Im Amazonasgebiet wüten verheerende Waldbrände. Vor allem Brasilien ist betroffen. Die G7-Staaten wollen mit 20 Millionen Dollar helfen - und was macht Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro? Er lehnt das Geld ab. Was den Rechtsextremisten treibt und was Sie sonst zu den Bränden wissen müssen.

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Die brasilianische Regierung hat die von den G7-Staaten zugesagten Millionenhilfen im Kampf gegen die Waldbrände im Amazonasgebiet zurückgewiesen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem ungewöhnlichen Schritt.

Was haben die G7-Staaten angeboten?

Die G7-Staaten haben Brasilien angesichts der verheerenden Amazonas-Waldbrände umgerechnet 18 Millionen Euro an Soforthilfen zugesagt. Damit sollten vor allem Löschflugzeuge finanziert werden, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Montag beim Gipfeltreffen der führenden Industrieländer im südfranzösischen Seebad Biarritz. In einem zweiten Schritt soll im September bei der UN-Vollversammlung eine Amazonas-Initiative gestartet werden, erklärte er. Dabei solle es auch um Aufforstung gehen.

Neben Brasilien, wo es die grössten Brände gibt, sollen auch Französisch-Guyana, Peru, Kolumbien, Venezuela, Surinam, Bolivien, Ecuador und Guyana profitieren, wo die Flammen ebenfalls wüten.

Wie hat Brasilien reagiert?

Der brasilianische Umweltminister Ricardo Salles hat die Unterstützung durch die G7 zunächst begrüsst. Der Kabinettschef von Präsident Jair Bolsonaro, Onyx Lorenzoni, erteilte dem Vorschlag dann aber eine Absage: Brasilien danke für die angebotene Hilfe, sagte er im Gespräch mit dem Nachrichtenportal "G1". "Aber vielleicht wäre es wichtiger, mit den Mitteln Europa wieder aufzuforsten."

Warum will Bolsonaro das Geld nicht?

Brasiliens Präsident wertet das Angebot als Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes. "Wir können nicht hinnehmen, dass Präsident Macron unangebrachte Angriffe auf das Amazonasgebiet fährt, und seine Absichten hinter einer 'Allianz' der G7-Staaten zur 'Rettung' des Amazonasgebiets versteckt, als ob wir eine Kolonie oder Niemandsland wären", schrieb er am Montag auf Twitter.

Seit Macron die Waldbrände auf die Tagesordnung des G7-Gipfels gesetzt hat, haben brasilianischen Regierungsmitglieder Macron wiederholt scharf angegriffen. Bolsonaro selbst sprach von "kolonialistischer Mentalität", einer "Instrumentalisierung" der Brände und "sensationsgierigem Ton".

Kabinettschef Lorenzoni setzte dann am Montag noch einen drauf. "Macron schafft es nicht mal, einen vorhersehbaren Brand in einer Kirche zu verhindern, die Teil des Welterbes ist, und er will uns Lektionen für unser Land erteilen?", sagte Lorenzoni in Anspielung auf das verheerende Feuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame im April.

Anstatt sich in brasilianische Angelegenheiten einzumischen, solle sich Macron um "die französischen Kolonien" kümmern, sagte Lorenzoni. Er bezog sich dabei auf das Überseegebiet Französisch-Guyana, das eine gemeinsame Grenze mit Brasilien hat und in dem ein kleiner Teil der Amazonas-Wälder liegen.

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Was sagen andere betroffene Staaten?

Bolsonaro behauptet, andere Staatschefs hätten sich mit Brasilien solidarisiert, "schliesslich ist der Respekt vor der Souveränität eines Landes das Mindeste, was man in einer zivilisierten Welt erwarten kann".

Fakt ist: Kolumbien hat die G7-Staaten explizit um Hilfe gebeten. Boliviens Präsident Evo Morales hat nach einigem Zögern einen Supertanker der USA zum Löschen einfliegen lassen.

Warum wollen die G7-Staaten helfen?

Der Amazonasregenwald kann grosse Mengen an CO2 binden und ist für das globale Klima von entscheidender Bedeutung. Die G7 betrachten das Inferno deshalb als eine internationale Krise und sehen die internationale Gemeinschaft in der Verantwortung. Macron hat das Amazonasgebiet gar als "Gemeingut" bezeichnet.

Waldbrände kommen in der Region während der Trockenzeit von Juli bis Oktober immer wieder vor. Während die Zahl der Brände zum Beispiel in Ecuador und Kolumbien im Vergleich zum Vorjahr zurückging, stieg sie in Brasilien nach jüngsten Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE um 78 Prozent, in Peru um 116 Prozent und in Bolivien um 107 Prozent.

Meist werden die Feuer laut einem Bericht des Instituts für Umweltstudien im Amazonasgebiet (IPAM) von Farmern gelegt, um neue Weideflächen zu schaffen. Umweltschützer werfen Bolsonaro und Morales nicht nur vor, zu wenig gegen die Abholzung des Regenwaldes zu unternehmen, sondern sie aus wirtschaftlichen Interessen gar voranzutreiben. (mcf)

Verwendete Quellen:

  • afp
  • dpa
  • "ZDF heute" vom 27.8.29: "Waffen statt Löschflieger: Was in Südamerika schief läuft"