Bei einem Interview wird Kamala Harris gefragt, ob sie US-Präsident Donald Trump für rassistisch hält - und bejaht. Der US-Präsident reagiert wenig später und macht sich über die Demokratin lustig. Den Rassismusvorwurf lässt er allerdings unkommentiert.

Mehr zur US-Wahl 2020

Kamala Harris hat im Rahmen eines TV-Interviews bestätigt, dass sie Donald Trump für einen Rassisten hält. Die Journalistin Norah O'Donnell hatte Harris während der Aufzeichnung des CBS-Formats "60 Minutes" konkret gefragt: "Glauben Sie, dass Donald Trump rassistisch ist?" Die Stellvertreterin des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden antwortete daraufhin lachend: "Ja, das tue ich." Harris sprach davon, dass man in der Vergangenheit ein Muster des Rassismus bei Trump beobachtet habe.

Als Beispiel für diese Behauptung nannte die 56 Jahre alte Senatorin aus Kalifornien, dass Trump immer wieder die Identität von Barack Obama angezweifelt hat. Auch die Proteste in Charlottesville 2017 führte Harris als Beleg für den Rassismus des Präsidenten an.

Dort seien "friedliche Demonstranten" Neonazis gegenübergestanden. Trump hatte später davon gesprochen, dass es auf beiden Seiten "gute Leute" gegeben habe. Zudem würde es laut Harris für sich selbst sprechen, dass Trump "Mexikaner Vergewaltiger und Kriminelle" nennt und "als erste Amtshandlung einen Muslim-Bann" eingeführt hat.

Donald Trump bricht "60 Minutes"-Interview vorzeitig ab

Dass die Kandidaten der US-Wahl sich wenige Tage vor dem Urnengang einem Interview in der TV-Sendung "60 Minutes" stellen, hat in den USA Tradition.

In diesem Jahr hatte das Format aber bereits vor seiner Ausstrahlung für Schlagzeilen gesorgt. Trump hatte sein Gespräch mit der Journalistin Lesley Stahl vorzeitig abgebrochen und Stahl vorgeworfen, "parteiisch" zu sein.

Später veröffentlichte der US-Präsident das Gespräch noch vor der Ausstrahlung durch den TV-Sender und forderte seine Anhänger auf, sich "die Voreingenommenheit, den Hass und die Unhöflichkeit", die seiner Meinung nach in dem Interview geherrscht hätten, selbst anzuschauen.

Trump verspottet Harris wegen Lachanfällen

Auch das Interview zwischen Harris und O'Donnell liess Trump nicht unkommentiert. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Allentown (Pennsylvania) verspottete er die Demokratin. "Stimmt etwas mit ihr nicht?", fragte Trump. "Sie hörte nicht auf zu lachen über, wissen Sie, sehr ernste Fragen."

Tatsächlich war Harris während der TV-Aufzeichnung mehrfach in Gelächter ausgebrochen. So zum Beispiel, als sie gefragt wurde, ob sie, im Falle eines Wahlsieges Bidens, eine sozialistische Perspektive ins Weisse Haus bringen würde.

Auch, als O'Donnell sie damit konfrontierte, dass sie nach Angaben der Webseite "GovTrack" die "liberalste" Senatorin in den USA ist, lachte Harris laut auf.

Bildergalerie starten

US-Wahl 2020: Das letzte TV-Duell von Donald Trump gegen Joe Biden - in Zitaten

Das zweite - und letzte - Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden vor der US-Wahl am 3. November lief gesitteter ab als beim ersten Aufeinandertreffen im TV vor wenigen Wochen. Trotzdem: Von gesittet kann am Ende nicht die Rede sein, wie die Zitate der Nacht belegen. (mit Material der dpa)

Verwendete Quellen

  • New York Times: Amy Coney Barrett Sworn In as Supreme Court Justice, Cementing Conservative Majority
  • New York Post: Kamala Harris laughs when asked if she’d bring ‘socialist’ perspective to White House
  • CBS News: Joe Biden makes the case for why he should be president
  • CNN.de: Report: Trump continues to question Obama's birth certificate