Der Musikpreis Echo wird abgeschafft. Das gab der Bundesverband Musikindustrie bekannt. Nach dem Eklat um die Preisverleihung sei ein vollständiger Neuanfang nötig.

Den Musikpreis Echo wird es in Zukunft nicht mehr geben. Das teilte der Bundesverband Musikindustrie am Mittwoch in Berlin mit. Kurz nach der Bekanntgabe meldeten sich bereits erste Stars, die die Entscheidung unterstützten.


Der Bundesverband Musikindustrie reagierte damit auf die Kontroverse um die Preisvergabe an ein Rap-Duo, dem in Textpassagen unter anderem Antisemitismus unterstellt wird.

Man wolle "keinesfalls, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen wird", schreibt der Verband.

Marke ist stark beschädigt

Die Marke Echo sei so stark beschädigt, dass ein vollständiger Neuanfang notwendig sei - mit einem neuen Preis. Laut der Mitteilung werden auch der Echo Klassik und der Echo Jazz von der Neuausrichtung betroffen sein.

Die Kriterien für Nominierung und Preisvergabe werden demnach vollständig geändert. Wann Massnahmen vorgestellt werden, ist noch nicht bekannt.

Im Juni solle aber ein Workshop stattfinden, um neue Ideen aus der Branche mit in die Neugestaltung einzubeziehen.

Das um die Echo-Verleihung herum Geschehene, wofür der Vorstand sich entschuldigt habe, könne zwar nicht mehr rückgängig gemacht werden, man werde aber dafür sorgen, dass sich ein solcher Fehler in Zukunft nicht wiederhole, heisst es weiter in der Mitteilung des Verbandes.

Der Musikpreis Echo kommt nicht aus den Schlagzeilen: Nach der heftigen Kritik an der Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang hat nun der jüdische Star-Dirigent Daniel Barenboim seine Trophäen zurückgegeben. 

Antisemitismus-Vorwürfe gegen Kollegah und Farid Bang

Die beiden Rapper Kollegah und Farid Bang waren für ein als judenfeindlich kritisiertes Album mit dem Echo geehrt worden. Es enthält Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow".

Die Bertelsmann Music Group (BMG) hat sich inzwischen von den Rappern Farid Bang und Kollegah getrennt. Das geht aus einer Erklärung der Bertelsmann-Tochter hervor, die der Deutschen Presse-Agentur seit Mittwoch vorliegt.

"BMG hat die Zusammenarbeit mit den Künstlern Kollegah und Farid Bang beendet", heisst es in der Stellungnahme. Zum genauen Zeitpunkt der Trennung wollte sich ein Sprecher nicht äussern.

Zuvor hatten das "Westfalen-Blatt" in Bielefeld und "Die Glocke" (Oelde) über das Vertragsende berichtet. In der vergangenen Woche hatte BMG angekündigt, die Zusammenarbeit mit den Rappern vorerst ruhen zu lassen.

Verleihung löste Proteste aus

Die Auszeichnung löste eine Welle der Kritik aus. Etliche Künstler kündigten an, ihre Trophäen zurückzugeben, darunter Marius Müller-Westernhagen und die Dirigenten Mariss Jansons und Christian Thielemann.

Bei der Echo-Gala in Berlin hatte allein Sänger Campino von den Toten Hosen auf der Bühne angeprangert, dass eine Grenze überschritten worden sei. Ein Echo-Sponsor sprang ab.

(mh/jwo/dpa)