Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Frankreich geht deshalb in den zweiten Lockdown. Diese drastischen Massnahmen sollen die Infektionskurve senken.

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Mitte Oktober 2020 verhängte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron angesichts der vielen Corona-Neuinfektionen erneut den Gesundheitsnotstand. Dieser ermöglicht es der Regierung, drastische Massnahmen wie Schliessungen und Ausgangssperren schnell durchzusetzen.

Jetzt ist es amtlich: Frankreich geht bereits ab Freitag in den zweiten Lockdown. Das verkündete Macron am Mittwochabend in seiner mit Spannung erwarteten TV-Ansprache an die Nation.

Neue Corona-Massnahmen in Frankreich

Mit dem neuen Lockdown verschärft Frankreich die Corona-Regeln drastisch. Landesweit gelten laut Élysée-Palast ab dem 30. Oktober strikte Ausgangsbeschränkungen. 67 Millionen Bürger dürfen ihre Wohnung nur noch aus wichtigem Grund verlassen.

Dazu zählen der Weg zur Arbeit, wichtige Einkäufe wie Lebensmittel oder Medikamente, Arzttermine, Unterstützung von Angehörigen oder Bewegung an der frischen Luft in der Nähe der Wohnung. Eine Bescheinigung, die diese Wege legitimiert, muss wie bereits während des ersten Lockdowns im Frühjahr mitgeführt werden.

Geschäfte, die keine lebensnotwendigen Dinge verkaufen oder essentielle Dienstleistungen anbieten, müssen schliessen, ebenso Restaurants und Bars. Wer kann, soll von zu Hause aus arbeiten. Reisen innerhalb des Landes sind untersagt. Universitäten bleiben geschlossen, Vorlesungen finden online statt.

Seniorenheime, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kitas bleiben geöffnet, es gelten verschärfte Hygiene-Massnahmen. Auch die Grenzen zu Frankreichs Nachbarländern bleiben geöffnet. Wer nach Frankreich einreisen möchte, muss sich einem Corona-Schnelltest unterziehen.

Ausserdem gelten in Frankreich aktuell folgende Corona-Regelungen:

  • Maskenpflicht in ausgewiesenen Teilen der Öffentlichkeit, in einigen Städten wie Paris und Marseille im gesamten Stadtgebiet für Personen ab elf Jahren
  • Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Pflicht eines Mund-Nasen-Schutzes in allen geschlossenen Räumen, die öffentlich zugänglich sind
  • Mindestabstand von einem Meter
  • Private Feiern und Versammlungen sind verboten

Regelbrechern drohen empfindliche Bussgelder in Höhe von 135 Euro. Die neuen Regelungen zur Eindämmung des Coronavirus gelten zunächst bis zum 1. Dezember.

Für viele Franzosen kommen die neuen Beschränkungen nicht überraschend. Ähnlich wie in Deutschland hatten viele Politiker angesichts der drastisch steigenden Corona-Neuinfektionen die Notwendigkeit von neuen Massnahmen bereits angekündigt.

Coronakrise in Frankreich in Zahlen

Mehr als 52.000 positive Tests binnen eines Tages hatte die französische Gesundheitsbehörde am Sonntag gemeldet – ein neuer Tagesrekord seit Beginn der Corona-Pandemie im März.

Die Zahl der neu dazugekommenen COVID-Todesfälle in Frankreich lag am Mittwoch laut Johns Hopkins University bei 241. Insgesamt sind in Frankreich 35.823 Menschen gestorben, die an COVID-19 erkrankt waren (Stand: 29. Oktober).

Die Gesamtzahl der Corona-Infektionen seit Beginn der Krise liegt in Frankreich bei 1.280.215. Laut Gesundheitsbehörde fallen 18,6 Prozent der Corona-Tests aktuell positiv aus. Eine Berechnung von NTV ergibt am 29. Oktober eine 7-Tages-Inzidenz von 414,4.

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Droht Frankreichs Gesundheitssystem der Corona-Kollaps?

Immer mehr Intensivbetten werden in der stark betroffenen Hauptstadt Paris von Corona-Patienten belegt. Frankreichs Gesundheitsbehörde meldete 15.177 neue COVID-Patienten innerhalb der letzten sieben Tage. 2.145 der Erkrankten müssen intensivmedizinisch betreut werden.

Ein Trend, der sich angesichts der vielen Neuinfektionen wohl verstärken wird. Dramatisch: Insgesamt gibt es laut Gesundheitsminister Olivier Véran 5.800 Intensivbetten im Land. Somit ist bereits fast die Hälfte mit COVID-Patienten belegt. Um Intensivbetten freizuhalten, werden im Grossraum Paris nicht zwingend notwendige Operationen bereits verschoben.

Hohe Fallzahlen trotz strenger Massnahmen

Als eines der am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder Europas verhängte die französische Regierung im Frühling einen strengen Lockdown. Nachdem die Regelungen gelockert wurden und das öffentliche Leben wieder ungezwungener stattfinden konnte, schnellten die Zahlen der Neuinfektionen im August erneut in die Höhe. Es folgten neue Massnahmen wie die Maskenpflicht in Unternehmen und eine nächtliche Ausgangssperre für Corona-Hotspots wie den Grossraum Paris folgte.

Wie kommt es trotz der strengen Massnahmen zu der exponentiell steigenden Infektionskurve? "Ein wahrscheinlich hinreichender Grund ist, dass in Frankreich einfach viel mehr Infektionstätigkeit war, während der ersten Welle. Der französische Lockdown war aggressiver als unserer, aber möglicherweise ist da im Hintergrund mehr an Restinfektionsmasse übrig geblieben als bei uns", mutmasst Virologe Christian Drosten im "Coronavirus-Update" des NDR.

Ob die zweite Corona-Welle in Frankreich mit dem Lockdown-Light gebrochen werden kann und ob die neuen Corona-Massnahmen greifen, soll alle 14 Tage von den Behörden neu evaluiert werden.

Verwendete Quellen:

  • Gesundheitsbehörde Santé publique France: Coronavirus: chiffres clés et évolution de la COVID-19 en France et dans le Monde
  • Élysée: Adresse aux Français
  • Auswärtiges Amt: Frankreich: Reise- und Sicherheitshinweise
  • NDR: Coronavirus-Update: Eine Empfehlung für den Herbst
  • Johns Hopkins University
  • Le Monde Reconfinement "à partir de vendredi", écoles, déplacements : les principales annonces d’Emmanuel Macron
Teaserbild: © imago images/Le Pictorium