Für die meisten Menschen sind Zecken lästig, doch nutzlos sind sie nicht. Wir erklären, welche Aufgaben die Parasiten in der Evolution haben.

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Kaum zeigen sich die ersten Sonnenstrahlen, kommen auch die ersten Zecken wieder. Für den Menschen sind sie in aller Regel ärgerlich, im schlimmsten Fall übertragen sie Krankheitserreger wie das FSME-Virus. Doch die Parasiten erfüllen für die Natur einen wichtigen Zweck. Wir erklären, welchen Nutzen Zecken haben.

Zecken dienen als Nahrung

"Wir sind ja auf diesem Planeten nicht alleine. Wir haben mehrere Millionen Tier- und Pflanzenarten und unzählige Mikroorganismen", erklärt Martin Schlegel, Professor für Molekulare Evolution und Systematik der Tiere an der Universität Leipzig, im Interview mit dem MDR. So gibt es laut Schlegel Lebensräume, in denen Parasiten, wie die Zecke einen wichtigen Teil der Nahrungskette darstellen.

Unter anderem siedeln sich Pilzarten auf den Parasiten an, oder die Erzwespenart "Ixodiphagus hookeri" nutzt die Zecken als Wirt für ihre Larven. Für manche heimische Vogelarten dient die Zecke als Nahrung.

Eine Studie der Universität von Kalifornien untersuchte das Vorkommen von Parasiten in verschiedenen amerikanischen Flussmündungen. Dort machen die Kleinstlebewesen knapp die Hälfte aller Arten aus, die dort ein unentbehrlicher Teil der Nahrungskette sind.

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass ein Grossteil anderer Lebewesen dort ohne die Parasiten als Nahrung zugrunde gehen würde.

Parasiten sind Evolutionsbeschleuniger

Einen anderen wichtigen Nutzen für die Natur, haben Parasiten wie die Zecke in der Evolution anderer Lebewesen. Wird etwa ein Säugetier von einer Zecke gebissen, kann es an den möglicherweise übertragenen Krankheiten zugrunde gehen. Durch sich veränderndes Erbgut, werden unter anderem Abwehrkräfte verbessert und das Tier bleibt gesund oder wird resistent gegen die Keime.

Die Lebewesen mit stärkerem Immunsystem können ihre positiven Erbgutveränderungen an ihre Nachkommen weitergeben, wie eine Studie der Forscher Anssi Karvonen von der University of Jyväskylä in Finnland und Ole Seehausen von der Universität Bern zeigt.

Die Forscher fanden heraus, dass es bei manchen Arten zu einer schnelleren Veränderung des Erbguts kam, wenn diese durch Schmarotzer und Parasiten heimgesucht wurden.

"Das ist in gewisser Weise ein evolutionärer Wettlauf von Anpassung und Gegenanpassung. Hat der Wirt die Nase vorn, hat es der Parasit nicht mehr so leicht bei ihm und gibt auf. Im Labor kann man genau das an Bakterien sehr gut beobachten, weil sie aufgrund ihrer kurzen Lebensdauer einen so schnellen Generationenwechsel haben", wie Schlegel erklärt.

Populationskontrolle und Ausbreitung invasiver Arten

Marc Torchin von der Universität von Kalifornien untersuchte in einer Studie einen weiteren Nutzen von Parasiten wie der Zecke: Die Schmarotzer regeln Populationszahlen heimischer Arten.

Der Forscher untersuchte dafür 26 invasive Arten, die in neue Lebensräume vordrangen, dort kaum natürliche Feinde hatten und heimische Arten verdrängten.

Torchin und sein Team zeigten, dass die Ausbreitung deshalb möglich war, weil die Zugereisten kaum mit den heimischen Parasiten zu kämpfen hatten und sich so ungehindert ausbreiten konnten. Im Vergleich dazu, verendeten zahlreiche heimische Arten an dem Befall von Schmarotzern. (arg)

Verwendete Quellen:

  • MDR: Die Evolution fragt nicht nach einem Nutzen
  • UCLA: Putting Parasites into Ecosystems: Trophic Pyramids, Food Webs, and Macroecological Scaling
  • Studie: Ecological population genomics of constraints to adaptation and speciation in sympatry
  • Studie: Release from Parasites as Natural Enemies: Increased Performance of a Globally Introduced Marine Crab