Früher in Rente, viel mehr Geld im Monat - und das nicht nur zwölfmal im Jahr, sondern 14-mal: Rentner in Österreich kassieren im Vergleich zu den deutschen Nachbarn eine fürstliche Pension. Dennoch taugt das Land in Sachen Rente nur bedingt als Vorbild.

Österreicher bekommen nach 40 Beitragsjahren im Durchschnitt etwa 1.560 Euro Pension pro Monat. Das rechnete die Hans-Böckler-Stiftung basierend auf Daten von 2013 aus. Zusätzlich erhalten sie eine 13. und 14. Monatsrente. Ein deutscher Rentner bekommt nach ähnlich lückenlosen 40 Beitragsjahren nur 1.050 Euro – und das auch nur zwölf Monate im Jahr.

Brutto erhalten Pensionisten (österr. für Rentner) satte 78 Prozent ihres Durchschnittseinkommens, in Deutschland liegt die Rate bei unter 40 Prozent, Tendenz fallend. Kein Wunder, dass die Linken gerne auf das österreichische Modell verweisen.

Und nicht nur die, auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger empfiehlt der Bundesregierung, Richtung Süden zu schauen. Doch das Bild vom Rentnerparadies hat erste Risse bekommen: Schon vor Jahrzehnten hat die Politik Korrekturen vornehmen müssen, die künftige Pensionisten hart treffen werden.

Und aktuell debattiert das Land darüber, ob es sich seine reichen Alten noch leisten will – und wenn ja, wie lange das gutgehen kann.

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Mehr öffentliche Gelder

Warum bei den Pensionisten in Österreich so viel mehr Geld ankommt, ist schnell erklärt: Es ist viel Geld da. Zum einen tragen alle Erwerbstätigen zur Finanzierung bei, auch Selbstständige und Beamte – und das schon ab einem Monatseinkommen von 425 Euro.

Zum anderen liegen die Beitragssätze mit 22,5 Prozent deutlich über dem deutschen Wert (18,7 Prozent). Zusätzlich stopfen die Steuerzahler mit aktuell rund zehn Milliarden Euro pro Jahr die riesige Lücke - bei einem Gesamthaushaltsvolumen von nicht einmal 80 Milliarden Euro.

Das höhere Pensionsniveau ist politisch gewollt und wird dementsprechend finanziert.

Das System der drei Säulen – gesetzliche Rente, Betriebsrente und private Vorsorge – existiert zwar auch in Österreich, erklärt Thomas Url, Rentenexperte beim Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung. "Aber in Österreich machen Betriebspensionen und die private Vorsorge einen sehr geringen Anteil aus."

Nur 3,5 Prozent ihrer Pensionen erwirtschaften die Österreicher aus privaten Versicherungen, der niedrigste Wert der westlichen OECD-Staaten. In Deutschland liegt der Wert bei 17 Prozent.

Für einen sinnvollen Vergleich müsse man sich deswegen alle drei Säulen anschauen, sagt Wifo-Experte Thomas Url. Auch das hat die Böckler-Stiftung gemacht: Selbst mit Riester-Vorsorge kommen die deutschen Rentner nur auf eine Bruttorente von ca. 50 Prozent ihres Durchschnittseinkommens.

Die Zeit der Luxusrenten ist vorbei

Die hohen Zuschüsse aus dem österreichischen Staatshaushalt sorgen allerdings regelmässig für Diskussionen. Vor allem wenn die Politik wie jüngst kleinere Pensionen noch um 2,2 Prozent anhebt, ein teures Zuckerl vor den Wahlen im Oktober.

Der Ökonom Michael Christl vom liberalen Think Tank Agenda Austria wetterte im "Standard", das gehe auf die Kosten der jungen Generation, die das immer teurere System stützen muss.

Er fordert eine Anpassung des Rentenalters von derzeit 65 (Männer) bzw. 60 Jahren (Frauen) auf 67 Jahre, wie in Deutschland. Faktisch gehen die Österreicher mit 61 (Männer) bzw. 59 Jahren (Frauen) in die Pension, in Deutschland sehen die Zahlen bei Männern ähnlich, bei den Frauen (62) anders aus.

Die Überalterung schafft in beiden Ländern Probleme. Im Jahr 2050 werden schon halb so viele Menschen über 65 in Österreich leben wie Personen zwischen 15 und 64. Ein ungünstigeres Verhältnis sagt die OECD nur einem europäischen Land voraus: Deutschland.

"Das ist eine Belastung für das Pensionssystem", erklärt Thomas Url, Rentenexperte beim Wifo. Trotzdem hält er die Pensionen für zukunftssicher. Momentan wendet der Staat drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Zuschüsse auf.

Laut Berechnungen des Wifo werden es bis 2040 zwei bis drei Prozentpunkte mehr sein. Ein höheres Renteneintrittsalter berge allerdings "Einsparungspotenzial", das die Aufgabe "bewältigbar" mache.

Auch an anderer Stelle wird der Staat einsparen: Die Sonderrechte der Beamten laufen langsam aus, schon 2004 hat eine grosse Reform dafür die Grundlage gelegt. Auch die Berechnungszeiten wurden geändert, das durchschnittliche Pensionsniveau wird deswegen sukzessive sinken.

"Bis 80 Prozent des durchschnittlichen Lebenseinkommens, das ist ein Idealfall. Aber schon durch längere Ausbildungszeiten oder eine Karenz werden sich in Zukunft hohe Verluste ergeben", sagt Url.

Doch auch wenn die Pensionen sinken werden – Anregungen kann sich die deutsche Politik durchaus in Österreich holen, schreiben die gewerkschaftsnahen Forscher der Hans-Böckler-Stiftung, vor allem zur gesamtgesellschaftlichen Finanzierung der Renten.

Eins zu eins das österreichische Modell übertragen: Das gehe ohnehin nicht.