In der zweiten Folge der RTL-Show "Zahltag" kommt eine dritte Familie hinzu, die mit Geldzuschuss und hämischen Expertenkommentaren von Hartz IV wegkommen soll. Aber leider hat der Mann in den Augen der urteilenden Koryphäen etwas völlig Unbrauchbares studiert.

Eine Kritik
von Christian Genzel, Freier Autor

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Der Sender nennt es ein "soziales Experiment": Die RTL-Show "Zahltag" stellt drei Familien jeweils einen Koffer voller Geld vor die Tür, damit die den Weg aus Hartz IV heraus schaffen. Machen müssen die zunächst gar nichts dafür – ausser vielleicht ein wenig Privatsphäre und Würde verkaufen.

Vor allem letztere kommt ins Spiel, wenn die Expertenrunde beisammen sitzt, um die Situation der Familie zu beurteilen. Mit strengem Blick sitzen sie vor dem Fernseher und kommentieren die gezeigten Bilder, als wären sie Dieter Bohlen und die Familien Kandidaten bei einer Castingshow.

Junge, lern' was Gescheites!

"Er hat arbeitslos studiert", ist zum Beispiel für Heinz Buschkowsky nach kürzester Zeit klar, als er sich die in dieser Folge neu hinzugekommene Familie Kempe ansieht. Yves, der Mann im Hause und Vater zweier Kinder, ist nämlich Kommunikationspsychologe – und findet als solcher keine Arbeit.

Ganz klar, meint Buschkowsky, mit derart esoterischen Qualifikationen müsse Yves dringend umsatteln. Wie wäre es mit Erzieher, nachdem ja seine Frau Christiane auch schon Erzieherin ist und Yves während ihrer problematischen zweiten Schwangerschaft alleine zu Hause den Sohnemann gehütet hat?

"Sie ist nicht das Problem, er ist das Problem", weiss der ehemalige Bezirksbürgermeister von Neukölln.

Yves ist schnell überzeugt, Christiane eher weniger: Sie fände es schlimm, "dass die armen Kinder dann mit Leuten wie dir rumsitzen müssen".

"Er ist so ein drittes Kind für sie", meint Gründungsexperte Felix Thönnessen beim Zusehen, während Yves nun wohl doch Kommunikationspsychologe bleiben muss.

Morgen dann Ansturm

Thönnessen kümmert sich derweil um die Familie Metz – die zum ausgemachten Termin leider schläft und ihm die Tür nicht öffnet.

Vielleicht wollen sie ihm etwas sagen. Vielleicht haben sie aber auch andere Sorgen: In der Beziehung zwischen René und Andrea kriselt es. Er lädt sie zum Essen ein und erklärt ihr, dass er sie liebt, was sie leider nicht erwidert. Aber das ist Normalzustand, meint René. In den letzten sechs Jahren hätte sie das höchstens drei Mal zu ihm gesagt.

Einen Grossteil ihres Geldes haben sie in einen Second-Hand-Laden für Kindersachen gepumpt. Am Eröffnungstag kommt exakt eine Kundin vorbei, um viertel nach drei machen die beiden frustriert zu. "Richtig Ansturm wird dann morgen, übermorgen sein", schätzt René.

Träume? "Hatt' ich irgendwie nie"

Bleibt noch Familie Bergmann, die eine Imbissbude eröffnen will. "Sie will Imbiss machen, dann soll sie Imbiss machen", erklärt Buschkowsky mit der vollen Autorität eines Fernsehexperten. "Dann wird man sehen, ob genug Bratwürste über den Tresen wandern."

Während Mutter Cornelia schon einen Imbisswagen angeschafft hat, bleibt der älteste Sohn Jörn mit seinen 27 Jahren ein Problemkind: Er kommt einfach nicht in die Gänge.

Ihm wird ein Job im Supermarkt vermittelt, aber nachdem er schon am ersten Tag die Pralinen, die er den Kunden anbieten soll, selber futtert, bescheinigt ihm der Filialleiter fehlenden Leistungswillen. "Ist halt ungewohnt zu arbeiten", meint Jörn zu Hause.

Hat er denn nicht irgendwelche Träume, will Ilka Bessin von ihm wissen. Sie war früher einmal Cindy aus Marzahn und davor selber drei Jahre Hartz-IV-Empfängerin, was sie für das Format beinahe überqualifiziert. "Hatt' ich irgendwie nie wirklich", zuckt Jörn mit den Schultern.

Nach einem erfolgreichen ersten Tag mit der Imbissbude legt sich Cornelia leider mit dem Betreiber eines Wochenmarktes an, weshalb sie erbost ihren Stammplatz vor dem Supermarkt auch schon wieder kündigt. "Das ist der völlig falsche Weg", wissen unsere Autoritätsfiguren beim Zusehen. Etwas Popcorn fehlt ihnen noch.