ARD-Moderatorin Sandra Maischberger lädt zum Talk über Donald Trump. Es wird unterhaltsam und ernst zugleich. Trump-Anhänger Frédéric Prinz von Anhalt pöbelt gegen Jürgen Trittin. Eine Journalistin wirft der Bundesregierung "absolute Ratlosigkeit" vor. Und ein Schauspieler warnt vor dem Mann mit dem angeblich grössten Einfluss auf den künftigen US-Präsidenten.

"Mit ihm beginnt eine Zeit der Unberechenbarkeit." Sandra Maischberger legt in ihrem Polit-Talk über den künftigen US-Präsidenten Donald Trump drastisch los. Schliesslich habe dieser mit seinem viel beachtenden Interview mit der "Bild" und der "Times" den Rahmen vorgegeben, indem er Bundeskanzlerin Angela Merkel "katastrophale Fehler" vorhielt.

Die einen mag das erschrecken, die anderen sehen in dieser direkten Art des 70-Jährigen eine Chance. Dazu gehört auch Trump-Anhänger Frédéric Prinz von Anhalt, der aus Los Angeles in die Sendung zugeschaltet wird.

Frédéric Prinz von Anhalt wird belächelt

Hemdsärmelig, wie man es sonst nicht von solchen Talk-Sendungen kennt, feiert der Ehemann der kürzlich verstorbenen Hollywood-Diva Zsa Zsa Gabor Trump regelrecht ab. Er lernte ihn einst in den 1980er Jahren persönlich kennen. "Make America Great Again brüllt er zu Beginn der Schalte dem deutschen Fernsehzuschauer entgegen, es ist der Wahlkampfslogan Trumps.

Mit einer entsprechenden Baseballcap auf dem Kopf holt der in die Jahre gekommene, aber keinesfalls eingerostete Privatier zur Lobhudelei auf den Immobilien-Milliardär aus. "Ich kenne ihn aus Bel Air (Nobelwohnort in Los Angeles, d. Red.) und Palm Beach (noble Kleinstadt in Florida, d. Red.)", schildert er in einem süffisant selbstherrlichen Tonfall. "Er will einfach nur Macht haben."

Der Adelige empfiehlt Deutschland, schnell die Kurve zu kriegen, was den Umgang mit Trump angehe, denn dieser werde die Politik künftig wie Deals angehen und keine Zeit verlieren.

Frédéric Prinz von Anhalt wettert gegen Jürgen Trittin

Als er von den Studiogästen wegen seiner schieren Stammtisch-Polemik belächelt wird, richtet sich der einstige Auswanderer gegen den anwesenden Grünen-Bundestagsabgeordneten Jürgen Trittin. "Jetzt muss ich Herrn Trittin fragen, wie weit Sie es in Deutschland gebracht haben. Das ist doch Sodom und Gomorra", wettert er. "Ich kenne Trittin. Ich war einst mit ihm auf dem Karneval in Köln. Das ist ein Guter, aber kein Politiker."

Der Attackierte bleibt cool, gemeinsam mit FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff gibt er den Erklärer. Beide sind um politische Zusammenhänge bemüht, um historisch gefestigte Beziehungen zu den USA. "Er hat sich nur Lobbyisten reingeholt. Der Sumpf regiert Amerika", meint Trittin zwar scharf.

Auf die Drohungen von Strafzöllen gegen deutsche Firmen angesprochen, beschwichtigt er aber: "Auf unseren Markt wollen auch Menschen." Also wohl auch Amerikaner.

FDP-Politiker: Kräftemessen zwischen Donald Trump und US-Wirtschaft

Das sieht auch Lambsdorff so: "Es wird ein Kräftemessen zwischen dem US-Präsidenten und der gesamten amerikanischen Wirtschaft geben. Wir müssen Europa Great Again machen."

Es gebe für Europa keine Sicherheit ohne die Vereinigten Staaten, mahnt indes der langjährige Nato-General a. D., Harald Kujat: "Wir müssen verbal abrüsten und ihn achten."

Diese vorsichtig positive Haltung teilt nicht jeder, auch nicht Tina Hassel, die Leiterin des ARD-Hauptstadtbüros, die sachlich souverän argumentiert. Sie sieht eine unberechenbare Schwäche beim künftigen US-Präsidenten. "Der Schatten der Erpressbarkeit reicht, um ihn unter Druck zu setzen", sagt sie und bemüht die Verschwörungstheoretiker: "Hat er sich in Russland getroffen, um zu besprechen, wie die Wahl zu beeinflussen ist?"

Der Bundesregierung wirft die in Berlin gut vernetzte Journalistin - wenig erbauend - "absolute Ratlosigkeit" im Umgang mit Trump vor.

US-Schauspieler warnt vor Berater von Donald Trump

Dessen erklärter Gegner in der Sendung ist der amerikanische Schauspieler Ron Williams. Dieser lebt seit Jahren in Deutschland und überlegt eigenen Aussagen zufolge, aus Protest gegen die Trump-Wahl die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. "Er ist Rassist. Er lässt Schwarze nicht in seinen Gebäuden mieten. Er ist oberflächlich. Er kennt Putin nicht, plappert nur, was er glaubt" - Williams redet sich reihenweise in einem knarzigen Deutsch in Rage. Und er warnt eindringlich vor Steve Bannon, dem künftigen Chefberater Trumps.

Bannon gilt als mindestens rechtspopulistisch, Williams drückt sich drastisch aus: "Trump hört immer auf den letzten Mann. Leider hat er zwei oder drei Anti-Demokraten in seinem engsten Kreis."

Die Runde bei Maischberger zeigt: Die Anspannung vor dieser Präsidentschaft ist auch in Deutschland riesig. Bleibt zu hoffen, dass Trittin und Lambsdorff Recht behalten. Sprich, Europa sich nicht kleinkriegen lassen und die amerikanische Wirtschaft Trump einbremsen wird.

Die Sendung gab zumindest einen Vorgeschmack darauf, wie polarisierend eine einzige Personalie in den kommenden Jahren wohl auch unser tägliches Leben mitbeherrschen wird.