• Mickie Krause gehört zu den schillerndsten Figuren in der Welt des Schlager.
  • Im Interview spricht er über Let's Dance, den Tod Willi Herrens und ob er möglicherweise bald in der DSDS-Jury sitzt.
Ein Interview
von Dennis Ebbecke

Mehr Schlager-News finden Sie hier

Mickie, am Dienstag machte die Nachricht die Runde, dass Willi Herren verstorben ist. Wie sehr beschäftigt dich der Tod deines Kollegen?
Mickie Krause: Der Verlust eines Menschen ist immer schwer hinzunehmen. Dass der Willi jetzt mit 45 Jahren von uns gegangen ist, muss man erst einmal verarbeiten. Ich habe das noch gar nicht richtig realisiert und mich mit ein paar Kollegen ausgetauscht, denen es ähnlich geht. Es ist sehr schade. Willi war ein unglaublich netter Kerl, der natürlich seine Höhen und Tiefen hatte. Er wird uns fehlen.

Hattest du es ein bisschen kommen sehen?

Nein. Ich hatte vor circa drei Monaten mit ihm telefoniert. Damals erzählte er mir noch voller Tatendrang, dass er einen Reibekuchen-Food-Truck eröffnen möchte. Er fragte mich, ob ich Lust hätte, bei der Eröffnung dabei zu sein. Am vergangenen Freitag wurde der Food-Track dann tatsächlich eröffnet. Bei mir hatte er sich im Vorfeld aber nicht mehr gemeldet. Aber genau dieser Tatendrang hat Willi immer ausgezeichnet. Er hat vieles probiert – auch wenn nicht alles funktioniert hat.

Wie gelingt es dir, so geerdet zu sein und dem Druck, den dieser Job mitbringt, standzuhalten?

Ich wohne im beschaulichen Münsterland und kann hier an der Seite meiner Familie sehr bodenständig leben. Das Wichtigste für mich ist der Zusammenhalt, den wir sowohl in der Familie als auch im Freundeskreis haben – und das weiss ich sehr zu schätzen.

War das bei Willi Herren so vielleicht nicht gegeben?

Willi hatte auch eine tolle Familie, aber ich weiss nicht, wie es um den Zusammenhalt stand. Ich kann das aus der Ferne nur schwer beurteilen, auch weil ich noch nie Probleme mit Drogen hatte. Das ist ein grosser Unterschied. Willi war dafür empfänglich und hat immer sehr exzessiv gelebt.

Lass uns über deine Zeit bei "Let's Dance" sprechen: Welche positiven, aber auch negativen Erfahrungen hast du mitgenommen?

"Let's Dance" war für mich ein grossartiges Abenteuer, inklusive der Kennenlernshow war ich sieben Wochen dabei. Wir haben täglich acht Stunden hart trainiert – an vier Tagen in der Woche, ehe freitags Generalprobe und Show auf dem Programm standen. Ich hatte also keine Zeit, mich mit anderen Themen auseinanderzusetzen. Es gibt keine negativen Aspekte mitzuteilen. Ganz im Gegenteil: Es war eine tolle Reise mit einer fantastischen Tanzpartnerin (Malika Dzumaev; Anm. d. Red.), die irgendwann auch begriffen hat, dass Tanzen nicht zu meinen Kernkompetenzen gehört. Dennoch habe ich ihr und den Zuschauern gezeigt, dass ich mich dieser Herausforderung mit viel Disziplin, Leidenschaft und Ernsthaftigkeit widmen kann.

Bist du mit deiner Gesamtperformance zufrieden?

Ja, denn ich hatte nichts zu verlieren. Und wir haben uns von Woche zu Woche steigern können. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich mich mit 16 Punkten und einem einigermassen guten Tanz aus meiner letzten Show verabschiedet habe. So war es besser, als mit einem peinlichen Auftritt abzutreten. Und diese Gefahr hätte mit Blick auf den Contemporary durchaus bestanden, der in Show sieben angestanden hätte. Den hätte niemand sehen wollen (lacht).

Letztendlich galt für dich aber immer das Motto: "Wählt nicht den Besten, wählt Mickie Krause" …

Genau. Wir haben versucht, immer wieder neue Sprüche zu kreieren und "Wählt nicht den Besten, wählt Krause" wurde zu unserem Motto. Viele Künstlerkollegen haben mich dabei unterstützt. Diesen Spruch werden wir in irgendeiner Form noch weiter ausbauen – vielleicht ja in einem anderen TV-Format …

oder in einem neuen Song?

"Let's Dance" betrachte ich als ein eigenständiges Projekt, in dem es in erster Linie wirklich um das Tanzen ging. Dieses Thema werde ich nicht musikalisch verwerten, zumal ich in den vergangenen Monaten so viele neue Songs erarbeitet habe, die wirklich irgendwann einmal gehört werden müssen. Solange wir jedoch coronabedingt kaum eine Plattform haben, gibt es wenig Sinn, neue Titel zu veröffentlichen.

Ist deine "Tanz-Karriere" mit deinem "Let's Dance"-Aus beendet oder wirst du dranbleiben?

Ich hätte nie gedacht, dass Tanzen so viel Spass machen würde und daher werde ich weitermachen. Ein wenig traurig bin ich daher schon, dass wir nicht mehr dabei sind. Die täglichen Tanztrainings haben mir eine Struktur und einen geregelten Tagesablauf gegeben. Es kann also passieren, dass man mich eines Tages bei einer Party Cha-Cha-Cha oder Salsa tanzen sieht – bestenfalls in einem Urlaubsclub, wo ich dann die Tanzfläche stürmen werde.

Dieser Spagat aus Entertainment und Ernsthaftigkeit ist dir bei "Let's Dance" durchaus gelungen.

Vor dem Start der Staffel wurde ich in einigen Medien zum Nachfolger von Oliver Pocher erklärt, der dieses Format nur nutzt, um sich bestmöglich darzustellen und sich über andere Leute lustig zu machen. Ich glaube, dass ich genau das Gegenteil bewiesen habe. Ich habe sowohl meine Tanzpartnerin als auch die gesamte Produktion ernst genommen. Das war mir wichtig.

Haben sich aus deiner Teilnahme an der Tanzshow bereits neue TV-Formate ergeben?

Es sind bereits ein paar Anfragen reingekommen, von denen ich einige annehmen werde, weil es für einen Musiker wichtig ist, sich präsentieren zu können. Die Menschen sollen wissen, dass ich immer noch aktuell bin. Das Schlimmste ist, in Vergessenheit zu geraten. Klar ist aber auch: Ich werde nur an hochwertigen Formaten teilnehmen – also kein "Dschungelcamp" oder andere drittklassige Formate.

Von Trash-TV hältst du offensichtlich nichts, richtig?

Das ist überhaupt nicht meine Baustelle, weil es für mich auch keinen Mehrwert hat, mich dort zu präsentieren. Was bringt es mir, wenn ich bei "Promis unter Palmen" oder im "Sommerhaus der Stars" dabei bin? Ich müsste mich ja erstmal von meiner Frau scheiden lassen, um da mitmachen zu können. Zudem glaube ich, dass ich für diese Formate inzwischen auch eine Spur zu alt bin. Mit 50 muss man wirklich nicht mehr alles machen.

Bei "DSDS" wäre ein Platz am Jury-Pult frei. Wie wäre es damit?

Das stimmt, aber ich gehe von keiner Anfrage aus. Wahrscheinlich würde ich zwar die Kompetenz mitbringen, weil ich schon über 22 Jahre im Geschäft bin. Und dass bei "DSDS" nicht immer die besten Sänger*innen am Start sind, haben die vergangenen Jahre bewiesen.

Zum Abschluss ein Blick in die Glaskugel: Wer gewinnt "Let's Dance" 2021?

Es gibt ganz klar drei Favoriten: Rúrik Gíslason, Valentina Pahde und Nicolas Puschmann. Alle drei machen einen sehr guten Job und kämpfen immer um die 30 Punkte. Selbst Ilse DeLange ist nicht zu verachten, weil sie mit einer grossen Leichtigkeit und Fröhlichkeit tanzt. Ich glaube jedoch, dass es für sie am Ende "nur" für Platz vier reichen wird. Ich kann mir vorstellen, dass Nicolas das Ding gewinnt, weil er von allen am authentischsten ist.