Bundeskanzlerin Angela Merkel sucht noch nach dem geeigneten Umgang mit US-Präsident Donald Trump. Auch Frank Plasberg diskutiert Lösungen. Oskar Lafontaine gibt überraschend den Sympathisanten Trumps, ein Publizist würde diesen am liebsten "richtig abfüllen".

Strafzölle? Handelskrieg? Einreiseverbot für Muslime? Der Wirtschaft wird mulmig, wenn sie an die Express-Massnahmen des neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump denkt. Wie mit diesem Mann umgehen, der offenbar keine Regeln kennt, fragt Frank Plasberg im ARD-Polit-Talk "Hart aber fair".

"Macht Trump den ewigen Export-Weltmeister Deutschland zum Verlierer?" Vorneweg. Befürworter halten Trump eine direkte Rhetorik zugute, und dass dieser eben nicht nur rede, sondern mache.

Auf die Frage, was er dem 70-Jährigen denn gerne in unserem Deutschland zeigen möchte, antwortet der Verleger und Publizist Wofram Weimer: "Das Braustüberl am Tegernsee. Da würde ich ihn richtig abfüllen." Ist die Polemik nun auch im Eiltempo in der deutschen Politik angekommen?

Publizist will Donald Trump abfüllen

So einfach ist es letztlich nicht. Weimer ist erstens eben Verleger aus der freien Wirtschaft. Zweitens, scheint Weimer mit seinen Aussagen an diesem Abend bewusst Aufsehen erregen zu wollen. So empfiehlt der ehemalige Chefredakteur der "Welt" und des "Focus":

"Cool bleiben und schauen, was da wirklich kommt." Ein mulmiges Gefühl streitet aber auch der 52-Jährige nicht ab. Weimer: "Wenn ich morgens aufwache, schaue ich erstmal, was er letzte Nacht angerichtet hat." Richtig amüsant wird es, als Linken-Politiker Oskar Lafontaine sich als Sympathisant des amerikanischen Präsidenten gibt.

"Herr Lafontaine, da wird mir Angst und Bange, wenn sie einer Meinung mit Trump sind und der Freihandel von rechts und links attackiert wird", meint Weimer und fällt dem saarländischen Fraktionsvorsitzenden ins Wort. "Nicht, dass sie noch wie ein roter Trump rüberkommen."

Er habe so oft erlebt, wenn Politiker vor Wirtschaftsführern kuschen, meint dagegen der ehemalige SPD-Vorsitzende. Der 73-Jährige hat offenbar etwas seiner altbekannten Schlagkraft eingebüsst, wirkt bei Plasberg beinahe zurückhaltend – für das, was man früher von ihm gewohnt war. Schade.

Journalistin attackiert Trumps Chefberater Steve Bannon

Auch die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) drückt sich deutlich moderater aus als Weimer. "Es kann nicht im Interesse der Amerikaner sein, mit Zöllen zu arbeiten, weil das auch der amerikanischen Wirtschaft schaden würde", sagt die 52-Jährige.

Es sei grundsätzlich nichts Falsches dabei , sich für sein Land einzusetzen. Wie Trump das aber tue, finde sie nicht richtig, meint sie und fragt, "wie Trump die ganzen Jobs finanzieren will, die er versprochen hat". Melinda Crane, Politische Chefkorrespondentin im englischen Programm von Deutsche Welle-TV, attackiert Trumps Chefberater Steve Bannon.

Der Herausgeber der mindestens rechtspopulistischen Nachrichtenseite "Breitbart" werde unter Trump in den Sicherheitsrat der USA aufgenommen, schildert sie, beschwichtigt dennoch. Crane: "Importe würden teurer werden, deswegen wollen die meisten Amerikaner diese Zölle nicht. Alles, was wir diese Woche gesehen haben, diente der Inszenierung Trumps als dem Beschützer der amerikanischen Arbeiter."

Die deutsche Wirtschaft müsse sich ohnehin nicht die grössten Sorgen machen, meint die Journalistin, die seit Jahren in der Bundesrepublik lebt, denn "sie haben die beste Berufsausbildung der Welt in Deutschland".

Verhandlungsexperte: "Wir müssen Donald Trump Forderungen stellen"

Carl Martin Welcker, Präsident des Verbands der Maschinenbauer, weitet diese Meinung auf die Produkte "Made in Germany" aus. "Wenn ich unsere Produkte sehe, gibt es gar nicht mehr die Möglichkeit, diese in den USA zu produzieren", sagt er.

"Wir sollten selbstbewusst sein." Richtig interessant wird es, als Plasberg einen renommierten Verhandlungsexperten dazu holt. "Man ist zu weit weg von Trump. Abwarten, nein. Man muss ran an sein Verhandlungsteam. Man muss selbst Forderungen stellen, Trump sagen: Das ist, was wir haben wollen, lass uns reden", erklärt der Verwaltungsjurist Matthias Schranner im Experten-Gespräch.

Merkel reagiere richtig, wenn sie bald nach Washington reise. Doch das müsse noch schneller geschehen, sagt er, nach dem Motto: "Hey, du (Trump, d. Red.) willst einen Konflikt? Gerne, lass uns reden. Wäre ich Frau Merkel, würde ich morgen hinfliegen."

In diesem Sinne hat Plasberg nicht nur Fragen gestellt, sondern erfrischend unterhaltsam Antworten geliefert auf eine der vielleicht grössten Herausforderungen unserer Zeit, die Frage, wie mit Donald Trump umzugehen ist.