Das pandemische Jahr 2020 mit all seinem Wahnsinn verlangt ab und zu regelrecht nach einem Kontrastprogramm und einer Mobilisierung der Lachmuskeln. Wir brauchen das. Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, kann man es zur Befeuerung des Zwerchfells schon auch mal mit der "Martina Hill Show" versuchen. Es wird allerdings vielen Zusehern eine Lehre gewesen sein, sie kennenzulernen.

Eine Kritik
von Bodo Klarsfeld

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Die dritte Staffel der "Martina Hill Show" ist am späten Freitagabend um 23:00 Uhr in "SAT1" an den Start gegangen. Anders als in der ersten, bei der man noch von einer "Show" im klassischen Sinn sprechen konnte, sieht man die 46-jährige Entertainerin jetzt lediglich in vorproduzierten Sketches.

Routinierte Seher von Formaten dieses Zuschnitts wird das aus der zweiten Staffel stammende Update schon damals vermutlich an die "Knallerfrauen" erinnert haben

Martina Hill und Carolin Kebekus als "YouTube-Influencerinnen"

Egal, ob Hubschrauber-Mama, skurrile Ehefrau oder Leadsängerin einer schottischen Gothic-Band: Hill, die einem breiten Publikum als Darstellerin in der "ProSieben"-Comedy-Serie "Switch reloaded" bekannt wurde, schlüpft in den rund 30 Minuten in die unterschiedlichsten Rollen, wobei einige bekannte Gesichter an ihrer Seite agieren.

So etwa Carolin Kebekus, mit der sie gemeinsam die fiktiven YouTube-Girls Rebecca und Larissa mimt, um damit den Influencer-Wahnsinn aufs Korn zu nehmen.

In Sachen Humor blieb die Hand auf der Tasche

Während in der ersten Folge das Überdrehte und Übersprudelnde an die Spitze getrieben wurde, blieben die Pointen konsequent in Bodennähe. "Rebecca, kennst du das Problem, dass du viele Dinge in der Handtasche hast und nichts mehr findest?", so Larissa zu ihrer YouTube-Kollegin. Eine Lösung musste her.

Und Larissa fand sie: "Warum nicht mal anstatt einer Tasche, wo viele Sachen drinnen sind, viele Taschen nehmen, wo immer nur eine Sache drinnen ist." Lustiger wurde es nicht. Aber anscheinend war es das einmal, denn man bedachte die "Martina Hill Show" kürzlich mit dem "Deutschen Comedypreis 2020" in der Kategorie "Beste Sketch Comedy".

Mit dabei: Ralf Moeller, Bernhard Hoëcker und Michael Kessler

Um den Quoten ein wenig Beine zu machen, holte sich Hill für die erste Folge auch Verstärkung in Form der deutschen Comedy-Cashcows Bernhard Hoëcker und Michael Kessler sowie des Schauspielers Ralf Moeller. Das illustre Quartett gab eine deutsche Gothic-Band mit schottischen Einspritzungen, das gerade ein Musikvideo im Studio drehte.

Die Pointen dieser fast schon schmerzhaften Episode: Ein Handy der Sängerin (Hill), das während des Drehs klingelte, ein Dudelsack, der vom Musiker (Moeller) verkehrt rum gehalten wurde, und ein Flötist (Kessler), dem die Hitze einer dekorativen Feuerschale zu schaffen machte. In der Tat: Trash war selten so ein Müll.

Kein betretenes Schweigen in der Sahelzone des Humors

"Ich hab sehr, sehr viele Schuhe, aber manchmal komm ich voll durcheinander, weil ich nicht weiss, welcher für den linken und welcher für den rechten Fuss ist", meinte "YouTube-Queen" Larissa in einer weiteren Sequenz aus der Sahelzone des Humors.

Auch als Hausfrau und Mutter tritt Hill in dieser immer wieder auf. "Das Geheimnis sind Regeln. Bei uns wird zum Beispiel immer nur am Tisch gegessen", sagt die ein wenig bieder wirkende Hausfrau zu ihrer besten Freundin im Wohnzimmer.

Als sich dann die Tochter ein Stück Kuchen vom Tisch nimmt und damit umgehend abdampft, schiebt die Mutter ihr den Tisch hinterher. Über eingespielte Lacher, die betretenes Schweigen verunmöglichen, muss man im Grunde schon sehr dankbar sein.

Es geht auch anders - siehe Anke Engelke

Laut, bunt und schrill muss ja nicht automatisch schlecht sein. Entertainerin Anke Engelke, die auch selten im Stillen agierte, hat einst immer wieder mal demonstriert, dass Formate aus dieser TV-Ecke veritabler Trash und zugleich durchaus unterhaltend sein können.

Nur: Es muss schon mehr passieren, als in aufeinanderfolgenden recycelten Clips schmatzend Kaugummi zu kauen sowie im knallpinken Oberteil das Idiom aus dem sozialen Brennpunkt zu bemühen.

Jetzt mal ganz abgesehen davon, dass Martina Hill als jemand, der bereits in der "Heute-Show" reüssiert hat, durchaus auch auf Stand-up oder Konversation mit Live-Gästen setzen könnte - im Sinne der Abwechslung. Aber so? So war das nichts.