• Der ZDF-Hit "Der Bergdoktor" kehrt mit der 14. Staffel zurück.
  • Schon seit ihrem Start feiert die Serie Rekordquoten.
  • Aber woran liegt das eigentlich? Wir untersuchen, was den "Bergdoktor" so erfolgreich macht.
Felix Reek
Eine Kritik
von Felix Reek

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Es gibt Menschen, die behaupten, sie schauen "Der Bergdoktor" nur wegen der Berge. Was gar nicht so abwegig ist. Die Kulisse des Wilden Kaisers in Tirol, wo das ZDF und der ORF unter anderem drehen, spielt mindestens eine so grosse Rolle wie die Familie Gruber, die in all den Jahren in derselben Besetzung verblieben ist.

In der ersten Folge der neuen Staffel ist das wieder so. Da sitzen der Bergdoktor Martin Gruber (Hans Sigl) und Anne Meierling (Ines Lutz) auf einer Bank. Er sagt: "Schon krass. Wir haben vier Monate nicht gestritten." Es war das grosse Happy End der letzten Staffel, nach endlosem Hin und Her haben sich die beiden endlich (wieder)gefunden und verlobt.

Dann schauen sie nach vorn und die Kamera lässt der Tiroler Bergkulisse ganz viel Platz. Ganz unten am rechten Rand verschwinden die beiden Hauptdarsteller. Was sind schon die Probleme von ein paar Menschen angesichts dieser Natur?

Vielleicht ist das eins der Geheimnisse, warum der "Bergdoktor" über all die Jahre so erfolgreich geblieben ist. Die letzte Folge der vergangenen Staffel endete mit einem Marktanteil von 22 Prozent, fast sieben Millionen Menschen sahen zu. Das Winterspecial in der letzten Woche kam auf 20 Prozent. Solche Werte schaffen heute nur noch Fussball oder das Dschungelcamp. Und eben "Der Bergdoktor", konstant seit 2008.

Zuerst lief "Der Bergdoktor" auf Sat.1

Dabei ist die Figur des Martin Gruber schon viel älter. Seit 1980 veröffentlicht der Verlag Bastei die gleichnamige Heftreihe, tausende Folgen sind erschienen. Die erste Fernsehadaption lief zwischen 1992 und 1997 auf Sat.1 und bescherte dem Sender Traumquoten. Den Bergdoktor spielten damals erst Gerhard Lippert und dann Harald Krassnitzer. Der heutige Hauptdarsteller Hans Sigl war in einer Folge in einer Gastrolle dabei - er spielte einen Taxifahrer.

Als Sat.1 die Serie trotz herausragender Quoten beendete, weil die Heimatfilm-Kulisse angeblich nicht zum angestrebten jugendlichen Image passte, übernahm zehn Jahre später das ZDF die Serie - und Hans Sigl wurde der neue Bergdoktor.

Sat.1 dürfte das noch heute bereuen. An die Marktanteile des heutigen "Bergdoktors" kommt keine Sendung des Privatsenders heran. Und das angeblich so vergreiste ZDF liegt selbst bei der Zuschauergruppe der 14- bis 49-Jährigen über dem Durchschnitt.

Der Arzt, der immer für die Patienten da ist

Der von Hans Sigl verkörperte Bergdoktor ist auch in der 14. Staffel ein Arzt mit Fehlern und Makeln. Der in der ersten, "Aus Mut gemacht" betitelten Folge das Gesicht verzieht und herumstottert, als ihm seine Verlobte offenbart, dass sie Kinder möchte. Um später seiner Mutter Lisbeth Gruber (Monika Baumgartner) anzuvertrauen, er habe einfach Angst, kein guter Vater zu sein. Natürlich vor grandioser nächtlicher Bergkulisse.

Gleichzeitig ist er der Arzt, den sich viele wünschen. In der Auftaktfolge geht es um eine Ehefrau, die zwischen zwei Männern steht. Der Geliebte bricht auf dem Gipfel eines Berges (natürlich!) in genau dem Moment zusammen, als sie die Beziehung beenden will.

Im realen Leben würde er wohl einfach in der Warteschleife eines Krankenhauses landen oder eine zweiminütige Audienz beim Hausarzt bekommen. Der Bergdoktor hingegen zieht das volle Programm durch: Untersuchung aller Organe, die Laborergebnisse gibt es schon am selben Tag, das Auto wird vor die Tür der Praxis chauffiert und nebenbei deckt er auch noch die Affäre der Ehefrau.

Mit Realismus hat das wenig zu tun. Gerade im ländlichen Raum fehlen Ärzte, das Gesundheitssystem wurde wirtschaftlich rentabel kaputtgespart, das Krankenhauspersonal ist knapp und permanent überlastet. Aber alleine die Vorstellung, dass es da draussen noch so einen wie den Bergdoktor geben könnte, beruhigt.

Der Gegenentwurf zum "Tatort"

Gleichzeitig ist die Produktion von ZDF und ORF so etwas wie der Gegenentwurf zum "Tatort" in der ARD. Während dort experimentiert wird, mit mal mehr, mal weniger befriedigendem Ausgang, ist "Der Bergdoktor" ein klassisches Fernsehformat: Es gibt in jeder Folge eine Geschichte mit klarem Rahmen, schöne Panoramabilder, einen "Guten" in der Hauptrolle und meist ein Happy End.

"Kein Format fürs Feuilleton, sondern für Familien und für den Eskapismus", wie es Hans Sigl einmal in der "Süddeutschen Zeitung" zusammenfasste.

Wobei das nicht heisst, dass aktuelle gesellschaftliche Themen keinen Platz im "Bergdoktor" finden. Mal geht es um Sterbehilfe, mal um Suizid und in einer Folge nahm sich Gruber eines Transgender-Mädchens an.

Das überzeugte selbst Alice Schwarzer, die den "Bergdoktor" in der "Bunten" "eine wirklich gute Unterhaltungsserie" nannte, in der der Feminismus angekommen sei. Die Männer seien nachdenklich und versuchten Beruf mit Familie zu vereinbaren und "die Frauen haben gern mal einen jüngeren Liebhaber. Ist doch gut, oder?" Stimmt eigentlich.