Auge in Auge mit Angela: Im Juli durfte YouTube-Star "LeFloid" ein Interview mit der Bundeskanzlerin führen. Bei "Markus Lanz" erzählt er vom eisigen Charme der Kanzlerin, wie es zu dem Interview kam - und warum ihn die Medienschelte an seiner Interviewführung wenig interessiert.

Mit 27 Jahren kann Florian Mundt den Punkt "Einmal die Kanzlerin treffen" auf der "To-Do-List" fürs Leben schon mal abhaken. Eine halbe Stunde Audienz gewährte ihm Angela Merkel Mitte Juli und sprach mit ihm über die Homo-Ehe, NSA und TTIP. In der Netzwelt ist Mundt besser bekannt als "LeFloid".

Beim ZDF-Talk von Markus Lanz am Mittwochabend berichtete er, wie es zu dem Interview kam: Nämlich ganz simpel durch einen Anruf von Regierungssprecher Steffen Seibert. "Unglaublich überrascht" sei Mundt davon gewesen. "Ich bin mir auch sicher, seit ich diese Nummer auf dem Handy habe, wird mein Telefon nonstop abgehört", schiebt er in Anspielung auf den NSA-Skandal nach und hat im Publikum die Lacher auf seiner Seite.

Auf YouTube ist "LeFloid" ein Star

Seinen YouTube-Kanal "LeFloid" haben 2,7 Millionen abonniert. Zum Vergleich: Die Bundesregierung hat gerade einmal 13.400. In seinen Videos spricht, sinniert und blödelt "LeFloid" über Politik in Nordkorea oder deutsche Waffenlieferungen ins Ausland genauso wie über Games und die Webwelt.

"LeFloid" versteht sich als Nachrichtenkommentator. "Es ist ein Blog über das aktuelle Weltgeschehen." So greift er zum Beispiel in einem Video das Thema Flüchtlinge auf - das "Reizwort", wie er es nennt. Mit Spott und klaren Ansagen nimmt er die rechten Parolen auseinander.

"Ich will die Leute anregen, sich auszutauschen, zu diskutieren und sich eine eigene Meinung zu bilden", sagt Mundt. Eine eigene Meinung sei heutzutage das Wichtigste überhaupt. Auch Fehler bleiben dabei nicht aus. So habe er einmal eine falsche Geschichte weiterverbreitet, weil er sie nicht genau genug geprüft habe, gibt der junge Blogger zu.

"Angela Merkel hat mich benutzt"

Vor dem Interview mit der Kanzlerin sei er kein grosser Merkel-Fan gewesen, betont Mundt - "und hinterher erst recht nicht." Der Termin mit der Kanzlerin sei auch keine grosse Sache gewesen. "Es wird kurz kälter, Frau Bundeskanzler betritt den Raum", frotzelt er.

Seiner Rolle ist sich "LeFloid" durchaus bewusst. Mit ihm als Vertreter der Generation Internet wollte Merkel gerade die jüngeren Wähler ansprechen. Mit Erfolg: 3,7 Millionen Mal wurde das Video bisher angeklickt. Eine "Win-Win-Situation" nennt es der YouTuber. "Es hätten sich sonst nicht viele 16- bis 24-Jährige ein halbstündiges Kanzlerinterview angeschaut", meint er. "Sie hat mich wahrscheinlich benutzt, um diese Zielgruppe zu erreichen."

Das Rendezvous mit der Kanzlerin hatte für "LeFloid" aber nicht nur positive Folgen. Er musste viel Kritik für seinen Auftritt einstecken. Mundt sei zu zahm, zu brav, zu eingeschüchtert gewesen, urteilten Medien wie der "Deutschlandfunk" oder der "Stern".

Die Kritik an seinem Interview nimmt "LeFloid" locker

Das interessiert den Internet-Star jedoch wenig, die Schelte an seiner Interviewführung nimmt er locker. "Das ist ja ihr Job", winkt er ab. Auch zu hohe Erwartungen seien an der teils heftigen Kritik schuld gewesen.

Nach einer zu provokanten Frage wäre das Interview vorbei gewesen, erklärt er. Stattdessen habe er der Kanzlerin immerhin 13 der 15 Fragen stellen können, die er zuvor in der Community unter dem Hashtag #NetzFragtMerkel gesammelt hatte. Merkel habe dabei teilweise klare Positionen bezogen, findet Mundt - etwas, was nicht gerade üblich ist bei der Kanzlerin.

"LeFloid" ist mit Abstand der Jüngste bei Lanz und wird von den älteren Gästen ähnlich bestaunt wie der neben ihm sitzende Insektenforscher. Mundt zeigt dafür Verständnis und übersetzt hilfsbereit "Fachbegriffe" aus den Sozialen Netzwerken wie "gespreaded" in "verbreitet".

Sein Auftritt - wie auch die Aufregung um sein Interview – macht wieder einmal klar, wie wenig Politiker und altgediente Journalisten von diesem komischen Medium verstehen, das Merkel noch vor zwei Jahren "Neuland" genannt hat.