Nach "Birgits starke Frauen" zeigt Sat.1 nun immer donnerstags eine neue Reihe mit Moderatorin Birgit Schrowange. "Unser Mallorca – Mit Birgit Schrowange" heisst das Ganze und soll den Zuschauer über "die Lieblingsinsel der Deutschen" führen. Doch statt wirklich Neues und Interessantes zu zeigen, gerät "Unser Mallorca" eher zu einem Malle-Promi-Rundgang.

Christian Vock.
Eine Kritik
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Partymeile, Protzvillen und Ballermann: Dass die gängigen Klischees über Mallorca nicht nur Klischees sind, wird kaum jemand anzweifeln. Dass diese Klischees aber natürlich nur die halbe Wahrheit sind, auch. Dass weiss man spätestens dann, wenn Mallorca-Urlauber von ihrem Reiseziel berichten und nach einem kritischen Blick schnell ergänzen, dass es dort ja auch sehr schöne Ecken gebe, um sich vom klassischen Sauftouristen abzugrenzen.

Nun also will auch Sat.1 die Vielfältigkeit der Balearen-Insel unter Beweis stellen und sendet seit Donnerstagabend die Reihe "Unser Mallorca – Mit Birgit Schrowange". Ein eigentlich unscheinbarer Titel, der aber doch einiges über die Reihe verrät. Zum Beispiel aus welcher Perspektive diese Insel-Schau stattfindet. Nämlich aus "unserer". Wer sich hinter diesem "unser" verbirgt, wird nicht explizit gesagt, aber angedeutet: "Es ist und bleibt die Lieblingsinsel der Deutschen – und auch meine", erklärt Birgit Schrowange , die selbst auf Mallorca lebt.

Mallorca wird hier also bereits verbal eingemeindet und in der Tat geht es, zumindest in Folge eins, in "Unser Mallorca" nur ganz am Rande um die, denen die Insel wirklich gehört: den Mallorquinern. Die kommen nur zweimal in den zwei Stunden vor, etwa, als es um die Umweltbelastungen durch Müll und den Wasserverbrauch sowie um die Umwandlung von der Party- zur Luxus-Insel geht. Was die beiden Themen eint: der Tourismus.

Mallorca: zwischen Masse und Luxus

Der Tourismus ist das eine grosse Thema der Folge und wird mit mehreren Geschichten angegangen. Zum Beispiel mit einem "Experiment", wie Schrowange den Einfall nennt, zwei Ballermann-Fans für eine Nacht in ein Luxus-Hotel zu stecken und sie dann zu fragen, was ihnen denn besser gefällt. Die Antwort lautet Ballermann und das ist genauso interessant wie der Fakt, dass einer der Herren lieber Pizza als Kaviar und lieber Action statt Ruhe mag. Über "unser Mallorca" erfährt man hier jedenfalls nur sehr wenig.

Etwas interessanter wird es dann, wenn die Reihe über Relevanteres als Pizza berichtet. Etwa über die Abkehr vom Ballermann-Image. "Man kann hier Spass haben, aber wir wollen, dass man Respekt vor unserer Kultur hat", zitiert "Unser Mallorca" hier die Präsidentin des Hotellerieverbandes von Mallorca, María Frontera. Ein verständliches Anliegen, doch die Wandlung vom Massen- zum Luxus-Tourismus scheint nicht nur eine Frage des Respekts zu sein, wie man aus den Zahlen, die "Unser Mallorca" präsentiert, interpretieren kann. 5.000 Euro gebe ein Luxus-Tourist pro Tag auf der Insel aus, ein "Normalo"-Tourist nur 164 Euro.

Dass die Wandlung bereits in vollem Gange ist, kann man auch an der Anzahl der Privatjets, die im Jahr 2021 auf Mallorca gelandet sind, ablesen: 30.000. Im Jahr zuvor war es noch die Hälfte. Dass das ein ökologischer Wahnsinn von Superreichen ist, wird nicht thematisiert, dafür ist das Bild des Kampfes zwischen Masse und Luxus offenbar viel zu schön und so darf lieber noch einmal die Hotelverbandschefin erklären, dass 64 Prozent aller Hotels auf Mallorca vier oder fünf Sterne haben.

"Birgit zeigt euch den Mann hinter der Party-Figur"

Und weil sich Geschichten von Gegensätzen so schön erzählen, besucht Birgit Schrowange noch drei Deutsche, die unweit von mallorquinischen Luxusvillen in einer Höhle und einem Zelt leben und ihren Lebensunterhalt durch Betteln und mit Hilfe einer Stiftung bestreiten. Das ist zwar auch wieder durch die deutsche Brille erzählt, aber immer noch wesentlich interessanter als der zweite grosse Themenschwerpunkt der Folge: Promis. Und auch hier sucht man sich verschiedene Zugänge. So lädt sich Schrowange zum Beispiel bei Malle-Unterhalter Mickie Krause ein.

Birgit Schrowange trifft drei Deutsche, die in einer Höhle und einem Zelt leben und ihren Lebensunterhalt durch Betteln und mit Hilfe einer Stiftung bestreiten.

"Birgit zeigt euch den Mann hinter der Party-Figur", behauptet der Off-Sprecher und das macht Schrowange tatsächlich. Zumindest ein bisschen. So erzählt Krause der Moderatorin zum Beispiel von seiner Vasektomie. "Mit so einer intimen Offenbarung gleich zu Beginn hätte ich nicht gerechnet", wundert sich Schrowange, worüber man sich wiederum als Zuschauer wundert. Denn schliesslich hatte Schrowange Krause ja vorher nach genau diesem Intimen gefragt, als sie etwas über den Kinderwunsch des Sängers und seiner Frau wissen wollte.

"Wie sind die denn so?" oder auch: "Was will ‚Unser Mallorca‘?

Noch boulevardesker wird es, als der Off-Sprecher ankündigt: "Wo ihr die Promis auf der Insel trefft, verraten wir euch jetzt." Das machen sie dann auch, und zwar nur unwesentlich seriöser als es ein Boulevard-Blättchen tun würde. So besucht Schrowange etwa ein Luxus-Hotel, in dem auch Hollywood-Grössen und andere Stars Urlaub machen und will dann bei einer Führung über die Promis wissen: "Wie sind die denn so?" Das mag ja den einen oder anderen Zuschauer interessieren, mit Mallorca hat das aber nicht so wahnsinnig viel zu tun.

Und so ist man ein bisschen ratlos, was genau Sat.1 und Birgit Schrowange mit "Unser Mallorca" eigentlich wollen. Als Insel-Porträt taugt die Reihe bisher jedenfalls nur leidlich, stattdessen erfreut man sich lieber an Promi-Anekdötchen. Zum Beispiel, als Schrowange Fernsehkoch Frank Rosin besucht und mit ihm in der Küche steht. Da erzählt Rosin zwar ein bisschen was über sich, aber dabei geht es eben nicht um Mallorca, sondern nur um einen Promi, der auf Mallorca lebt. Das ist ein Unterschied.

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