Formate wie "Adam sucht Eva" oder "Promi Big Brother" erhitzen die Gemüter. Schaut man sich die Kritik an diesen Shows an, stellt sich unwillkürlich die Frage: Soll man darüber überhaupt noch berichten? Die Antwort: Man sollte nicht nur - man muss!

Christian Vock
Ein Kommentar
von Christian Vock, Freier Autor

Wenn ein Fernsehsender wieder Prominente in ein Urwald-Camp oder einen Container steckt, ist der mediale Wirbel regelmässig gross. Mittlerweile begleitet nicht mehr nur der Boulevard die Stars und Sternchen bei ihrem Treiben vor der Kamera. Die Berichterstattung über Sendungen wie "Adam sucht Eva" oder "Promi Big Brother" wird traditionell von zahlreichen Kommentaren und Leserbriefen begleitet.

Zieht man bei den vielen Meinungen einmal Lob und Kritik ab, bleibt eine interessante Frage übrig, die sich offenbar viele Leser stellen: Soll man über "Adam sucht Eva" und Co. überhaupt berichten oder verschafft man diesen Sendungen damit nur noch mehr Aufmerksamkeit?

Eine knappe Woche sind die Promis nun im "Big Brother"-Haus eingesperrt. Klar, dass sich da so einiges anstaut. Bei Daniel Köllerer sind es die Tränen und bei Nino de Angelo die Gase im Bauch. Doch alles folgt irgendwann dem natürlichen Lauf und muss einfach raus. Ein Zwischenbericht.

Gibt es nichts Wichtigeres?

Ein Argument derer, die die Berichterstattung in ihren Kommentaren kritisieren, lautet: Die Sendungen sind schlecht, also ist das Schreiben darüber auch schlecht. Führt man diese Logik aber weiter, würde das bedeuten: Sendung schlecht, Berichterstattung darüber schlecht, das Lesen dieser Artikel schlecht und das Kommentieren der Berichterstattung dementsprechend auch. Dieses Argument nimmt sich also selbst den Wind aus den Segeln.

Bei "Promi Big Brother" kämpfen die Kandidaten ohne Bandagen.

Ein weiterer häufiger Kritikpunkt ist: Gibt es nichts Wichtigeres auf der Welt, über das man schreiben kann? Auf den ersten Blick ist das in der Tat ein gewichtiges Argument. Wenn der IS im Irak und in Syrien tobt, wenn in Deutschland Flüchtlingsunterkünfte angegriffen werden und Griechenland immer wieder vor der Pleite steht, dann darf man in der Tat fragen, ob es wirklich richtig ist, sich über solche Sendungen den Kopf zu zerbrechen.

Meine Antwort darauf lautet: Ja, natürlich gibt es Wichtigeres. Aber man kann ja über beides schreiben, über Banales und über Wichtiges. Schwierig wird es dann, wenn das Banale überhandnimmt. Aber nicht zwingend nur auf Seiten der Medien, sondern auch beim Leser selbst. Jeder kann sich nämlich aus verschiedenen Quellen informieren und sich seinen Nachrichten-Mix selbst zusammenstellen.

Das Interessante bei der Kritik an der Berichterstattung ist auch, dass diejenigen die am lautesten über einen solchen Artikel schimpfen, offenbar trotzdem genug Interesse an dem Beitrag gehabt hatten. Denn sonst hätten sie ihn nicht angeklickt. Irgendetwas fasziniert also jeden an solchen Sendungen.

Was spricht dafür?

So viel zu den Argumenten gegen eine Berichterstattung. Aber was spricht dafür? Verschafft die Berichterstattung diesen Sendungen nicht erst die Aufmerksamkeit, die sie am Leben erhält? Das mag sein, überprüfen lässt sich das schwer. Fakt ist aber, dass - ob man das gut findet oder nicht - solche Formate Teil unserer TV-Realität sind.

Wenn nun über solche Sendungen kritisch berichtet wird, dann ist das nichts anderes als ein Ruf nach besserem Fernsehen. Die Reaktionen der Leser, die mit ihren Kommentaren ihre Kritik zum Ausdruck bringen, zeigen, dass es genug Zuschauer gibt, die diesen Wunsch nach einem besseren Programm teilen. Und vielleicht wird dieser Wunsch ja eines Tages erhört. Deshalb muss man darüber berichten. Auch wenn es wehtut.

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