Sie gilt als entscheidender Schritt für die Zukunft des Landes: Am Sonntag hält die Ukraine die Präsidentschaftswahl ab. Wer hat Chancen auf den Sieg? Wie wird sich Wladimir Putin verhalten? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen im Überblick.

Warum so viele Bewohner des Landes zu Russland gehören wollen.

Wie ist die aktuelle Lage in der Ukraine?

Im Osten des Landes ist die Lage noch immer kritisch. Die Übergangsregierung hat eine "Anti-Terror-Aktion" gestartet, um die Kontrolle über die östlichen Regionen zurück zu erlangen. Sie will sicherstellen, dass die Wahlen am Sonntag auch hier stattfinden können. Immer wieder kommt es zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und den prorussischen Separatisten. Am Donnerstag starben bei Gefechten 13 Soldaten, Dutzende Menschen wurden verletzt. Auch am Freitag soll es erneut Kämpfe gegeben haben. Die Übergangsregierung befürchtet, dass die Wahlen im Osten des Landes nicht oder nur unter grossen Gefahren für die Bevölkerung möglich sein werden.

Ein Hoffnungsschimmer: Der schon vor Tagen angekündigte Abzug russischer Truppen aus dem Grenzgebiet zur Ukraine scheint begonnen zu haben. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erklärte, es gebe Zeichen, dass einige Einheiten ihren Abzug vorbereiten. Ob tatsächliche alle russischen Streikkräfte die Region verlassen werden, könne man aber noch nicht mit Sicherheit sagen.

Welcher Kandidat hat Chancen auf den Sieg?

Das Votum ist klar, trotzdem herrscht Chaos. Wie geht es jetzt weiter?

In aktuellen Wahlumfragen liegt der Milliardär Petro Poroschenko mit rund 45 Prozent der Stimmen klar vorne. Der 48-jährige Schokofabrikant gilt als prowestlich, er hatte sich von Beginn an auf die Seite der Maidan-Demonstranten gestellt. Er ist zudem politisch sehr erfahren. Seine grösste Konkurrentin ist Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko. Die einstige Ikone der "Orangenen Revolution" von 2004 kommt in Umfragen allerdings nur noch auf etwa 8 Prozent der Stimmen. Mit ihren ruppigen Auftritten und einer polarisierenden Persönlichkeit widerspricht sie nach Einschätzung von Experten dem Wunsch vieler Wähler nach Stabilität und Ordnung.

Abgeschlagen scheint auch Dmitri Jarosch, der Chef der nationalistischen Partei "Rechter Sektor": Für ihn würden laut Umfrage nur 0,5 Prozent der Wähler stimmen.

Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko hatte seine Kandidatur zurückgezogen und seine Unterstützung für Poroschenko erklärt. Er will stattdessen für das Amt des Kiewer Bürgermeisters antreten.

Wie geht es nach den Wahlen weiter?

Nach Ansicht von Experten ist die Wahl ein wichtiger Schritt, um das Land zu stabilisieren und zur Beruhigung der Lage beizutragen. Der Präsident habe "immer eine grosse Rolle gespielt, historisch und auch politisch", sagte der ukrainische Botschafter Pawlo Klimkin in Deutschland in einem Radiobeitrag.

Die Menschen sehnen sich nach jemanden an der Spitze, der das Land wieder eint und befriedet. Russland, das die Übergangsregierung nicht anerkennt, bekommt zudem einen Verhandlungspartner, den es akzeptieren kann und muss.

Dafür ist es jedoch wichtig, dass die Wahl möglichst überall stattfinden kann. Nur so erhält der künftige Präsident ausreichend Legitimation. Im Osten der Ukraine wollen die Separatisten die Wahl aber nach wie vor verhindern. Ein Mitglied der Übergangsregierung sagte, sie wäre trotzdem gültig, da es nach ukrainischem Recht keine Mindestwahlbeteiligung gebe. Doch wenn zu viele Menschen ausgeschlossen werden, könnte der Ausgang der Wahl von prorussischen Kräften angezweifelt werden. Wie es weitergeht, wird also vor allem vom Ablauf der Wahl abhängen.

Welche Auswirkungen hat die Wahl auf Deutschland und die EU?

Wenn die Wahl scheitert, könnten sich die Beziehungen zu Russland weiter verschlechtern: Die EU droht in diesem Fall mit weiteren Sanktionen. Bislang wurden Einreiseverbote und Kontensperrungen gegen einzelne Personen verhängt, Strafmassnahmen gegen ganze Wirtschaftszweige gab es bislang nicht. Das könnte sich ändern.

Die deutsche Industrie und Banken warnen jedoch davor, die Handelsbeziehungen zu Russland zu gefährden. Es sei grundfalsch nun alles aufzugeben, was die deutsche Wirtschaft in jahrelanger Zusammenarbeit in Russland aufgebaut habe, sagte Jürgen Fitschen, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken laut einem Bericht der Zeitung "Handelsblatt".

Wie steht Putin zur Wahl?

Das Verhalten Russlands bei der Präsidentschaftswahl ist entscheidend. Nur wenn Putin den Ausgang und den neuen Präsidenten anerkennt, rückt eine friedliche Lösung des Konflikts in greifbare Nähe. Ohne die Unterstützung Russlands haben die Separatisten in der Ukraine langfristig kaum Chancen.

Die Signale aus Moskau sind jedoch zwiespältig. Auf dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg versprach Putin am Freitag, den Ausgang der Wahlen in der Ukraine akzeptieren zu wollen. Zuvor hiess es dagegen, eine Zusammenarbeit mit dem Gewinner der Wahl werde schwierig, solange die Kämpfe im Osten des Landes andauern. Putin bleibt unberechenbar. Schon zuvor hatte er sich in der Krise sehr sprunghaft gezeigt: So hatte er erst die Separatisten aufgefordert, ihr Referendum zu verschieben, als sie sich weigerten, die Ergebnisse jedoch klaglos anerkannt.