• Die WM 2022 findet in diesem Jahr nicht im Sommer, sondern im Winter in Katar statt.
  • Am WM-Gastgeber gibt es massive Kritik, vor allem aufgrund der Bedingungen für die Arbeiter auf den WM-Baustellen.
  • Mehrere tausend Menschen sind bereits auf oder an den Folgen der WM-Baustellen gestorben.

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Die Sommerpause in geraden Jahren ist normalerweise die Zeit für grosse Fussballturniere bei den Männern. So fanden dort bislang immer Weltmeisterschaften oder Europameisterschaften statt.

Aber nicht so im Jahr 2022, wo im Sommer zwar Spiele der Nations League stattfinden, aber die Weltmeisterschaft erst im November und Dezember ausgetragen wird.

In den folgenden Absätzen gibt es alle Informationen zur WM 2022 und warum diese erst im November startet und welche Kritik es an dem Turnier gibt.

Wann und wo findet die Fussball-WM 2022 statt?

Die Fussball-Weltmeisterschaft findet vom 21. November bis zum 18. Dezember statt und wird erstmals im Wüstenstaat Katar ausgetragen. Dies ist der Hauptgrund für die Verschiebung in die Wintermonate auf der Nordhalbkugel. Denn im Sommer, wo die Weltmeisterschaft bislang immer stattfand, ist es in Katar mit Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius schlichtweg zu heiss. Daher wurde das Turnier bereits kurz nach der Vergabe auf die Wintermonate verlegt. Zu diesem Zeitpunkt liegen die Temperaturen im Bereich rund um 30 Grad Celsius.

Warum steht die WM 2022 in Katar in der Kritik?

Es gibt gleich mehrere Gründe, warum das Turnier in Katar keine grosse Vorfreude auf eine Weltmeisterschaft aufkommen lassen will. So ist die Fussball-Kultur in Katar bislang nicht wirklich ausgeprägt und aufgrund der geringen Fläche des Ölstaats liegen alle Spielstätten nahe beieinander, wodurch sich Fragen bezüglich der Unterbringung und Logistik der Fanmassen an Spieltagen stellen.

Aber der schwerwiegendste Grund ist die Verletzung der Menschenrechte durch den Wüstenstaat. Die Arbeiter, die die WM-Stadien erbaut haben, stammen vorwiegend aus ärmeren asiatischen Ländern wie Nepal, Bangladesch oder Indien. In einem Bericht von Amnesty International aus dem August 2021 heisst es, dass bis zu 15.000 Menschen infolge der Arbeiten an den Baustellen für die WM 2022 in Katar gestorben sind. Dies ergibt sich aus den Todesfällen ausländischer Bewohner von Katar.

Die Menschenrechtsorganisation warf den Veranstaltern ausserdem die Ausbeutung von Arbeitern vor, die die Organisatoren in einer Stellungnahme bestätigten. Demnach mussten manche Arbeiter bis zu 84 Stunden pro Woche für Hungerlöhne arbeiten, und das oft gegen ihren Willen und unter Androhung von Strafen. Auch freie Tage und Urlaub soll es den Berichten zufolge nicht gegeben haben.

Des Weiteren gibt es Kritik an der katarischen Regierung, die "nicht ernsthaft darum bemüht ist, ihre eigenen Gesetze umzusetzen und diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die sie brechen", erklärt Katja Müller-Fahlbusch, Nahost-Expertin von Amnesty International im Gespräch mit der "ARD".

Zwar sei das Kafala-System abgeschafft, dies band ausländische Arbeiter fest an einen einheimischen Bürger wie eine Art Arbeitgeber und ermöglichte Ausbeutung. Menschenrechtlern zufolge sei das System offiziell abgeschafft, aber trotzdem immer noch da.

Inzwischen fordern Fans und Menschenrechtsorganisationen in einem offenen Brief von Katar und vom Fussball-Weltverband Fifa, eine Entschädigung von mindestens 420 Millionen Euro an die Arbeiter auszuzahlen. Jene Summe wird auch bei der WM als Prämien ausgezahlt. Die Gesamtentschädigungssumme könne viel höher ausfallen. Diese soll in einem transparenten Prozess und in Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und internationalen Arbeitsorganisationen ermittelt werden, heisst es im Brief, der unter anderem von der Fussball-Fan-Organisation Football Supporters Europe und den Menschenrechtsorganisationen Amnesty International sowie Human Rights Watch unterschrieben wurde.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das strikte Verbot von Homosexualität im Wüstenstaat, das auch zur WM, trotz aller öffentlichen Beteuerungen, nicht komplett verschwunden sein wird. Drei skandinavische TV-Sender hatten in 69 WM-Hotels ein Zimmer für ein schwules Paar angefragt. Drei lehnten die Anfrage ab und 20 weitere forderten die Gäste auf, ihr Pärchendasein nicht öffentlich zu zeigen. Lediglich 33 Hotels hatten keine Einwände. Homosexualität wird in Katar mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft.

Gibt es einen Boykott bei der WM 2022?

Obwohl die Kritik an den Bedingungen vor Ort gross ist, gibt es keinen WM-Boykott eines Teams. In Norwegen gab es grosse Diskussionen, bei einer etwaigen Qualifikation für Katar das Turnier zu boykottieren. Doch bei einer Versammlung des norwegischen Verbandes votierte eine klare Mehrheit für die Teilnahme im Falle einer erfolgreichen WM-Qualifikation, die letztlich aber nicht glückte.

Beim DFB war ein Boykott nie ein Thema, viel mehr soll vor Ort auf die Missstände aufmerksam gemacht und hingewiesen werden. Ex-Nationalspieler Toni Kroos verurteilte im März 2021 die WM-Vergabe nach Katar als "falsch".

Verwendete Quellen:

  • Kicker.de: Kein WM-Boykott: Norwegen will in Katar an den Start gehen
  • Sportschau.de: WM-Organisatoren geben Ausbeutung von Arbeitern in Katar zu
  • Spiegel: Für unseren Torjubel starben 15.000 Menschen
  • Tagesschau.de 420 Millionen Euro Entschädigung?
  • Spiegel: Mehrere WM-Hotels in Katar lehnen homosexuelle Gäste ab