Die heutige Ausgabe von "Menschen bei Maischberger" (ARD, 23.10 Uhr) sorgt bereits vor der Ausstrahlung für Zündstoff. Den Titel "Homosexualität auf dem Lehrplan: Droht die 'moralische Umerziehung'?" bezeichnete das Schwulen- und Lesbenmagazin "Queer" als "doppelte Unverschämtheit". Und auch Maischbergers Gäste seien pure Provokation.

Neben Schrifstellerin Hera Lind, Drag-Queen Olivia Jones und Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU und bekennender Homosexueller, sind heute Abend die Journalistin Birgit Kelle und der Generalsekretär der "Deutschen Evangelischen Allianz", Hartmut Steeb zu Gast bei Maischberger. Kelle und Steeb bezeichnet das Magazin "Queer" in einem empörten Artikel zur Sendung als "notorische Homo-Hasser".

Steeb hatte bereits in der Vergangenheit Vorbehalte gegenüber der Schwulenbewegung geäussert und sah in der homosexuellen Emanzipation eine Gefährdung des Lebensstils konservativer Christen. Kelle hatte 2012 in Frank Plasbergs Talkrunde in der ARD gegen Homosexuelle gewettert. Die Sendung musste damals bereits öffentlich Kritik einstecken, obwohl Plasberg der homosexuellen Seite den Rücken gestärkt hatte. Warum die ARD dennoch wiederholt auf Eskalationspotential und Provokation setzt, ist unverständlich.

Und die Empörung wäre beinahe noch grösser geworden. Nach Informationen des Schwulenmagazins "Männer" war ursprünglich auch Gero Winkelmann eingeladen, obgleich dessen Name nie offiziell angekündigt wurde. Der Homöopath aus Bayern gründete den Bund Katholischer Ärzte und ist der Überzeugung, dass gleichgeschlechtliche Liebe eine "krankhafte Neigung" und heilbar sei.

Das Magazin "Queer" kritisierte zudem, dass die ARD den sogenannten "Waldschlösschen-Appell" von 2013 missachte. Darin ruft der "Bund lesbischer und schwuler JournalistInnen" Medien dazu auf, diskriminierende Äusserungen klar zu benennen und den Personen dahinter keine Plattform zu bieten. Gerade in Talkshows sollten sich Schwule und Lesben nicht mehr für ihre sexuelle Orientierung rechtfertigen müssen.

Sandra Maischberger verteidigte die umstrittene Auswahl der Gäste. Man könne das Thema nicht unter lauter Gleichgesinnten diskutieren, so die Moderatorin zur Nachrichtenagentur dpa. "Wir bieten bei 'Menschen bei Maischberger' niemandem ein Podium oder Forum, sondern bitten Menschen mit ganz unterschiedlichen Meinungen in unsere Runde, damit sie ihre Argumente miteinander austauschen."

Eines steht jedenfalls fest: Die Entrüstung sorgt für einen PR-Coup, dank dem das unter starkem Quotendruck stehende Format wieder an Zuschauern gewinnen dürfte.  © Glutamat