Es sollte gestern der Tag der Entscheidung werden. Diesmal wirklich. Ganz ehrlich. Grexit oder Rettung. Und die Entscheidung wurde tatsächlich – wieder verschoben. Pech für Plasberg, denn er wäre der erste Post-Grexit-Talker gewesen. Das Pech für den Zuschauer war aber noch viel grösser.

Worum ging es?

Hatten Sie schon mal ein Déjà-vu? Hatten Sie schon mal ein Déjà-vu? Zugeben, die aktuelle Lage in Griechenland ist wahrlich zu ernst für solche Kalauer. Wer sich aber die Themenpläne deutscher Talkshow-Redaktionen der vergangenen Wochen und Monate ansieht, für den reicht selbst das Wort Déjà-vu nicht mehr aus. Kein Grund für die Plasberg-Redaktion den Grexit nicht noch einmal aufs Tapet zu bringen: "Griechen-Gipfel: Rausschmiss oder weiter so?"

Es hätte aber auch so schön gepasst. Als erste Talkshow im deutschen Fernsehen hätte Frank Plasberg gestern Abend über den tatsächlichen Grexit diskutieren können. Doch die griechische Regierung hat mit ihren neuesten Sparplänen nicht nur die Euro-Gruppe überrascht, sondern auch die "hart aber fair"-Redaktion: Entscheidung vertagt.

Aber konnte die Redaktion davon wirklich überrascht gewesen sein? Selbst erfahrene Politiker wie Theo Waigel und Sahra Wagenknecht haben bei ihrem Auftritt am Sonntag bei Günther Jauch (Thema: Na klar, Griechenland) nicht an eine Entscheidung am Montag geglaubt. Trotzdem wurde der Europa-Erklärbär der ARD, Rolf-Dieter Krause per Live-Übertragung zur Diskussion dazu geschaltet, "falls noch was in Brüssel passiert". Vielleicht sollte manche Talk-Redaktion manchmal den Mut haben, erst dann über etwas diskutieren zu lassen, wenn auch etwas passiert ist; auch auf die Gefahr hin, dass dann andere vielleicht schneller sind.

Wer waren die Gäste?

Allesamt Gesichter, die man schon mindestens einmal in einer Grexit-Sendung gesehen hatte. Wie die Politologin und Europa-Expertin Ulrike Guérot, die in scharfen Analysen klarmachte, dass nicht nur Griechenland Reformen braucht, sondern auch die EU. Denn eine Währungsunion ohne eine politische Union sei zum Scheitern verurteilt.

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Ganz so sieht es Elmar Brok nicht. Der dienstälteste Abgeordnete (CDU) im Europaparlament sieht Europa als Erfolgsgeschichte und will die Idee nicht scheitern lassen. Das bedeutet für ihn auch, Griechenland nicht pleite gehen zu lassen. Trotz des gleichen Parteibuches kann sich Wolfgang Bosbach mit der Haltung "Rettung um jeden Preis" nicht anfreunden. Der Bundestagsabgeordnete knüpfte unlängst sogar sein politisches Schicksal an die Frage, ob Griechenland weitere Milliardengelder bekommen soll. Er wird jedenfalls mit Nein stimmen.

Zu dramaturgischen Randfiguren dieser Sendung gerieten der Chefredakteur von Bild.de, Julian Reichelt, und der in Berlin geborene Journalist Michalis Pantelouris. Reichelt trug in betont sachlicher Weise vor, dass nicht nur die Zukunft Griechenlands auf dem Spiel steht, sondern auch die Glaubwürdigkeit des deutschen Parlaments. Viel mehr durfte er eigentlich nicht sagen, ohne unterbrochen zu werden. Dieses Schicksal teilte er sich mit Pantelouris, der für Verständnis für Griechenland warb, aber in Plasberg einen derartigen Rede-Türsteher gefunden hatte, als sei Pantelouris ganz allein für die Schulden Griechenlands verantwortlich.

Was war das Rede-Duell des Abends?

Die Diskussion untereinander kam schleppend in Gang. Zunächst war es ein kurzes Frage-Anwort-Spielchen zwischen Plasberg und seinen Gästen. Irgendwie wurde dann aber ganz schleichend ein Duell "jeder gegen jeden" daraus. Mag sein, dass das an Ulrike Guérot lag, denn die Politologin schien auf einer Mission zu sein: Möglichst viel Informationen in möglichst viele Sätze in möglichst kurze Zeit zu pressen. Abgesehen davon, dass der Zuschauer zuhause so wahrscheinlich gar nicht viel vom Gesagten mitbekommen haben dürfte, schien zudem mit jedem Maschinengewehrsatz Guérots die Aggression im Raum zu steigen. Am Ende gerieten sogar die beiden Unions-Kollegen Brok und Bosbach etwas ruppiger aneinander.

Wie schlug sich Plasberg?

Na ja. Auf der einen Seite war er stets bemüht, das Analyse-Sperrfeuer von Ulrike Guérot für Otto Normalverbraucher zu übersetzen, auf der anderen Seite liess er Michalis Pantelouris gerade dann nicht ausreden, wenn dieser etwas Interessantes auf Plasbergs Fragen antworten wollte. Der Moderator versuchte Pantelouris ständig zu einer Antwort zu treiben, die er schon für ihn ausgesucht hatte. Das war hart, aber nicht fair. Brachte mit seinen Einspielern immerhin ein paar einordnende Info-Happen – zumindest für die beiden Zuschauer, die tatsächlich noch nichts über die Griechenland-Krise gehört haben sollten.

Welche Erkenntnis gab es?

Und hier wären wir dann wieder bei der Sache mit dem Déjà-vu. Oder können Sie eine Meinung zum Thema Griechenland vortragen, die noch nicht in einer Polit-Talkshow geäussert wurde oder ein Problem oder ein Szenario oder irgendetwas anderes? Genau.