In Anlehnung an das Aus des Musikpreises Echo wegen des Eklats um die Preisträger Farid Bang und Kollegah diskutiert Sandra Maischberger am Mittwochabend darüber, wie politisch korrekt Sprache sein muss. Auch der einstige Skandal-Rapper Bushido ist zu Gast – und muss sich mit zunehmender Dauer Vorwürfen erwehren. Es wird hitzig.

Eine Kritik
von Patrick Mayer

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"Eine Woche nach dem Aus für den Musikpreis Echo stellen wir eine Grundsatzfrage", erklärt Sandra Maischberger am Mittwochabend in ihrer Sendung in der "ARD": "Müssen wir Kinderbücher verbieten, weil sie rassistisch sind? Müssen wir die Nationalhymne ändern, weil sie frauenfeindlich ist?"

Ein Rückblick: Die Rapper Kollegah und Farid Bang hatten den Musikpreis Echo bekommen, obwohl in ihren Texten mutmasslich antisemitische und offenkundig frauenfeindliche Passagen zu finden sind. Der Aufschrei war riesig.

Der Echo wurde abgeschafft. Und seither wird verstärkt über Antisemitismus und Diskriminierung in der deutschen Gesellschaft diskutiert, so auch bei Maischberger.

Bushido ist zum Polarisieren da

Diese hat im einstigen Skandal-Rapper Bushido einen Gast geladen, der zum Polarisieren taugt – und dies in der Sendung auch schnell tut.

Zur Einordnung: Bushido muss sich immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, in seinen Texten insbesondere frauenfeindlich zu sein. Er weist dies bei Maischberger vehement, irritiert und angestachelt von sich.

Er macht in seiner Argumentation aber auch nicht den besten Eindruck. So lässt sich der 39-Jährige von der Feministin Marlies Krämer regelrecht provozieren, einer rüstigen älteren Dame über achtzig.

Krämer referiert darüber, dass Frauen ausgegrenzt würden, wenn in der Sprache immer nur von der männlichen Version die Rede sei, etwa dem Arbeitnehmer. Sie poltert in ewig langen Monologen gegen "patriarchale Ausgrenzung" – und irgendwann hat Bushido genug gehört.

"Das finde ich Quatsch. Ich sehe für mich, dass die Dame einfach Langeweile hat", meint der Musiker nicht minder patriarchalisch und verweist flapsig auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): "Wir haben seit 16 Jahren eine Frau an der Macht, ist doch alles super."

Rapper gerät in Rage

In der Folge attackieren ausnahmslos alle anderen Gäste Bushido, was vonseiten der Moderatorin regelrecht gefördert wird. "Ich bin gespannt, was jetzt kommt", sagt Bushido, als ein Einspieler über seine Vorgeschichte beginnt - und über Texte, in denen Frauen definitiv diskriminierend bezeichnet werden.

"Bin ich froh, dass keine Kinder zuschauen", meint Maischberger wenig zimperlich – da ist Bushido schon in Rage.

Hektisch verzettelt sich der Musik-Star in Rechtfertigungen, obwohl er sich offenbar gar nicht rechtfertigen will, wird dabei immer dünnhäutiger.

Begriffe wie "Schlampe" oder "Fotze" seien eine "extreme Form von Kunst", die nur Leute verstehen würden, die sich mit seiner Musik auch auskennen würden. Meint er.

Bushido gibt zu: Mit Antisemitismus gespielt

Dabei ist der Rapper fast schon erfrischend ehrlich. "Ich bin in keiner Sekunde Antisemit gewesen. Aber ich habe damit gespielt", sagt er etwa. "Hätte ich eine politisch korrekte Karte genommen, bekäme ich kein Gehör."

Bushido haut verbal nun regelrecht um sich, wobei seine Frage wohl erlaubt sein muss, warum er in eine Sendung eingeladen wurde, in der es zwischenzeitlich offenbar nur darum ging, ihn in die Defensive zu drängen.

Doch er stellt sich auch nicht gerade souverän an. "Was ist schlimm, wenn ich sage: Armes Deutschland, ich ficke deine Huren?", meint er zum Beispiel – und bekommt irritierte und ratlose Blicke zugleich.

Maischberger vergisst die eigentliche Debatte

Irgendwann beginnt er, gegen die Moderatorin zu keilen. "Frau Maischberger, das ist so ein plattes Argument", sagt er. Oder als es um eine Anzeige wegen Körperverletzung geht: "Wie werde ich jetzt dargestellt? Ich bitte Sie."

Eines vergisst Maischberger nur komplett: Wirkliche Antworten zu liefern auf ihre Frage, was noch korrekt ist - und was nicht. So dient das regelrechte Bushido-Verhör an diesem Abend höchstens einem Zweck: der Unterhaltung. Und das war letztlich für solch ein wichtiges Thema zu wenig.