Am 9. November 2019 war es 30 Jahre her, dass die Berliner Mauer gefallen ist: Zu Ehren dieses Tages liess Hertha BSC im Berliner Olympiastadion vor dem Spiel gegen RB Leipzig die Vergangenheit aufleben. Am Brandenburger Tor wurde andächtig geschwiegen - und gefeiert. Wir haben den Tag mit einem Live-Blog begleitet, der nun beendet ist. Vielen Dank fürs Lesen!

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  • Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier haben an Gedenkveranstaltung in der Mauer-Gedenksätte an der Bernauer Strasse in Berlin teilgenommen.
  • Am Abend hat am Brandenburger Tor eine grosse Bühnenshow stattgefunden.

19:11 Uhr: Die frühere DDR-Bürgerrechtlerin Marianne Birthler hat bei der Feier zum 30. Jahrestag des Mauerfalls an die Menschen erinnert, deren Leben durch die SED-Diktatur zerstört wurde oder die ums Leben kamen. "Lassen Sie uns einen kleinen Moment inne halten", sagte sie am Samstag. Stille legte sich kurz über den Platz am Brandenburger Tor, wo sich Zehntausende versammelt hatten.

Birthler ging in ihrer Rede auf die Menschen ein, die in sowjetische Straflager kamen, denen eine höhere Schulbildung verwehrt wurde, die von der Stasi überwacht, eingesperrt oder verraten oder an der Grenze getötet wurden. Sie denke aber auch an die, die verraten haben und heute unter dieser Last litten, so Birthler, die nach der Wiedervereinigung über Jahre die Stasi-Unterlagen-Behörde leitete.

18:09 Uhr: Mit einem Klassiker der DDR-Rockmusik hat die Bühnenshow am Brandenburger Tor zum 30. Jahrestag des Mauerfalls begonnen. Dirk Michaelis (58) präsentierte am Samstagabend vor Zehntausenden von Zuhörern rund um das Berliner Wahrzeichen seine Rockballade "Als ich fortging". Der im Jahr des Mauerbaus in Chemnitz geborene Sänger und frühere Frontmann der Rockband Karussell hatte das Lied schon als Jugendlicher komponiert und 1987 veröffentlicht.

Die Zeile "Nichts ist unendlich, so sieh das doch ein" bezogen in den letzten Monaten der DDR viele auf die politischen Entwicklungen im Land und auf die Tausenden von DDR-Bürger, die ihm den Rücken kehrten und in den Westen gingen. Das Lied gilt seitdem als "Wendehymne".

Auf dem Programm der Bühnenshow standen am Abend noch zahlreiche weitere Künstler, darunter die Sängerin Anna Loos. Die Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim sollte Ludwig van Beethovens "Schicksalssinfonie" spielen.

Daniel Barenboim und die Staatskapelle spielen bei der Feier anlässlich der Festivalwoche "30 Jahre Friedliche Revolution – Mauerfall" am Brandenburger Tor.

16:22 Uhr: Kurz vor dem Anpfiff fiel die Mauer: Auf den Leinwänden im Berliner Olympiastadion liefen historische Bilder und durch das Stadion knatterte ein Trabi-Motor über Lautsprecher. Zur Feier des 30. Jahrestags des Mauerfalls in Deutschland hat Hertha BSC mit seinen Fans die Vergangenheit aufleben lassen. "Uns Berlinern hält keine Mauer stand", stand auf einer Banderole, darunter symbolisch das Brandenburger Tor vor der Hertha-Fan-Kurve.

Zwei Mauern hatte Hertha aufgebaut: Eine auf der Mittellinie, eine weitere vor den Anhängern. "Diese beiden Mauern werden nicht stehen bleiben", hatte Herthas Geschäftsführer Michael Preetz beim Bezahlsender Sky vor dem Anpfiff des Fussball-Bundesligaspiels am Samstag in Berlin gegen RB Leipzig angekündigt.

Gemeinsam mit der Fanszene wolle man dem grossartigen und historischen Ereignis des Mauerfalls am 9. November 1989 Rechnung tragen. Die Berliner trugen in der Partie auch ein Sondertrikot mit einem Berliner Bären anstatt Werbung.

Die Choreographie im Berliner Olympiastadion.

"30 Jahre Mauerfall" im Live-Blog: Wie Günter Schabowski die Teilung einleitete

14:47 Uhr: "Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort ... unverzüglich": Diese wenigen Worte, gesprochen von Günter Schabowski, leiteten eher unfreiwillig das Ende der deutschen Teilung ein.

13:52 Uhr: Ungläubig gestammelt oder freudetrunken geschrien - "Wahnsinn" ist bei Tausenden das Wort der historischen Nacht vor 30 Jahren am 9. November 1989. 30 Jahre später sind Freude und Jubel längst verhallt. Stattdessen gibt es viel Argwohn und mancherorts die bange Frage: Wie geht es weiter?

12:04 Uhr: Angela Merkel hat dazu aufgerufen, Hass, Rassismus und Antisemitismus entschlossen entgegenzutreten. Zugleich forderte sie die Menschen bei den zentralen Feierlichkeiten in Berlin am Samstag auf, sich nicht entmutigen zu lasen. "Keine Mauer, die Menschen ausgrenzt und Freiheit begrenzt, ist so hoch oder so breit, dass sie nicht doch durchbrochen werden kann."

11:57 Uhr: Frank-Walter Steinmeier hat den Menschen in Tschechien, der Slowakei, in Ungarn und Polen für ihren massgeblichen Beitrag zur Wiedervereinigung gedankt. "Ohne den Mut und den Freiheitswillen der Polen und Ungarn, der Tschechen und Slowaken wären die friedlichen Revolutionen in Osteuropa und die deutsche Einheit nicht möglich gewesen", sagte er am Samstag.

Steinmeier sprach am Denkmal für die vier Visegrad-Staaten, das an deren Beitrag zum Fall der Mauer erinnert. Zum Denkmal war er mit den Staatsoberhäuptern dieser Länder gekommen. Er hatte sie zum 30. Jahrestag des Mauerfalls nach Berlin eingeladen. Heute erinnere man sich an eine grosse historische Leistung. Europa sei glücklicherweise vereint, sagte Steinmeier.

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Rotkäppchen und Florena-Creme: Diese DDR-Produkte gibt es heute noch

Die meisten der rund 700 DDR-Marken fielen mit der Mauer. Einigen wenigen Produkte ist es jedoch gelungen, auch die westlichen Geschmäcker zu treffen. Diese Produkte sind neben Florena-Creme und Rotkäppchen-Sekt bis heute Kult.

Steinmeier und Merkel durchlöchern symbolisch die Mauer

11:21 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) haben mit Rosen symbolisch die Mauer durchlöchert. Bei der zentralen Gedenkfeier in Berlin steckten sie die Blumen in die Hinterlandmauer auf dem früheren Todesstreifen an der Bernauer Strasse und gedachten der Mauer-Opfer. Auch ausländische Gäste wie die Staatspräsidenten der Slowakei, Polens, Tschechiens und Ungarns, Zeitzeugen und Schüler nahmen an den Feierlichkeiten in der zentralen Mauer-Gedenkstätte teil.

Die Bernauer Strasse gilt als Symbol der deutschen Teilung. Als die Mauer 1961 hochgezogen wurde, lag die Häuserfront der Strasse im Osten, der Bürgersteig im Westen.

Angela Merkel steckt eine Rose in die Mauer.

10:38 Uhr: In der zentralen Mauer-Gedenkstätte in Berlin ist an den Fall der Mauer vor 30 Jahren erinnert worden. Zu der Gedenkveranstaltung auf dem früheren Todesstreifen an der Bernauer Strasse kamen am Samstag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Auch ausländische Gäste wie die Staatspräsidenten der Slowakei, Polens, Tschechiens und Ungarns, Zeitzeugen und Schüler nahmen an den Feierlichkeiten teil.

"Die friedliche Revolution bedeutet zuallererst Verantwortung zu übernehmen, Toleranz zu leben, Demokratie und Menschenrechte zu achten und zu verteidigen und den Traum vom vereinten Europa mit Leben zu füllen", sagte der Direktor der Mauer-Stiftung, Axel Klausmeier, laut Redemanuskript.

9:31 Uhr: Die Wiedervereinigung wird nach Merkels Ansicht jedoch deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, als ursprünglich erhofft. "Bei manchem, von dem man gedacht hat, dass es sich zwischen Ost und West angleichen würde, sieht man heute, dass es doch eher ein halbes Jahrhundert oder länger dauert", sagte Merkel der "Süddeutschen Zeitung" (Wochenende).

Die Kunstinstallation wurde extra zum Jahrestag am Brandenburger Tor aufgebaut. Die etwa 100 Meter lange Installation "Visions in Motion" besteht aus 100.000 Plastikfähnchen Etwa 30.000 davon sind mit Ideen, Wünschen und Vorstellungen zum 30 . Jahrestag des Falls der Berliner Mauer versehen und wehen als Welle der Wünsche vom Brandenburger Tor zur Strasse des 17. Juni.

30 Jahre Mauerfall: Immer noch viel Trennendes zwischen Ost und West

30 Jahre nach dem Mauerfall sieht die Bevölkerung in Deutschland einer Umfrage zufolge mehr Trennendes als Gemeinsames zwischen Ost und West. Die Mauer wollen aber nur wenige zurück.

In einer Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, meinten 27 Prozent der Befragten, die Unterschiede zwischen Ost und West würden überwiegen. Im Westen sagten dies 25 Prozent, im Osten sogar 34 Prozent. Mehr Gemeinsamkeiten sehen bundesweit nur 18 Prozent (West 19/Ost 15).

Alte Ost-West-Klischees bestehen nach Angaben von YouGov weiterhin. So seien 57 Prozent der im Westen Befragten der Ansicht, Ostdeutsche würden nach wie vor mehr jammern als Westdeutsche. Umgekehrt vertreten 68 Prozent im Osten die Ansicht, Westdeutsche täten immer noch so, als wüssten sie alles besser.

Fotos und Filme wurden an die Fassaden der Häuser am Alexanderplatz projeziert. Im Vordergrund rechts steht die Weltzeituhr.

Die Mauer will eine Minderheit von 13 Prozent der Befragten zurück (West 14/Ost 13). Dass die Deutschen zu einer Nation zusammengewachsen seien, finden nur 43 Prozent der Menschen im Westen und 35 Prozent der Menschen im Osten.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble räumte in der RBB-Sendung "Talk aus Berlin" ein, dass die schnelle Wiedervereinigung für die Menschen in der DDR "unheimlich schwierig" gewesen sei. Und dass es schwieriger geworden sei, "als wir vielleicht selbst am Anfang geglaubt haben". Dennoch habe die letzte und frei gewählte Volkskammer der DDR "mit übergrosser Mehrheit den Beitritt zum Grundgesetz beschlossen". Als Bundesinnenminister handelte Schäuble massgeblich den deutschen Einigungsvertrag mit aus.

200 Feierlichkeiten zum Mauerfall-Jubiläum

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30 Jahre Mauerfall: Chronik einer friedlichen Revolution

Mit ihrer friedlichen Revolution haben die Menschen in der DDR zuerst den Fall der Mauer und knapp ein Jahr später die Wiedervereinigung Deutschlands ermöglicht. Wir blicken mit bewegenden Fotos auf die Ereignisse vor 30 Jahren zurück.

In Berlin wurde bereits die Woche vor dem Mauerfall-Jubiläum mit mehreren Festen begangen. In der Hauptstadt fanden rund 200 Veranstaltungen an Orten der friedlichen Revolution 1989 statt. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erinnerte am Montagabend auf dem Alexanderplatz an den Mut der Menschen, die hier am 4. November 1989 für Meinungsfreiheit und Demokratie in der DDR demonstriert haben. Vor diesem Hintergrund müsse heute von Berlin als Stadt der Freiheit das Signal ausgehen: "Wir kämpfen gegen jede Form der Ausgrenzung."

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Auf dem Alex hatten sich am 4. November 1989 - also wenige Tage vor dem Mauerfall am 9. November - Hunderttausende DDR-Bürger versammelt. Nun wurde am Schauplatz der grössten Demonstration im Wendeherbst mit einer riesigen Videoprojektion sowie Licht- und Soundeffekten der historische Tag wieder lebendig. (pak/dpa/AFP)

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