Ja, Restaurant-Retter ist ein Hochrisikoberuf. Ob miese Muscheln oder schale Schnecken - man wandelt immer zwischen Gefrierbrand und Lebensmittelvergiftung. Aber diesmal geniesst Ober-Restaurant-Retter Christian Rach die Sonnenseiten seines Berufs. Er sucht seit gestern Abend "Deutschlands Lieblingsrestaurant".

Christian Rach, in der Vergangenheit besser bekannt unter seinem Superheldennamen "Rach, der Restauranttester", stromert wieder durch deutsche Wirtshäuser.

Doch diesmal sammelt er nicht Damokles-Schwerter über pleitebedrohten Gastronomen ein oder fahndet nach Pulversuppen im Feinschmecker-Tempel. Nein, diesmal sucht Christian Rach Deutschlands Lieblingsrestaurant.

Also genau genommen sucht er nicht Deutschlands Lieblingsrestaurant, da hätte er ja jeden fragen müssen.

Genau genommen hätte die Sendung heissen müssen "Christian Rach sammelt 10.061 Bewerbungen von Leuten, die glauben, Deutschlands Lieblingsrestaurant zu haben oder zu kennen, reduziert die Auswahl dann erst einmal auf 100 Restaurants, um sich anschliessend durch die Bewerberküchen zu essen und je einen Sieger in den Kategorien italienische Küche, deutsche Küche, Steakhaus und offene Kategorie zu küren". Aber sei's drum, so ein Titel passt natürlich in kein TV-Programm-Heft.

Christian Rach: "Atmosphäre ist das Wichtigste"

Eines dieser Restaurants ist das Al Porto in Stade. Ein italienisches Restaurant, in dem der Chef noch selbst in Lack-Schühchen am Herd steht. Für Rach eine Rarität, – die Schuhe, nicht das Selbst-Kochen – aber nicht der Massstab für ein Lieblingsrestaurant.

Den bildet für Rach eindeutig die Atmosphäre der Lokalität, wie der Sternekoch mehrfach betont: "Atmosphäre ist das Wichtigste. Ich muss mir vorkommen, als würde ich in meinem Wohnzimmer bedient werden."

Ob das jetzt tatsächlich der Massstab für ein Lieblingsrestaurant sein sollte, muss jeder mit Blick auf sein eigenes Wohnzimmer selbst beurteilen, aber die Botschaft ist klar: Man muss sich wohlfühlen.

Aber Rach wäre natürlich nicht Rach, wenn er nur auf die Farbe der Tapeten oder die Frische der Tischgedecke achten würde.

Also geht Rach, der Koch, einmal quer durch die Speisekarten der Republik. Ob Seewolf oder Steinbutt, Rach futtert sich durch alles, was die gängigen Fischratgeber von Greenpeace und Co. so als bedenklich angeben. Dazu ein Abstecher in den XXL-Burger-Laden, ins Thai-Restaurant oder zum Griechen.

So muss sich ein Rach anhören!

Und da Rach nicht nur gerne Hähnchen teilt, sondern auch sein Wissen, gibt es zwischendurch hilfreiche Koch-Tipps: "Oktopuss-Salat darf nicht zu kalt sein."

Wem das jetzt zu hilfreich war, der kann vielleicht damit etwas anfangen: "So muss ein gutes Schnitzel aussehen". Oder in der italienischen Variante: "So muss eine Pizza von unten aussehen."

Aber Rach kann auch die feine Art: "Ich habe gerade auf ein Fenchelkorn gebissen und dazu dieser frische mineralische Wein!"

Doch wer jetzt denkt, so eine kulinarische Deutschlandreise sei ein Vergnügen, den belehrt Rach eines Besseren: "Wenn Sie glauben, das ist Spass, muss ich Sie enttäuschen. Das ist harte Arbeit."

In der Tat kann man Rachs Magen nur wünschen, dass die Produktionsfirma ihm ausreichend Zeit für all die Verköstigungen gegeben hat. Aber auch für den Zuschauer ist "Rach sucht: Deutschlands Lieblingsrestaurant" ein wilder Ritt durch Deutschlands Gastro-Szene. Ein zu wilder.

Wirr, aber auch einigermassen unterhaltsam

Denn zumindest die Auftaktfolge ist auch für den Zuschauer ein rasantes Restaurant-Hopping, bei dem es schwerfällt, bei all den vorgestellten Lokalen den Überblick zu behalten.

Vielleicht hätte RTL gut daran getan, gleich mit den einzelnen Kategorien zu starten. Dann hätte der Zuschauer besser vergleichen und so die Unterschiede zwischen den einzelnen Restaurants sehen und hören können.

So aber springt Rach vom Asiaten über Berliner Hausmannskost zum Western-Steakhaus und wieder zurück und der Zuschauer fühlt sich, als hätte er Ente süss-sauer mit Klössen und dicken Bohnen gegessen.

Der Auftakt geriet also ein wenig wirr, aber das soll sich in den kommenden Folgen ändern, wenn die besten drei Restaurants einer Kategorie gegeneinander antreten und von Rach vor besondere Herausforderungen gestellt werden.

Ansonsten ist bis dahin "Rach sucht: Deutschlands Lieblingsrestaurant" erst einmal nur neuer Wein in alten Schläuchen - nur mit sehr viel weniger Gefrierbrand.