Partnerbörsen wie "Tinder" oder One-Night-Stand-Portale: Noch nie war es so einfach und auch so unverbindlich, einen neuen Partner kennenzulernen, wie im 21. Jahrhundert. Die Netflix-Show "Too Hot to Handle" sorgt nun aber für ein Umdenken und stellt wieder die Liebe in den Vordergrund.

Eine Kritik
von Markus Bosch

Dating-Shows spriessen inzwischen wie Pilze aus dem Boden. Gab es früher nur das "Herzblatt" als klassisches Partnersuchformat im TV, herrscht inzwischen ein Überfluss, der den Wert der Liebe teilweise gering erscheinen lässt. In jeder Show sollen sich die potenziellen Partner näher kommen und am Ende die grosse Liebe finden – das Ganze möglichst showträchtig. Und wenn es nicht klappt? Dann ist mit der Teilnahme meist schon die grosse "Influencer-Karriere" ins Rollen gebracht und die Suche nach dem oder der Richtigen scheinbar nicht mehr das vordergründige Thema.

Deutscher Netflix-Titel ist "Finger weg"

Auch die Netflix-Produktion "Too Hot to Handle" (deutscher Titel lautet: "Finger weg", Anm. d. Red.) knüpft auf den ersten Blick dort an. Denn die Protagonisten, die sicherlich auch von 100.000 Dollar Preisgeld gelockt wurden, weisen äusserlich keinerlei Makel auf und sind bereits beim ersten Aufeinandertreffen vollkommen begeistert von der Schönheit der anderen Teilnehmer. Zudem steht für anfangs zehn mehr als flirtwillige Singles ein traumhaftes Resort, das keinerlei Wünsche offen lässt, zur Verfügung.

Die Voraussetzungen für ein schnelles und auch körperlich intensives Kennenlernen könnten kaum besser sein und so würde sich "Too Hot to Handle" wohl ohne Weiteres in die zahllose Reihe von Dating-Shows einfügen, ohne dabei gross für Aufsehen zu sorgen.

"Too Hot to Handle": Nach zwölf Stunden folgt die Wendung

Doch zwölf Stunden, nachdem die ersten Teilnehmer die Traumkulisse betreten haben und bereits reichlich körperliche Nähe zu sehen ist, folgt eine Wendung, die die Show einzigartig macht. Ein kegelförmiges Gerät mit Lautsprecher, genannt "Lana", eröffnet den Teilnehmern, dass sie während ihrer Zeit in diesem Retreat (deutsch: Rückzug) lernen werden, tiefe und ehrliche Bindungen einzugehen. Dafür müssen sie aber während dieser Zeit auf Sex verzichten, selbst ein Kuss ist verboten. Andernfalls wird eine erhebliche Summe vom Preisgeld abgezogen.

Für die Kandidaten, die ohnehin schon kaum noch die Finger voneinander lassen konnten, ist diese Nachricht ein echter Schock. Und so wird die Unterdrückung des eigenen Verlangens zu Beginn die grösste Herausforderung. Doch schnell zeigt sich, dass auch diese scheinbar so perfekten Menschen ihre Probleme haben und schlussendlich einfach nur geliebt werden wollen. Mithilfe von "Lana" sollen sie bessere Menschen werden, die sich auf tiefe und liebevolle Beziehungen einlassen können.

Natürlich gibt es auf dem Weg dorthin einige Rückschläge der Kandidaten, die auch das Preisgeld ordentlich zusammenschrumpfen lassen. Besonders eine Kandidatin gerät schnell in den Fokus der Anderen, sorgt sie doch regelmässig für Verstösse und schreckt auch vor einer Lüge nicht zurück. Aber den zahlreichen Kameras und "Lana" entgeht nichts, sodass kein Regelbruch ohne finanzielle Folgen bleibt.

Geldgierige Kandidaten müssen gehen

Teilnehmer, die nur an das Preisgeld denken und kein Interesse haben, ihr Verhalten zu überprüfen und zu verändern, werden aus der Show entfernt. Hingegen erhalten Teilnehmer, die ein tiefes und ehrliches Gespräch mit einem potenziellen Partner geführt haben, ein grünes Licht, um ihrem Gegenüber auch kurzzeitig körperlich nah zu sein. Ausserdem helfen auf dem Weg zu einem besseren Menschen auch Workshops, die vor allem die Selbstliebe der Teilnehmer stärken soll.

Natürlich lebt auch "Too Hot to Handle" von den typischen Klischees einer Dating-Show. So gibt es auch hier Streit, Eifersucht und verletzte Gefühle, doch dem Grossteil der Kandidaten nimmt man ab, dass sie ihr Verhalten langfristig ändern wollen. Und selbst das verlockende Preisgeld spielt am Ende nur eine kleine Rolle.

"Too Hot to Handle" ist eine Dating-Show, die Elemente aus verschiedenen Formaten vereint und schlussendlich sogar eine Botschaft für die Suche nach der grossen Liebe vermittelt. Auch, wenn das in der Realität natürlich meistens ungleich schwieriger ist. Doch Einschalten lohnt sich.

"Too Hot to Handle": Die erste Staffel ab sofort auf Netflix

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