Die SPD macht Martin Schulz zu ihrem Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2017 und Sandra Maischberger möchte von ihren Gästen wissen, wie die Chancen des Sozialdemokraten gegen Angela Merkel stehen. Deutschlands bekannteste Putzfrau motzt gegen einen CSU-Mann, der spricht von Therapie für Sigmar Gabriel.

Patrick Mayer
Eine Kritik
von Patrick Mayer

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer gilt als selbstbewusst, als abgehärtet in politischen Auseinandersetzungen. Bei Sandra Maischberger sah sich der 42-Jährige aber einer anderen, wenig einschätzbaren Gegnerin gegenüber: einer Putzfrau.

Aber nicht irgendeiner Reinigungskraft, nein, Susanne Neumann ist die vielleicht bekannteste Putzfrau Deutschlands. Und sie ist SPD-Mitglied. Sie war im Polit-Talk am Mittwochabend das Highlight. Wie der CSU-Mann wohl darüber denkt?

Putzfrau motzt CSU-Mann an

"Da geh ich hoch wie Flitzkacke. Jetzt wird es Zeit, dass ihr mal dran seid. Eine Million Leiharbeiter, von Renten-Armut brauche ich Euch nichts zu erzählen. Ich habe Schiss, wenn ihr so weitermacht, wo die Entwicklung hingeht", blaffte sie den Bezirksvorsitzenden der CSU Niederbayern an.

Der Politiker, mit modischer Nickelbrille und ebenso modischem Sakko, wirkte sichtlich angegriffen. Eine Putzfrau attackiert ihn? Den Spitzenpolitiker? So wirkte sein Gesichtsausdruck zumindest. "Ich glaube, wir haben die richtigen Rezepte, Frau Neumann", antwortete Scheuer. Neumann war aber kaum noch zu beruhigen. Sie war eine erfrischend ehrliche Note in einer Runde, die einen Vorgeschmack auf den Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017 bot.

Susanne Neumann fordert Neubesetzung in der SPD

Neumann haute in einer Mischung aus kühler politischer Analyse und leidenschaftlicher Stammtischpolemik so richtig auf den Putz, forderte einen weiterreichenden Neuanfang. Allein mit der Personalie Martin Schulz sei es in der SPD nicht getan. Jetzt mag es sich um eine subjektive Meinung handeln. Doch Maischberger hatte die Arbeitnehmerin aus dem Niedriglohnsektor sicher auch eingeladen, weil sie die Basis der Partei vertritt.

Ihre Meinung sollte der SPD zu denken geben. Eigentlich. Denn die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin stimmte lieber zum Loblied auf den am selben Tag medial teils scharf kritisierten Parteichef Sigmar Gabriel an, der künftig neben der Kanzlerkandidatur auf den Parteivorsitz sowie seinen Job als Bundeswirtschaftsminister verzichten wird, um Aussenminister zu werden.

Sahra Wagenknecht teilt gegen Martin Schulz aus

Doch wird er das dauerhaft? Darüber werden die Wähler im Herbst entscheiden. Die Spitzenpolitiker haben das längst auf dem Schirm, und warben auch bei Maischberger eifrig um ihre Positionen. Dreyer glaubt sogar (oder selbstredend), dass ihre Partei als stärkste Fraktion aus der Wahl hervorgehen wird: "Ich lag im November zehn Prozent hinter der CDU und im März fünf Prozent vor ihr", macht sie den Vergleich zur Landtagswahl 2016.

"Alle waren froh, dass er es nicht macht und es jetzt vielleicht nach oben geht. Die SPD steht nicht mehr für das, wofür sie mal gegründet wurde", kritisierte dagegen die Fraktionschefin der Linken Sahra Wagenknecht Gabriel und teilte auch gegen (einen möglichen Koalitionspartner) Martin Schulz aus: "Er war politisch immer sehr nahe an Gabriel dran, schliesslich kommt er aus dem rechten Flügel der SPD."

Journalist: Nicht mehr nur auf AfD schauen

Ob der Europapolitiker Schulz die Mannschaft der SPD wieder in Form bringe oder in die 2. Liga führen werde, fragt Maischberger in die Runde. Der "Stern" hatte ein viel beachtetes Interview mit Gabriel veröffentlicht. Aus der Chefredaktion des Magazins war Hans Ulrich Jörges zu Gast. "Offensichtlich hat das Volk eine Sehnsucht nach neuen Gesichtern in der Politik. Sie haben das Führungspersonal offenbar satt", meinte der Journalist und hofft, dass "die Leute jetzt nicht mehr nur auf die AfD schauen, sondern auf einen Zweikampf zwischen den grossen Parteien".

Für ihn ist Schulz ein würdiger Herausforderer der Kanzlerin. Dirk Schümer von der konservativen "Welt" dagegen sagte, dass die SPD Schulz gegen die Kanzlerin verheize. Schümer: "Wer glaubt denn im Ernst, dass die SPD grösser wird als die CDU?"

"Therapeutengruppe für Sigmar Gabriel"

Scheuer hatte da schon genug, wetterte, die Sendung sei eine "Therapeutengruppe für Sigmar Gabriel" und Schulz‘ Inhalte kämen aus den südeuropäischen Schuldenländern. "Das sind Wahlkampfsprüche", motzte Jörges den CSU-Mann an und schob ihn abfällig weg. Recht hatte er. Es ist Wahlkampf. Und vielleicht ist es ja auch gut, dass in eben diesem auch mal einfache Leute wie Neumann zur Sprache kommen, die selbst etablierten Politikern die Show stehlen.