Mit einem Einspielergebnis von rund 700 Millionen US-Dollar entwickelte sich die Verfilmung von Stephen Kings "ES" 2017 zum erfolgreichsten Horror-Film aller Zeiten. Zwei Jahre später sucht Mörder-Clown Pennywise erneut die Kinosäle heim. Ob die Fortsetzung "ES – Kapitel 2", die am 05. September startet, an seinen Vorgänger heranreichen kann, erfahren Sie hier.

Thomas Pillgruber
Eine Kritik
von Thomas Pillgruber, Volontär

Zwei Jahre ist es her, dass Regisseur Andrés Muschietti 2017 den ersten Teil seiner Adaption von Stephan Kings "ES" in die Kinos brachte. In der fiktiven Kleinstadt Derry sind in der Zwischenzeit jedoch 27 Jahre vergangen.

Die Mitglieder des Verlierer-Klubs Bill (James McAvoy), Beverly (Jessica Chastain) Richie (Bill Hader) Eddie (James Ransone) Ben (Jay Ryan) und Stan (Andy Bean) sind mittlerweile erwachsen geworden. An die Geschehnisse während ihrer Kindheit, ihre Freundschaft und sogar an den gemeinsamen Kampf gegen den Kinder fressenden Clown Pennywise (Bill Skarsgård), erinnern sie sich kaum noch.

Nur Mike (Isaiah Mustafa), der – anders als seine Freunde – nie aus Derry weggezogen ist, hat den mörderischen Wechselbalg nicht vergessen.

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Mike ist es auch, der eines Tages feststellen muss, dass "ES" in Derry längst wieder auf der Jagd nach neuen Opfern ist. Und so ruft er seine Freunde zurück in ihre alte Heimat, um den Schwur der Verlierer von vor 27 Jahren zu erfüllen und "ES" endgültig zu vernichten.

Damit reisst er nicht nur die tiefsten Ängste und alte Traumata der Gruppe wieder auf, sondern versetzt auch den auf Rache sinnenden Pennywise in mörderische Höchststimmung.

"Es – Kapitel 2": Muschietti verkalkuliert sich bei seinen Möglichkeiten

Gleich vorneweg: "ES – Kapitel 2" ist kein schlechter Film und macht durchaus Spass. Im direkten Vergleich mit dem ersten Teil fällt "Kapitel 2" aber deutlich schwächer aus.

Das liegt nicht nur daran, dass ihm der "Coming of Age"-Charme fehlt, den Teil eins versprüht. "ES – Kapitel 2" krankt primär an seiner Inszenierung, der der Spagat zwischen der Romanvorlage Kings und einem eigenständigen Film nicht so gut gelingt, wie es bei Teil eins noch der Fall war.

Während es der Vorgänger von 2017 schafft, genau die richtigen Elemente des Buchs aufzugreifen, zu modernisieren und wegzulassen, wirkt Teil zwei in seiner Ausgestaltung unentschlossen und weniger durchdacht.

Kings Romanvorlage ist komplex und fasst zahlreiche Handlungsstränge, die erst nach und nach miteinander verwoben werden. Natürlich kann ein Film nicht alles aufgreifen, was in einem über 400.000 Wörter starken Wälzer erzählt wird. Aber "Kapitel 2" macht den Fehler, dass er viele Details aus dem Buch anschneidet, diese dann aber, wenn überhaupt, nur sehr dürftig ausarbeitet.

Die sogenannten Deadlights kommen beispielsweise zwar schon im Vorgängerfilm vor, werden aber erst in Teil 2 erstmals explizit angesprochen. Das passiert jedoch nur in einem Nebensatz. Mehr Informationen zu diesem Aspekt erhält der Zuschauer nicht. Auch Bills Frau und Beverlys Mann, die beide eine grössere Rolle im Buch einnehmen, haben beide einen kurzen Auftritt, werden dann aber nie wieder aufgegriffen.

Es wirkt deshalb stellenweise, als hätte Muschietti begriffen, dass er nicht alle wahnwitzigen Aspekte von Kings Buch umsetzen kann, aber dennoch versucht, möglichst viele davon irgendwie in den Film zu pressen.

Das Ergebnis erscheint deshalb oft halbgar. Kenner der Vorlage dürften sich fragen, warum dieses oder jenes Element aus dem Buch angerissen, aber nicht weiter ausgeführt wird und bei King-Laien dürfte sich, ob der mangelnden Erklärungen, teilweise Verwirrung einstellen.

Zäher Start trotz mörderischer Eröffnung

Zudem braucht der fast drei Stunden lange Film eine ganze Weile, um wirklich in Fahrt zu kommen. Und das, obwohl bis zum ersten grausamen Mord von Pennywise nur ungefähr fünf Minuten vergehen.

Dass das erste Drittel so träge wirkt, liegt daran, dass Muschietti sich Zeit lässt, um dem Zuschauer die gealterten Protagonisten noch einmal näher zu bringen und sie zurück nach Derry zu lotsen. Dabei greift er auch immer wieder auf Rückblenden in die Kindheit der Verlierer zurück, die sich auch nicht positiv auf das Tempo des Films auswirken.

Einige dieser Rückblenden fühlen sich ausserdem nicht so an, als würden sich die Protagonisten Stück für Stück an verdrängte und vergessene Momente ihrer Kindheit zurückerinnern.

Vielmehr wirkt manch ein Zeitsprung ins Jahr 1988, als hätte Muschietti für die Geschichte relevante Elemente im ersten Teil vergessen und müsste diese nun nachreichen, damit er die roten Fäden zusammenführen kann.

Repetitive 08/15-Schocks

Mit der Ankunft der Truppe in Derry nimmt "ES – Kapitel 2" zwar deutlich an Geschwindigkeit auf, nur leider bleibt dabei die Abwechslung auf der Strecke. Im Mittelteil des Films machen sich die Verlierer nämlich alle einzeln auf die Suche nach persönlichen Gegenständen. Diese "Tokens" benötigen sie für ein Ritual, mit dessen Hilfe sie "ES" besiegen wollen.

Diese Spaziergänge durch Derry laufen allerdings alle mehr oder minder nach demselben Muster ab: Einer der Verlierer sucht nach seinem "Token", wird dabei von Pennywise überrascht, es gibt eine kurze Konfrontation und nach einem Jump-Scare springt der Film zum nächsten Mitglied der Gruppe.

Klingt repetitiv? Ist es auch! Auch die Art, auf welche dem Zuschauer der Schrecken in die Knochen gejagt werden soll, bleibt immer gleich.

Zuerst wird eine bedrohliche Stimmung aufgebaut, die dem Kinobesucher weismachen will: Obacht, gleich kommt das Grauen! Doch der Moment, in dem man mit dem Schock rechnet, verstreicht. Stattdessen wird, um den Zuschauer unvorbereitet zu erwischen, das metaphorische "Buh" vonseiten Pennywise eine Sekunde später präsentiert.

Diese 08/15-Jump-Scares reiht der Film so formelhaft aneinander, dass selbst Horror unaffine Menschen sie spätestens beim zweiten Mal durchschaut haben dürften, was den Gruselfaktor drastisch mindert.

"Pennywise" alleine reicht nicht

Weniger zu meckern gibt es hinsichtlich der schauspielerischen Leistungen. Die Verlierer liefern alle grundsolide Darbietungen ab, wobei die Schauspiel-Schwergewichte Chastain und McAvoy jedoch ein wenig hinter ihren Möglichkeiten zurückblieben. Demgegenüber überzeugen Bill Hader und James Ransone mit ihrem lockeren und äusserst unterhaltsamen Spiel.

Klarer Star des Films ist aber, wie schon im ersten Teil, Bill Skarsgård als gestaltwandelnder Horror-Clown. Dessen Präsenz ist erneut die Verkörperung des Wahnsinns von Kings Buch und so stark, dass man sich nie völlig sicher vor ihm fühlt.

Doch auch wenn Skarsgårds Darbietung über jeden Zweifel erhaben ist, ist sie nicht stark genug, um die Macken des Films vergessen zu machen. "ES – Kapitel 2" ist ohne Frage unterhaltsam, kann aber weder als Horror-Film, noch als Adaption von Kings Werk komplett überzeugen und sticht deshalb als Film kaum aus dem Durchschnitt heraus.

Wer sich wirklich gruseln will, sollte also vielleicht lieber warten, bis "Midsommar" von Horror-Shootingstar Ari Aster in wenigen Wochen in die Kinos kommt.

"Es - Kapitel 2" startet am 05. September in den deutschen Kinos.

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