Es sollte ein Festtag werden: Nach jahrelangen Diskussionen und Debatten sollte die höchste spanische Frauenliga erstmals als Profiliga starten. Mit Frauen, die mit Fussballspielen ihren Lebensunterhalt bestreiten und damit auch häufiger und besser trainieren können – kurzum: Dank angepasster Bezahlung bessere Leistung erbringen und die Liga attraktiver machen. Doch die Anpassung gilt nur für Spielerinnen. Andere Frauen wurden nicht berücksichtigt und streikten nun an diesem dann doch nicht geschichtsträchtigen Tag: die Schiedsrichterinnen.

Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht von Petra Tabarelli/FRÜF dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Spanien hat eine Reihe anerkannter und ausgezeichneter Schiedsrichterinnen, die zum Teil auch im internationalen Männerfussball aktiv sind. Zuletzt stand Schiedsrichterassistentin Guadalupe Porras Ayuso beim torreichen Champions-League-Knaller zwischen Liverpool FC und SSC Neapel an der Seitenlinie.

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Vor dem Spieltag gab es Verhandlungen zwischen der Primera División de la Liga de Fútbol Femenino (LPFF) und dem spanischen Fussballverband (RFEF). Es ging um die Anpassung des Lohns der Schiedsrichterinnen an den Lohn ihrer männlichen Kollegen, doch die LPFF sah es nicht ein, etwas zu verändern. So kam, was beinahe kommen musste: Die Schiedsrichterinnen beratschlagten sich und entschieden dann einstimmig: Sie streiken. Sie werden die Spiele am ersten Spieltag der LPFF nicht leiten. Das war letzten Donnerstag, am 8. September 2022.

Die Löhne reichen oft nicht mal zur Deckung der Reisekosten

300 Euro erhält bisher die Schiedsrichterin, beide Assistentinnen je 168 Euro und die vierte Offizielle 84 Euro. Für den gesamten Tag. Das ist wesentlich weniger als ihre männlichen Kollegen erhalten und deckt nur selten die Reisekosten. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Die Schiedsrichterinnen erhalten zwar Lohn, zahlen aber meistens drauf. Bei jedem Spiel. Und ganz nebenbei haben sie noch einen Hauptjob, den sie nicht in Vollzeit ausüben können, um Training und Reisen zu bewerkstelligen.

Dabei zahlen die Vereine pro Spieltag 3.300 Euro für die Schiedsrichterinnen – wohin gehen also die restlichen 2.580 Euro?! Die RFEF möchte nun, dass die Vereine die gleiche Summe zahlen wie im professionellen Männerfussball, also 21.000 Euro.

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"Wir werden nicht mit denen verhandeln, die uns bedrohen"

Am vergangenen Montag fand eine Pressekonferenz der Schiedsrichterinnen statt, in der sich unter anderem Marta Huerta de Aza an die Öffentlichkeit wandte. Huerta de Aza ist seit 2005 Schiedsrichterin, seit 2016 Fifa-Schiedsrichterin und auch im professionellen Männerfussball aktiv. Sie ist in ihrem Hauptberuf Lehrerin und seit Februar 2021 Mutter.

Es sei "beschämend" und "lächerlich", dass sie streiken müssen. "Wir fordern Rechte, die jeder Mensch haben sollte", findet sie und meint damit: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. "Wir haben eine Profi-Liga und doch sind wir die einzigen, die nicht als professionell gelten."

Die Liga droht den Schiedsrichterinnen mit rechtlichen und disziplinarischen Massnahmen, die sich davon jedoch nicht beirren lassen: "Wir werden nicht mit denen verhandeln, die uns bedrohen."

Unterstützung von Schiedsrichtern und Spielerinnen

Die Schiedsrichter der beiden höchsten spanischen Männerfussballligen, die LaLiga Santander und die LaLiga SmartBank, haben sich mit ihren Kolleginnen solidarisiert und jüngst eine Erklärung herausgeben: "Die Zeit, die unsere Kolleginnen und Kollegen für die Entwicklung ihrer Leistungen aufwenden, sowohl in der Ausbildung und Vorbereitung als auch auf Reisen und bei Auftritten, macht es unmöglich, ihre Schiedsrichtertätigkeit mit der Ausübung anderer Berufe zu vereinbaren, und erfordert daher einen hohen Einsatz." Sie endet mit einem Appell Richtung spanischer Frauenliga: "Alle Ebenen des Fussballs müssen sich zusammentun, um sicherzustellen, dass sich unser Frauenfussball verbessert und die weltweite Anerkennung erhält, die unsere Mannschaft verdient."

Die Spielerinnen, die vergangenen Samstag gemäss den regulären 30 Minuten auf dem Platz auf die Spieloffiziellen warteten, zeigten ebenfalls ihre Unterstützung für die Schiedsrichterinnen sowie der spanische Sportrat CSD. Ihnen gebührt Dank, der Marta Huerta de Aza auch bei der Pressekonferenz benennt: "Ich möchte dem spanischen Verband, unseren Kollegen, Spielern und Teams für ihre Unterstützung danken. Wir haben unzählige solidarisierende Nachrichten erhalten. Wir wissen, dass sie [die Spielerinnen] gekämpft haben und sie jetzt bei uns sind." Und: "Wir freuen uns darauf, [auf das Spielfeld] rauszugehen und Schiedsrichter zu sein."

Hoffen wir, dass auch die LPFF bald ihren Fehler einsieht und Gerechtigkeit walten lässt.

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