Die gute Nachricht für Ines: Sie gewinnt "Curvy Supermodel" 2018. Die gute Nachricht für die Zuschauer: Es ist endlich vorbei. Nach sieben Wochen endet die Curvy-Model-Suche mit einem Finale, das man sich mit nichts schönreden kann, so sehr man es auch möchte.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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Da steht sie also und grinst über das ganze Gesicht. Gerade hat Ines von Ex-Bachelor Jan Kralitschka den Lohn der vergangenen Wochen erhalten: einen 15.000-Euro-Gutschein für einen Online-Klamotten-Handel.

Dazu gibt es noch eine Reise nach New York im Wert von 10.000 Euro, einen Model-Vertrag und ein Coverbild auf einer Mode-Zeitschrift. Kein schlechter Schnitt alles in allem und man kann der 18-Jährigen zu ihrem Titel und all den vermögenswirksamen Leistungen nur gratulieren.

Vor allem kann man ihr dazu gratulieren, dass sie die Show bis zum Ende durchgezogen hat – und das auch noch wach. Denn so grosszügig der Gewinn auch ausfallen mag, der wahre Gewinner des Finales von "Curvy Supermodel" ist ein anderer: der Zuschauer.

Sieben Wochen lang hat der sich angesehen, wie die Kandidatinnen mit Schirmchen über den Catwalk laufen, wie sie mit oder ohne Klamotten posieren oder wie sie beim Frisör waren. Ständig mit dabei: die Langeweile.

Pseudo-Katastrophe wird zur Peinlichkeit

Das ist eigentlich kein Problem, denn abgesehen von der vertanen Zeit bleibt nichts zurück. In der Regel schützt einen das Kurzzeitgedächtnis ja vor solchen Belanglosigkeiten mit einem schnellen Ausmisten.

Doch als TV-Format versagt "Curvy Supermodel" auf ganzer Linie und rangiert damit in puncto Unterhaltungswert nur knapp vor einer Bindehautentzündung und einem Windows-Update. Das Finale war da keine Ausnahme.

Bestes Beispiel: Frühmorgens rüttelt Juror Oliver Tienken an der Hotelzimmertür von Kandidatin Schulamit. Der selbsternannte "Catwalk-Professor" will nämlich um 6 Uhr morgens die Kandidatinnen für einen Kundentermin wecken, denn "die Finalwoche beginnt jetzt und es beginnt mit einem Real Job!"
Ja, Tienken hat tatsächlich "Real Job" gesagt. Als sei der Kundentermin irgendwie real und die Show nicht oder umgekehrt.

Jedenfalls macht Schulamit nicht auf, was für die Produktionsfirma die Gelegenheit ist, so etwas wie Puls in die Show zu bringen. Juror Tienken ist nahe an einem Herzkasper und darf lang und breit erklären, wie unfassbar unprofessionell das ist. Sogar der Off-Sprecher schaltet sich in die Empörung ein: "Der Jury droht eine Katastrophe", überspitzt der Sprecher die Situation bis zur Peinlichkeit.

Schwerwiegende Professionalitätsvergehen

Als Schulamit dann doch noch auftaucht, sie hatte einen Zug verpasst, greift dann die übliche Casting-Show-Dramaturgie. Jeder darf noch einmal sagen, wie schlimm das Ganze doch ist, bis Schulamit es selbst glaubt und Oliver Tienken in die Hand verspricht, dass dies das letzte Mal war. Beim nächsten Finalshooting für "Curvy Supermodel" wird sie also pünktlich sein. So so.

Nach dem Kundentermin müssen die Kandidatinnen sich dann in einem Steinbruch für ein "Heldinnen-Shooting" versammeln. In der Praxis werden die Damen einfach nur runtergerutschte Klamotten überziehen. Doch zuvor muss noch eine Teilnehmerin die Show verlassen.

Dafür rekapituliert Tienken noch einmal, welche Professionalitätsvergehen sich Schulamit in der Vergangenheit so zuschulden hat kommen lassen. Fazit: Den Trip zum Steinbruch hätte sich Schulamit sparen können.

Die Rausgeworfene gibt sich daraufhin dann doch noch professionell: "Ich werde mich jetzt woanders bewerben. Vielleicht werde ich berühmter als die Gewinnerin von 'Curvy Supermodel'?"

"Ist das ein Muttermal oder eine Warze?"

Wem es zu peinlich ist, die Geschichte um Schulamit als Höhepunkt zu bezeichnen, dem gibt RTL2 noch eine zweite Chance. Dafür kommt Peyman Amin zum Einsatz. Der Modelagent ist durch seine Funktion als Jury-Mitglied von "Germany's next Topmodel" bekannt geworden. Nun hat er sich zum Knigge-Tester bei "Curvy Supermodel" hochgearbeitet.

Bei einem vermeintlichen Geschäftsessen soll er die Manieren der Damen mit Fragen wie "Nennt man das Muttermal, Leberfleck oder Warze?" testen. Interessant dabei ist lediglich, dass die Jury den Manieren-Test heimlich beobachtet, Alina aber im Anschluss Ärger kriegt, weil sie Wein statt Wasser bestellt hat.

Wie auch immer, das Finale kommt dann irgendwann doch noch. Die Kandidatinnen werden solange nach und nach rausgeschmissen, bis nur noch Ines übrig ist, was zu eingangs geschilderter Szene führt.

"Curvy Supermodel" 2019? Bitte nicht!

Sollte Curvy Supermodel jemals ernsthaft einen anderen Ansatz als GNTM verfolgt haben, dann ist dieser Versuch spätestens mit der aktuellen Staffel krachend gescheitert. Beide Shows benutzen genau die gleichen Rezepte: die gleichen Jury-Sprüche, das gleiche unbeholfen-unauffällige Unterbringen der Werbepartner, den gleichen Blöd-Sprech, die gleiche Überdramatisierung. Bei "Curvy Supermodel" - und das ist fast schon Ironie – ist alles nur eine Nummer kleiner.

Bei der grossen Schwester GNTM ist wenigstens alles so drüber, dass man – ist man erst einmal älter als zwölf Jahre – das Ganze nur als eine einzige Absurdität wahrnehmen kann. "Curvy Supermodel" fehlen diese Gaga-Momente fast völlig.

Eine Angelina Kirsch ist eben keine Heidi Klum, auch wenn sie sich Mühe gibt, ein Oliver Tienken kein Jorge González und ein Lauf mit Schirmchen kein Vertical-Catwalk. Wenn schon Trash-TV, dann bitte richtig.