Gestandene Männer, denen an der Tankstelle die Tränen kommen. Frauen, die morgens beim Bäcker meinen, sich verhört zu haben. Das Leben in Deutschland wird zunehmend teurer. Die Verbraucherpreise ziehen spürbar an – insbesondere für Heizung, Strom und Tanken. Auch bei den Lebensmitteln gab es zuletzt massive Preissprünge. "stern TV Spezial" machte die aktuelle Situation zum Thema und liess Experten und Leidgeplagte zu Wort kommen.

Robert Penz
Eine Kritik
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"Warum wird eigentlich alles teurer? Oder stimmt das überhaupt?" So lauten am Dienstagabend die Eingangsfragen, die "stern TV"-Moderator Steffen Hallaschka vor dem Hintergrund der aktuellen Teuerungsrate von 5,2 Prozent stellt.

Den Hauptgrund für das November-Rekordhoch der Inflation von 5,2 Prozent ortet Finanzexperte und Chefredakteur des Verbraucher-Magazins "Finanztip" Hermann-Josef Tenhagen in der Energie, die augenblicklich 18 Prozent mehr als im vergangenen Jahr kostet.

Nur Engländer kaufen günstigere Lebensmittel ein

"Angeblich kaufen die Deutschen ja die teuersten Küchen, um darin die billigsten Lebensmittel zu verarbeiten. Stimmt das?", wechselte Hallaschka zunächst das Thema. "Die Engländer kaufen noch günstigere Lebensmittel als wir ein", bekam der Moderator etwas Trost von Tenhagen.

Tatsache ist: Die Preise für Brötchen, aber auch etwa für Lebensmittel wie Butter und Milch sind zuletzt stark gestiegen. "Nicht viel für den, der es hat. Aber bei engem Budget tut das schon sehr weh", weiss Tenhagen. Doch nicht alles wurde teurer.

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Eine Flasche Warsteiner kostete im Jahr 1960 umgerechnet rund 30 Cent, heute muss man dafür zwar etwa 1,20 Euro aus der Geldbörse fischen, was bei vielen Deutschen ohnedies für eine depressive Verstimmung sorgt, aber: Während man vor gut 50 Jahren für eine Flasche Bier rund zehn Minuten arbeiten musste, ist das kühle Blonde hinter Glas heute in lediglich vier bis fünf Minuten erarbeitet.

"Inflation juckt uns jedenfalls dann, wenn am Ende des Geldes noch Monat übrig ist", witzelte Tenhagen. Ihm zufolge seien die Lebensmittel auf lange Sicht ohnedies nicht so das Problem.

"stern TV Spezial": Job wegen Benzinpreis gekündigt

Zurück zur Energie. An der Tankstelle können derzeit angesichts der Preise nicht mehr alle ihre Contenance bewahren. Viele sind inzwischen zum Hopping übergegangen und öffnen ihre Tankdeckel nur mehr bei den günstigsten Anbietern. Die 50-jährige Andrea Kaiser ist so eine Tankstellen-Hopperin.

Jeden Tag in der Früh checkt die Heilpädagogin via Tank-App exakt, wo eine Volltankung ihre Geldbörse am wenigsten belastet. Kostet der Liter Benzin, der übrigens von Oktober 2020 bis heute um über 30 Prozent gestiegen ist, über 1,70 Euro, mutiert sie zur Hardcore-Pfennigfuchserin. Trauriger Hintergrund: Kürzlich musste die Pendlerin aufgrund der aktuellen Spritpreise sogar ihren Job kündigen, der sie monatlich 400 bis 500 Euro Benzingeld kostete.

"Das war ungefähr ein Viertel meines Einkommens", so Kaiser, die jedoch inzwischen wieder Arbeit hat. "So wird es nicht weitergehen, aber man muss davon ausgehen, dass es nicht wahnsinnig viel günstiger wird", stellt Finanzexperte Tenhagen in Aussicht.

Teures Auto, teures Benzin: Autoenthusiast darf posen

Ganz nach den anachronistischen Maximen "Jeder Tag ist ein Carfreitag" und "Wer später bremst, ist länger schnell" agiert hingegen Ricardo Rüting. Der 29-jährige Autofolierer hat mit den derzeitigen Benzinpreisen offenbar nicht so ein Problem und schaffte sich kürzlich ein nach seinen Wünschen konfiguriertes Chromjuwel mit satten 585 Pferden unter der Motorhaube an.

Kostenpunkt: um die 228.000 Euro. "Wenn die Umstände passen, dann verbraucht es auch bisschen was. Bei 20 oder 25 Liter ist man da schon schnell", so Rüting über sein kostspieliges Leben auf der Autobahn. Einen Tank könne man, "wenn man's drauf anlegt", in einer Stunde schon runterfahren, sagt er fast ein bisschen stolz.

Sei das alles nicht ein ziemlicher Irrsinn, will Hallaschka vom Autofreak wissen. "Die meisten Dinge, die Irrsinn sind, machen am meisten Spass", so Rütings Antwort. Mehr kritisches Hinterfragen gibt's am Dienstagabend leider nicht.

Haushaltsbuch unerlässlich

Spartipps gibt's hingegen sehr wohl. Etwa von Per Schippl. Der Softwareentwickler rät allen, die am Ende des Monats etwas mehr Geld auf dem Konto haben möchten, dazu, ein Haushaltsbuch zu führen. Er selbst "betreibe" ein solches nicht nur seit 20 Jahren, sondern würde darin auch tatsächlich jede noch so kleinste Ausgabe vermerken.

Auch Florian Wagner greift auf ein Haushaltsbuch zurück. Der 34-jährige Frugalist - also ein extrem sparsamer Mensch - greift im Grunde auf alles zurück, was ihm irgendwie nach Sparpotenzial riecht. Denn Wagner, der über sein ökonomisch bewusstes Agieren einen Blog schreibt und bereits das Buch "Rente mit 40" geschrieben hat, will mit 40 genug auf der Seite haben, um danach in Rente zu gehen.

Der Frugalist: Zuerst sparen, dann investieren

Drei Yachten müsse er nicht besitzen, vielmehr sei es die Freiheit im Alltag, die er anstrebe, sagt er zum Moderator. Von seinem Nettoverdienst von 3.500 Euro sparte er hierfür zunächst 1.200 Euro. Doch dem 34-Jährigen reichte das nicht und zückte erneut den Sparstift.

Mittlerweile könne er 1.600 Euro pro Monat zur Seite legen, die er zum Teil aber auch investiere, wie er verrät. Der Sparfuchs: "Am Anfang, wenn man noch kein Vermögen hat, ist es wichtig zu sparen. Je grösser dieses jedoch ist, umso wichtiger wird die Rendite." Sein bester Spartrick? "Einfach den Überblick haben", verrät Wagner.

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EEG-Umlage treibt Strompreis an

Auch der Strom war noch nie so teuer wie in diesem Jahr. 31,8 Cent kostet inzwischen eine Kilowattstunde in Deutschland, während die Franzosen lediglich 18,5 und die Niederländer überhaupt nur 16,5 Cent dafür ausgeben müssen. Ein Grund hierfür: die EEG-Umlage, mit welcher der Ausbau der Erneuerbaren Energien finanziert wird.

Betreiber von erneuerbaren Energie-Anlagen, die Strom in das Netz der öffentlichen Versorgung einspeisen, erhalten dafür eine festgelegte Vergütung. "Wir haben alle miteinander als Stromkunden diese Umlage mitbezahlt", erklärt Tenhagen.

Selbst ein Anbieterwechsel bringe derzeit nicht viel. "Dennoch sollte man es tun", ergänzt der Experte, der in den kommenden Jahren in Sachen Strompreis mit einer leichten Entlastung rechnet.