• Der Westen hat den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine einstimmig und scharf verurteilt.
  • Auch, wenn Russland immer isolierter dasteht: In der Welt kann Putin noch auf einige Unterstützer zählen. Doch die Liste wird kürzer.
  • Der Politikwissenschaftler und Experte für Sicherheitspolitik Joachim Krause hält nur ein Land davon noch für bedeutend. Auch sagt der: "Mit dieser massiven Reaktion der Weltgemeinschaft dürfte Putin nicht gerechnet haben". Wir geben einen Überblick.

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Die meisten Staatschefs fanden deutliche Worte: "Der russische Angriff auf die Ukraine ist ein eklatanter Bruch des Völkerrechts", sagte beispielsweise Bundeskanzler Olaf Scholz. Frankreich verurteile "die Entscheidung Russlands, Krieg gegen die Ukraine zu führen, aufs Schärfste", so Staatschef Emmanuel Macron und US-Präsident Joe Biden sprach von einem "unprovozierten und ungerechtfertigten" Angriff.

Den Worten folgten Taten: EU und USA verhängten schwere Sanktionen gegen Moskau, weitere Länder, darunter beispielsweise Japan und Australien, schlossen sich an. Doch nicht alle Nationen in der internationalen Gemeinschaft fanden klare Worte Richtung Moskau. Während manche sich bislang auffällig zurückhielten, pflichten andere Putin sogar in seinem Vorgehen bei.

Putin bekommt Beistand aus Lateinamerika

So zum Beispiel Kuba, Venezuela und Nicaragua, die als enge Verbündete Moskaus gelten. "Venezuela steht an der Seite Putins", verkündete Staatschef Nicolás Maduro kurz nach dem Angriff. Das Land bedauere "den Bruch des Minskers Abkommens durch die Nato, vorangetrieben durch die Vereinigten Staaten", hiess es in einer Stellungnahme der sozialistischen Regierung in Caracas.

Der Bruch des Abkommens habe internationales Recht verletzt und stelle eine "schwere Bedrohung der Russischen Föderation, seiner territorialen Integrität und Souveränität dar", twitterte Maduro.

Kritik an Moskau bleibt aus

"Russland verteidigt sich einfach", stellte Nicaraguas Diktator Daniel Ortega fest. Er sei sicher, dass die Menschen im Falle eines Referendums für eine Annektierung durch Russland stimmen würden. Spätestens seit den 1980er Jahren, als Ortega Unterstützung des Ostblocks in seinem Guerilla-Krieg erhielt, sind die beiden Länder ideologisch miteinander verbandelt.

Ein noch engeres Verhältnis zu Moskau pflegt das seit Jahrzehnten kommunistisch regierte Kuba. Das Handels-Embargo der USA konnte der Inselstaat nur mit Hilfe der Sowjetunion und heute Russland ertragen. Havanna übt deshalb in der aktuellen Lage auch keine Kritik an Putin, sondern bezichtigt Washington der Kriegstreiberei.

Assad springt Putin bei

Die Nato-Ausdehnung sei eine Bedrohung der nationalen Sicherheit Russlands, Moskau habe das Recht "sich selbst zu verteidigen", betonte das Aussenministerium. Ganz umsonst war die Solidaritätsadresse allerdings nicht: Vor kurzem hatte das russische Parlament beschlossen, die Tilgung kubanischer Schulden in Höhe von zwei Milliarden Euro bis 2027 zu stunden.

Beistand kommt für Putin auch aus Syrien. Das Land unter Machthaber Baschar al-Assad hat die Unabhängigkeit der beiden Gebiete in der Ostukraine bereits anerkannt. Syrien sei bereit, Beziehungen zu Donezk und Luhansk aufzubauen, teilte das Präsididalamt in Damaskus mit. "Was heute geschieht, ist eine Korrektur der Geschichte und die Wiederherstellung des Gleichgewichts in der Welt", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur "Sana" Assad.

Militärhilfe aus Belarus

Die Solidaritätsbekundung kommt nicht überraschend: Putin ist Assads wichtigster Verbündeter im syrischen Bürgerkrieg und unterstützt den Machthaber seit Jahren militärisch. "In Syrien befindet sich allerdings selbst im Krieg, das nützt Putin nicht viel", sagt Politikwissenschaftler Joachim Krause im Gespräch mit unserer Redaktion. Verbündete seien aus Russlands Sicht schliesslich nur dann hilfreich, wenn sie zum Krieg auch etwas beitragen könnten.

Hier ist sich Krause sicher, dass nur noch ein Land an Putins Seite ins Gewicht fällt: "Russland hat eigentlich nur noch einen wirklichen Verbündeten, das ist Belarus. Es hat seine Reservisten einberufen und will sich am Krieg beteiligen", sagt er. Das zeige allerdings, das Russland sich bei seinen Kriegsplänen verkalkuliert habe. "Mit Belarus kommt vielleicht das letzte Aufgebot", sagt er.

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Fünfte Kriegswoche in der Ukraine: Die Ereignisse in Bildern

Am 24. Februar hat Russland auf Anordnung von Präsident Wladimir Putin mit einem breit angelegten Angriff auf die Ukraine begonnen. Nun geht der Krieg bereits in die fünfte Woche. Millionen Menschen sind auf der Flucht und immer mehr Städte in der Ukraine von den Kämpfen betroffen.

Experte: "Putin hat sich verkalkuliert"

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko, direkter Nachbar der Ukraine, billigte im Vorfeld Militärübungen russischer Soldaten und liess sie schliesslich von seinem Land aus operieren und Raketen abfeuern. Auch die Anerkennung der Separatistengebiete unterstützt der Waffenbruder, hilft ausserdem mit der Versorgung von Verwundeten. Lukaschenko ist wirtschaftlich und politisch von Moskau abhängig und hatte zuletzt auch die Annexion der Krim mitgetragen.

Zwar hatte der belarussische Präsident nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj noch am Sonntag versichert, nicht in den Krieg eingreifen zu wollen. Das ukrainische Militär geht aber davon aus, dass belarussische Truppen bereits in Richtung der Ukraine unterwegs sind. "Einige Einheiten der kampfbereitesten Formationen der belarussischen Streitkräfte haben begonnen, sich zur Staatsgrenze der Ukraine in Richtung Wolhynien zu bewegen", schrieb der ukrainische Generalstab am Montag auf Facebook.

Ganz vorne mit dabei: China

Als indirekte Unterstützer lassen sich zudem die Länder werten, die eine Verurteilung der russischen Invasion bislang ablehnen. Ganz vorne mit dabei ist beispielsweise China. Eine Resolution im UN-Sicherheitsrat gegen Russland hat China bereits verhindert. Bei den Olympischen Winterspielen hatten Putin und Xi Jinping ihren Schulterschluss demonstriert, im danach veröffentlichten Papier von einer "Zusammenarbeit ohne Grenzen" gesprochen.

Kein Wunder also, dass China nun der USA vorwirft, der Kriegstreiber zu sein und mit Sanktionen und Waffenlieferungen den Konflikt zu verschärfen. Direkte Kritik an Moskau vermeidet das Land derweil. "Die Ukraine-Frage ist in ihrem historischen Hintergrund komplex", sagte Aussenamtssprecherin Hua Chunying, die Konfliktparteien sollten weiter den Dialog suchen und nach Frieden streben. "Wir fordern alle Parteien auf, Zurückhaltung zu üben und zu verhindern, dass die Situation ausser Kontrolle gerät", so Hua Chunying.

"China hat Russland politisch Rückenwind gegeben, aber nicht so weit, dass es den Überfall Putins jetzt voll unterstützt", sagt Experte Krause. Allerdings habe Putin im Vorfeld des Angriffs viele Truppen aus den asiatischen Teilen Russlands abgezogen - "da wird man sich sicherlich vorher mit China verständigt haben", schätzt der Experte.

Auffällige Zurückhaltung

Zur Liste der indirekten Unterstützer zählen auch Indien, Brasilien und der Iran. Zwar rief Indiens Premierminister Narendra Modi zu einem sofortigen Ende der Gewalt in der Ukraine auf, erliess aber keine Sanktionen. Indien und Russland verbindet seit Langem eine strategische Partnerschaft. In Brasilien sprach das Aussenministerium von "legitimen Sicherheitsinteressen beider Seiten".

Erst acht Tage vor dem Überfall hatte der rechtspopulistische Staatschef Jair Bolsonaro Putin besucht und sich solidarisch mit Moskau gezeigt. Russische Düngemittellieferungen sind für die brasilianische Landwirtschaft äusserst bedeutend. Sanktionen in diesem Bereich könnten die Lebensmittelpreise rasch steigen lassen.

Öffentlicher Auftritt mitten im Krieg: Putin besichtigt Weltraumbahnhof

Inmitten des Einmarsches in die Ukraine hat der russische Präsident am Montag die Baustelle eines Weltraumbahnhofs bei Moskau besichtigt. Putin sprach vor Arbeitern und liess sich von den Anwesenden Unterstützung für seine Vorhaben aussprechen.

Putins Krieg gegen die Ukraine: Schweiz trifft Jahrhundertentscheidung

Das Aussenministerium in Teheran schickte Kritik nur in Richtung USA und Nato. Beide seien durch ihre "provokanten Handlungen" für die verschärfte Lage verantwortlich. In Zurückhaltung oder Verständnis übten sich ausserdem Myanmar, Kasachstan, Armenien und Pakistan.

Überraschend dürften für Putin die Reaktionen aus der Türkei, der Schweiz und aus Singapur kommen. Obwohl die Türkei etwa mit Blick auf Energielieferungen von guten Beziehungen zu Moskau abhängig ist, forderte Präsident Recep Tayyip Erdogan von den Nato-Staaten eine entschlossenere Haltung.

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Überraschender Gegenwind einiger Nationen

Die Türkei, ebenfalls Nato-Mitglied, unterhält aber auch enge Beziehungen zu Kiew, steht Russland in Syrien gegenüber und muss durch ihre geopolitisch zentrale Lage einen aussenpolitischen Balanceakt vollführen. Besonders bedeutend ist dabei die Bosporus-Meerenge, die den einzigen Schifffahrtsweg vom Mittelmeer zum Schwarzen Meer darstellt. Den Zugang schränkte die Türkei nun für russische Kriegsschiffe ein. "Die relevanten Kriegsschiffe sind allerdings schon vorher durchgefahren", stellt Krause fest.

Eine Jahrhundert-Entscheidung traf derweil die Schweiz, die mit ihrer Tradition der Neutralität bricht und ebenfalls Sanktionen verhängt. Die Schweiz ist wichtige Adresse für wohlhabende Russen – auch wegen der politischen Neutralität als Rahmenbedingung.

Auch Stadtstaat Singapur, der nur selten eigene Sanktionen gegen andere Länder verhängt, kündigte Massnahmen im Banken- und Finanzbereich an. "Russland ist zunehmend isoliert. Mit dieser massiven Reaktion der Weltgemeinschaft dürfte Putin nicht gerechnet haben", bilanziert Krause.

Über den Experten:
Prof. Dr. Joachim Krause ist Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel. Zuvor war er Professor für Internationale Politik und Direktor am Institut für Sozialwissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.