Noch eine Dating-Show? Ja, Sat.1 hat auf dem Trash-TV-Krabbeltisch zugeschlagen und aus allerlei Altbekanntem die Kuppelshow "Mein Date, mein bester Freund & Ich" zusammengeschustert. Unterhaltsam ist das nicht und auch Folge drei wäre am Montagabend wohl ereignislos geblieben, wäre da nicht eine alte Trash-TV-Bekannte eingezogen.

Christian Vock.
Eine Kritik
von Christian Vock

"Reisst euch mal zusammen! Es kann doch wirklich nicht so schwer sein, einen Partner zu finden, ohne dass man dafür in eine Dating-Show gehen muss. Millionen Menschen vor euch haben das auch hinbekommen. Die Menschheit stirbt aus ganz anderen Gründen aus, aber nicht, weil sich nicht mehr genug Pärchen zusammenfinden. Also noch einmal: Reisst euch mal zusammen!"

Es mag sicher den einen oder anderen gegeben haben, der mit einem solchen Satz oder ähnlichen Gedanken auf die Nachricht reagiert hat, dass Sat.1 eine neue Partnervermittlungsshow ins Leben gerufen hat. Das wäre mit Blick auf all die vielen anderen Dating-Shows auch nur allzu verständlich. Da hilft auch die Vermutung nicht, dass es den meisten Teilnehmern nicht um den Start ins Ehe-, sondern ins Influencer-Leben geht. So oder so ist die Idee, noch eine Dating-Show ins Programm zu schmeissen, nur mässig originell.

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Das heisst nicht, dass eine solche Show nicht auch unterhaltsam sein kann, es kommt eben darauf an, was man aus so einer Idee macht. Bei „Mein Date, mein bester Freund & Ich“ sieht das Konzept so aus: Die Produktionsfirma hat acht ungebundene Frauen gefunden und sie auf Teneriffa isoliert. So weit, so gewöhnlich, doch jeder Dame steht ihr homosexueller, bester Freund zur Seite. Beiden wird nun eine Schar Single-Herren zur Begutachtung vorgeführt.

Unterkühltes Date im Hochseilgarten

Wie bei solchen Formaten üblich, trifft man sich dafür nicht an der Autobahnraststätte, sondern in einer Traumvilla in Südeuropa. Schliesslich gibt es auch hier wieder "romantische Dates", wie es Sat.1 verspricht, damit sich Paare unter den Ratschlägen der besten Freunde zusammenfinden. Doch die Kuppeldienste sollen nicht umsonst sein, denn der beste Freund der Siegerin bekommt 50.000 Euro vor Steuern. Dass es überhaupt eine Siegerin gibt, liegt daran, dass immer wieder Kandidatinnen aus- und andere wieder einziehen müssen.

Zum Beispiel Lela. Die 26-Jährige füllt die Lücke, die Max und Desy in Folge zwei hinterlassen haben. An Lelas Seite zieht ihr "bester Wingman und bester Freund gleichzeitig", Nik, mit in die Villa ein. Doch bereits kurz nachdem die beiden das Haus betreten haben, sollten sich die Rollen dort neu verteilen. Denn Nik sorgt für kleine Begeisterungsstürme beim Begleitpersonal der anderen Damen. Insbesondere Marias Freund Steven zeigt gesteigertes Interesse, weshalb es nun Maria ist, die Steven und Nik einander näher bringen möchte.

Doch auch für Lela hat man bei Sat.1 jemanden besorgt, schliesslich soll ja primär sie unter die Haube gebracht werden. Für ein Dreier-Date im Hochseilgarten hat man Habibi und Max, die "Kraftpakete aus Köln und Chemnitz" organisiert, damit es Lela warm ums Herz werde. Das haut aber nicht so recht hin und da auch die Aussentemperaturen nicht mitspielen, wird das Ganze eine eher unterkühlte Veranstaltung. Noch nicht einmal eine Jacke bekommt Lela von ihren Umwerbern angeboten, was Habibi so erklärt: "Mir war selber einfach zu kalt."

Chetrhin Schulze zieht ein

Deutlich mehr Temperatur sollte da der zweite Neueinstieg ins Haus bringen: Chethrin Schulze zieht mit ihrem besten Freund Patrick, der gleichzeitig ihr immer parater Stylist ist, in die Villa. Chethrin Schulze? Wem der Name etwas sagt, der dürfte seine Zeit gerne mit Trash-TV verbringen, denn die Blondine wurde bereits bei anderen Premium-Produkten wie "Love Island" oder "Promi Big Brother" vorstellig.

Nun mischt sie nicht nur bei "Mein Date, mein bester Freund & Ich" mit, sondern dort auch die Bude auf. Denn in einer kurzen Vorstellungsrunde macht Kollegin Claudia Chethrin darauf aufmerksam, dass der bereits von ihr erworben geglaubte Alan, nicht mehr in der Auslage liegt: "Finger weg!" Was als Hinweis auf dem kurzen Dienstweg gedacht war, sollte für Sat.1 aber der Auftakt für die Haupthandlung in Folge drei werden.

Denn Chethrin bekommt zwar auch ein Date arrangiert, aber nachdem die beiden gegenseitig ihre Zähne bewundert haben, wollen die Gespräche mit Marc nicht so recht ein Feuer in Gang bringen. "Der Klügere gibt nach. Das hat doch Jackie Chan gesagt?", lässt Chethrin Marc und den Zuschauer an ihrem Philosophie-Wissen teilhaben und Marc revanchiert sich mit maximaler Transparenz bezüglich seiner Essgewohnheiten: "Ich mag extrem gern Muscheln."

"Mein Date, mein bester Freund & Ich": Unterhaltsam ist anders

Der Rest der Folge ist nicht wesentlich komplexer und sei hier deshalb auf das Wesentliche reduziert: Chethrin hat weniger Interesse an Marc als an Alan und teilt Claudia mit, dass es ihr mehr oder weniger egal ist, dass sie bereits ihr Handtuch auf Alan ausgerollt hat. Claudia beobachtet das Ganze mit Skepsis, als sich Alan während des abendlichen Beisammenseins zu wenig um sie kümmert, kümmert sie sich um mehr Alkohol und lässt den Abend mit dem Kopf über der Kloschüssel ausklingen. Am nächsten Tag kommt Alan zu dem Schluss, dass er Claudia zwar schätzt, aber "dass es so in dieser Art und Weise für mich nicht passt".

Ohne dabei wirklich übermässig in Aktion getreten zu sein, hat Chethrin Schulze also bereits für einigermassen Wirbel im Haus gesorgt. Und so endet Folge drei von "Mein Date, mein bester Freund & Ich" mit den üblichen Zutaten einer Dating-Show, nur wesentlich weniger liebevoll zusammengerührt: Kandidaten, die intellektuell nicht über sich hinauswachsen wollen, Eifersüchteleien, Interesse, Desinteresse und natürlich Alkohol. Wer noch nie eine Dating-Show gesehen hat, wird sich bei "Mein Date, mein bester Freund & Ich" vielleicht denken: "Ui, so was gibt es?" Alle anderen hingegen denken sich wahrscheinlich: "Jetzt reisst euch mal zusammen!"