Patriot.

Auf der Kunsan Air Base und der Osan Air Base sind zudem mehrere Dutzend Kampfjets vom Typ F-16 einsatzbereit.

Ende April wird nun der von Präsident Donald Trump entsandte Flugzeugträgerverband erwartet, zu dem neben der "USS Carl Vinson" ein Kampfflugzeug- Geschwader, zwei Lenkwaffenzerstörer und ein Kreuzer zählen.

Die reine Grösse der Streitkräfte in der Krisenregion lassen erahnen, wie bedrohlich die Lage ist. Und sie spitzt sich immer weiter zu ...