Tote Katzen in der Tiefkühltruhe, manipulierte Laubbläser und der Elektrozaun als Todesfalle. Im gestrigen "Tatort: Wendehammer" macht ein Mann seinen Nachbarn das Leben zur Hölle. Am Ende ist der Störenfried tot. Aber wie sieht es in der deutschen Nachbarschaft wirklich aus? Gibt es tatsächlich auch Morde unter Nachbarn? Meldungen vom Tatort Gartenzaun.

Unangenehmer kann ein Nachbar eigentlich nicht sein. Nils Engels (Jan Krauter) ist das Sinnbild eines Eigenbrötlers. Er hat sein Haus zur Hightech-Festung umgebaut, wenn ihn der Baum auf dem Nachbargrundstück stört, lässt er ihn kurzerhand fällen und die Schildkröte der Nachbarn tritt er einfach tot. Am Ende des gestrigen "Tatorts" liegt der streitlustige Nachbar dann selbst im Leichenschauhaus.

Streit wegen Lärmbelästigung oder grenzüberschreitende Äste sind ja schon Klassiker. Aber wie streitlustig sind die Deutschen? Worüber zankt man sich und gehen Streitigkeiten wirklich bis zum Mord? Wir haben uns einmal in der deutschen Nachbarschaft umgeschaut und ebenso Kurioses wie Tödliches gefunden.

Gartenzwergisches

Sinnbild eines Nachbarschaftsstreites sind in Deutschland die Gartenzwerge. Dass sich bezüglich der kleinen Deko-Männchen die Geister scheiden, beschäftigte mehr als einmal die Gerichte. Dabei geht es aber nicht nur um die Frage des Geschmacks, denn auch hässliche Exemplare muss man als Nachbar hinnehmen. Schwieriger wird es beim sogenannten "Frustzwerg", wenn also zum Beispiel jemand einen Gartenzwerg mit obszönen Gesten in Richtung seines Nachbarn in den Garten stellt. Hier wird der Gartenzwerg wie ein Stellvertreter behandelt und einen Stinkefinger muss sich ein Nachbar nicht gefallen lassen. In der Amtssprache heisst der Gartenzwerg übrigens Hartbrandwichtel.

Kurioses

Dass man sich wegen Lärm, zu hohen Hecken oder ähnlichem in die Wolle bekommt, gehört in deutschen Wohnsiedlungen fast schon zum guten Ton. Im rheinland-pfälzischen Hahnenbach sind die Gründe, warum man sich an die Gurgel geht, hingegen etwas ungewöhnlicher. Ende Oktober dieses Jahres musste dort nämlich die Polizei anrücken, um den Streit zwischen zwei Nachbarinnen zu schlichten. Auslöser des Disputs: eine Salatgurke.

Diese lag nämlich aus bisher ungeklärten Gründen vor der Haustür der Bewohnerin eines Mehrfamilienhauses. Die Frau verdächtigte daraufhin eine Nachbarin, die Gurke absichtlich vor ihre Tür gelegt zu haben. Als sie die Nachbarin wegen des mutmasslichen Gurkenablegens zur Rede stellen wollte, kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung, die wiederum den Polizeieinsatz auslöste.

Statistisches

Spielende Kinder, zugeparkte Gehwege, Hundegebell – was nervt die Menschen in Deutschland an ihren Nachbarn am meisten? Im gestrigen "Tatort" regt sich Nachbar Engels über die Opernsängerin von nebenan auf und in der Tat ist Lärm eine der Hauptursachen für Nachbarschaftsstreits. In einer Umfrage für die "Apotheken Umschau" ermittelte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), dass vor allem laute Musik und zu laute Fernsehgeräte für Zwist sorgen. 13,6 Prozent gaben dies als Streitauslöser an.

Bei knapp neun Prozent der Streitigkeiten ging es um die Nichterledigung von Gemeinschaftsaufgaben wie Schneeräumen oder das Treppenhaus fegen. Knapp dahinter liegen zu laute Heimwerkerarbeiten und Behinderungen durch Autos. Belästigungen durch Haustiere oder Streit im Garten belasten etwa sechs Prozent der Befragten. Auf den weiteren Plätzen folgen Lärm durch ständige Streitigkeiten (5 Prozent), Kinderlärm (4 Prozent) oder Belästigungen durch Grillen (4 Prozent). Streit wegen Geruchsbelästigungen bringt es noch auf 3 Prozent.

Tödliches

Im gestrigen "Tatort: Wendehammer" war Nachbar Nils Engels zuerst Tatverdächtiger, am Ende dann aber selbst Opfer. Seine tyrannisierten Nachbarn haben sich vermeintlich verschworen und den Unruhestifter umgebracht. Leider nicht nur Fiktion, denn auch in der Realität enden Nachbarschaftsstreitigkeiten mitunter tödlich. So hatte zum Beispiel das Landgericht Rottweil 2013 einen Sportschützen verurteilt, weil dieser seinen Nachbarn nach einem zweijährigen Streit erschossen hatte. Auslöser des Streits war der Umbau seiner Hälfte des Doppelhauses, das das Opfer gemeinsam mit dem späteren Täter bewohnte.

2011 musste sich ein damals 70-jähriger Rentner vor dem Münchener Schwurgericht wegen Mordes an seinem Nachbarn verantworten. Wie die "tz" berichtet, hätten Nachbarn das Opfer als eine Art Blockwart beschrieben, der Patrouillengänge durchs Haus unternommen und dabei Anstoss "an allem" genommen habe. Der Angeklagte habe ausgesagt, dass er Angst vor dem Nachbarn gehabt habe. Als dieser dann wieder einmal gegen die Tür des Angeklagten geklopft und die Aufforderung, dies zu unterlassen, mit einer Drohung beantwortet habe, habe der Angeklagte ein Messer genommen und zugestochen. Laut psychiatrischen Gutachten soll der 70-jährige Angeklagte an einer wahnhaften Störung leiden und 2009 wiederholt die Polizei gerufen haben, weil der Nachbar ihm nach dem Leben getrachtet habe.

Mehr zum "Tatort" gibt es hier.