Sigmar Gabriel (SPD) möchte laut "Bild" nach der Bundestagswahl 2017 Kanzler werden - bloss wie? Die Chancen für eine Koalitionsregierung mit der SPD an der Spitze sind tendenziell gering.

Eine Analyse

Die absolute Mehrheit wird bei der Bundestagswahl mit ziemlicher Sicherheit keine der Parteien erreichen. Wenn eines also schon neun Monate vor der Wahl sicher ist, dann, dass eine Koalition her muss.

Falls mit AfD und FDP zwei weitere Parteien in das Parlament einziehen, könnte das schwieriger werden als nach der Bundestagswahl 2013. Und richtig schwer dürfte für Sigmar Gabriel werden, Angela Merkel abzulösen.

Rot-Rot-Grün: Gabriels beste Machtperspektive

Die grösste Erfolgsaussicht für Gabriel, Kanzler zu werden, liegt in einer Koalition der SPD mit der Linkspartei und den Grünen.

Dafür hat Sigmar Gabriel in den vergangenen Monaten kräftig die Werbetrommel gerührt, denn trotz inhaltlicher Schnittmengen gibt es gerade im linken Flügel der Linkspartei Widerstand gegen eine Zusammenarbeit mit der SPD.

Rein rechnerisch kam ein rot-rot-grünes Bündnis in der Sonntagsfrage von Infratest Dimap zuletzt auf 48 Prozent. Das Meinungsforschungsinstitut befragt dafür regelmässig mindestens 1000 Bundesbürger, welche Partei sie wählen würden, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Die Umfrage ist repräsentativ.

48 Prozent - das könnte gerade so reichen, um eine Mehrheit für die Kanzlerwahl zu schmieden. Doch es wird knapp.

Ampel: Auch diese Alternative würde Gabriel gefallen

Neben Rot-Rot-Grün kann sich Gabriel auch eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP, wie es sie auf Länderebene in Rheinland-Pfalz gibt, für den Bund gut vorstellen. Auch Vertreter von FDP und Grünen zeigten sich zuletzt zunehmend offen für die sogenannte Ampel. Nur: In der Sonntagsfrage erreichte das Dreierbündnis zuletzt nur 34 Prozent.

"Groko": Gabriels Alptraum - der wahr werden könnte

Hätte die Bundestagswahl am vergangenen Sonntag stattgefunden, hätte die Union 37 Prozent der Wählerstimmen erhalten, die SPD 20. Eine Grosse Koalition käme also auf 57 Prozent der Stimmen.

Nur: Sigmar Gabriel will "alles tun, um das zu verhindern", wie er jüngst dem "Spiegel" sagte, und auch in den Reihen der Union sind viele nicht scharf auf eine Fortsetzung. Doch so unbeliebt die Grosse Koalition ist: Vielleicht wird es am Ende doch darauf rauslaufen. Die Vorteile: Die Koalition wüsste eine deutliche Mehrheit hinter sich und keine der beiden grossen Parteien müsste in die Opposition wechseln.

In der "Groko" würde wie bislang die deutlich stärkere Union den Kanzler stellen. Angela Merkel bliebe am Ruder, Gabriel dürfte weiterhin nur die zweite Geige spielen.

Jamaika: Es ginge auch ohne die SPD

Zieht man die Zahlen aus der Sonntagsfrage heran, wäre auch eine Koalition aus Union und Grünen (46 Prozent) oder Union, Grünen und FDP (51 Prozent) denkbar. Aber geht das wirklich zusammen? Bislang hat sich die Union weder für diese Option ausgesprochen, noch sie ausgeschlossen.

Fakt ist: Eine sogenannte Jamaika-Koalition gab es von 2009 bis 2012 im Saarland, ein schwarz-grünes Bündnis regiert derzeit in Baden-Württemberg.

Rein rechnerisch anbieten würde sich auch eine Zusammenarbeit der Union mit der AfD (52 Prozent). Doch der "Anti-Merkel-Partei" die Hand zu reichen, ist für die überwiegende Mehrheit der Union ein Tabu.

Hinweis: In einer früheren Version der Grafik war der Anteil der sonstigen Parteien versehentlich mit 15 Prozent angegeben. Richtig ist fünf Prozent.