In der vergangenen Saison noch souverän die englische Meisterschaft errungen, nun im Tabellenkeller angekommen. Die schwachen Auftritte des FC Chelsea sorgen europaweit für Verwunderung. Die Londoner haben fünf der vorherigen sieben Ligaspiele verloren, sind mittlerweile auf den 16. Tabellenplatz der Premier League abgerutscht.

Hauptverantwortlich für die Entwicklung einer Mannschaft ist normalerweise der Trainer. Doch José Mourinho weist jede Kritik von sich.

Nach dem 1:2 am Montagabend bei Leicester City behauptet er sogar, seine Truppe perfekt vorbereitet zu haben.

"Ich weiss, dass es eine meiner besten Qualitäten ist, das Spiel für meine Spieler zu lesen. Ich kann jedes Detail beim Gegner identifizieren. Und das hatte ich vor diesem Spiel auch getan", erklärte er bei "Sky Sports".

Alle sind schuld - nur nicht José Mourinho

Doch seine Spieler hätten seine Vorgaben einfach nicht umgesetzt. Daher sagte er: "Ich fühle mich und meine Arbeit vom Team betrogen."

Es ist bekannt, dass Mourinho die Schuld immer bei anderen sucht. Ob nun Schiedsrichter, Balljungen, gegnerische Trainer oder sogar die eigene Teamärztin: Jeder bekam schon sein Fett weg. Doch seine Mannschaft nahm der Portugiese immer in Schutz.

Nun scheint es auch damit vorbei zu sein. Möglicherweise weil er sein Image als Erfolgstrainer in Gefahr sieht?

Als Spieler nicht erfolgreich, als Trainer schon

Ein kleiner Rückblick: Mourinho selbst war kein begabter Fussballer. Sein Traum, genau wie sein Vater eine langjährige Fussball-Karriere zu haben, platzt aufgrund mangelndem Talents.

"Wenn du merkst, dass du es nicht schaffst, dann ziehst du all deine Motivation daraus. Ich wollte jemand wirklich Grosses im Fussball werden", wurde er einmal vom "Tagesspiegel" zitiert.

Er versuchte sein Glück als Trainer und hatte unfassbaren Erfolg. Er gewann unter anderem zweimal die Champions League und acht nationale Meisterschaften.

Nur der Abwärtstrend beim FC Chelsea passt nicht in Mourinhos Selbstbild, der sich selbst als "The Special One" bezeichnet.

Er verdreht die Situation so, dass er selbst ein gutes Bild abgibt: "Ich habe letzte Saison fantastische Leistung gebracht und die Mannschaft auf ein Niveau gebracht, das offenbar gar nicht ihr Niveau ist."

Überspielte Mannschaft?

Hat Chelsea also eine Qualitätsproblem? Schwer vorstellbar bei einem Kader, der laut "transfermarkt.de" einen Gesamtwert von 542,5 Millionen Euro hat.

Zum Vergleich: Der Kader von Borussia Dortmund hat einen Wert von geschätzten 308,6 Millionen Euro. Der Journalist Michael Cox hat für "The Guardian" die Krise von Chelsea analysiert.

Seine Theorie: Weil Mourinho immer auf eine eingespielte Truppe setzt, anstatt in den vielen Pflichtspielen mit vier Wettbewerben zu rotieren, ist seine Mannschaft überspielt.

Obwohl Chelsea nur einen Punkt von den Abstiegsrängen entfernt ist, sieht er die Ligazugehörigkeit nicht in Gefahr: "Wir stecken in der Nähe der Abstiegsränge, aber nicht im Abstiegskampf. Das wäre nur der Fall, wenn man mehrere Monate unten steht. Ich glaube nicht, dass uns das passieren wird."

Zweifeln tut (zumindest noch) niemand am Klassenerhalt. Die Frage lautet nur: Gelingt dieser mit oder ohne Mourinho?

Neun Trainer in zwölf Jahren

Klubbesitzer Roman Abramowitsch ist für Trainerentlassungen bekannt. In zwölf Jahren gab es neun verschiedene Übungsleiter. Mourinho befindet sich nach 2007 bereits in seiner zweiten Amtszeit.

Mit seiner Rückkehr sollte endlich Konstanz auf dem Trainerposten herrschen. Sein Vertrag läuft bis Sommer 2019 - und ist laut Medienberichten gekoppelt an einer festgeschriebenen Abfindung von 50 Millionen Euro bei vorzeitiger Entlassung.

Abramowitsch hatte Mourinho zuletzt im November den Rücken gestärkt. Man habe Vertrauen in Trainer und Spieler, die schon so viel abgeliefert hätten, sagte er dem "Daily Telegraph".

Auch Trainerlegende Alex Ferguson rät von einer Entlassung ab: "Es ergibt keinen Sinn, einen der besten Trainer aller Zeiten zu feuern."

José Mourinho und der FC Bayern - das passt nicht

Im Falle einer Entlassung wäre er immerhin für andere Vereine frei. So auch für den FC Bayern München, der nach einem eventuellen Abgang von Pep Guardiola einen neuen Coach benötigen würde.

Die Fernsehexperten Christoph Metzelder und Dietmar Hamann brachten die Spekulationen um Mourinho und Bayern ins Laufen. Doch dass Mourinho an der Säbener Strasse aufschlägt, ist unwahrscheinlich.

Ein nicht deutschsprechender Selbstdarsteller wie der 52-Jährige passt nicht nach München.

Zudem bezeichnet Mourinho die Bundesliga als langweilig, weil die Meisterschaft "für Bayern ein Spaziergang ist".

Schlechte Voraussetzungen also für eine Zusammenarbeit.