• Die Chinesin Chloé Zhao gewinnt als erste Frau mit Migrationshintergrund den Oscar für die "Beste Regie" mit ihrem Film "Nomadland".
  • Frauen und People of Color stehen bei der Oscar-Verleihung in der Nacht auf Montag im Mittelpunkt, die Veranstaltung ist divers wie nie. Auch die Dankesreden drehen sich um den Kampf gegen Rassismus und für Gleichberechtigung.
  • Insgesamt wird Hollywood diverser, allerdings könnten die Oscars 2021 auch von der Pandemie beeinflusst worden sein.

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In der fast 92 Jahre andauernden Geschichte der Oscars war Kathryn Bigelow lange Zeit die einzige weibliche Filmemacherin, die den weltweit wichtigsten Filmpreis in der Kategorie "Beste Regie" gewonnen hatte. Nun ist mit Chloé Zhao eine weitere Frau dazugekommen.

In der Nacht von Sonntag auf Montag unserer Zeit erhielt Zhao den Regie-Oscar für ihr Sozial-Drama "Nomadland", das auch den Preis als bester Film abräumte. Zhao, 39 Jahre alt, in Peking geboren und in den USA lebend, ist die erste Frau mit Migrationshintergrund, die zwei der wichtigsten Oscars abräumte.

Die Chinesin ist das Gesicht einer Oscar-Verleihung 2021, die sich so divers präsentierte wie keine zuvor. Schon in der Eröffnungsrede sprach die schwarze Regisseurin und Schauspielerin Regina King über den bei einer Verhaftung getöteten George Floyd und den Prozess gegen den Polizisten Derek Chauvin, der in der vergangenen Woche schuldig gesprochen worden war.

"Wenn es in Minneapolis anders ausgegangen wäre, hätte ich meine High Heels gegen Stiefel getauscht", sagte sie und stellte somit klar, dass sie im Falle eines Freispruchs für die Rechte der Schwarzen und die "Black Lives Matter"-Bewegung auf die Strasse gegangen wäre.

Frauen und People of Color dominieren die Oscar-Verleihung 2021

Der Brite Daniel Kaluuya gewann den Oscar als "Bester Nebendarsteller" für den Film "Judas and the Black Messiah", indem es um den von der Polizei erschossenen schwarzen Bürgerrechtler und Aktivisten Fred Hampton und die Black Panther Party geht. Seine Dankesrede nutzte er, um über den Kampf für Gleichberechtigung und gegen Rassismus zu sprechen.

Den Oscar als beste Nebendarstellerin gewann überraschend die 73-jährige Südkoreanerin Youn Yuh-jung für ihre Rolle in "Minari", neben Zhao war sie die zweite Asiatin, die einen Oscar mit nach Hause nehmen durfte. Der ebenfalls ausgezeichnete Animationsfilm "Soul" ist der erste von Pixar, dessen Hauptcharakter schwarz ist. Zweifellos waren es People of Color, Frauen und ihre Werke, die die Oscars in diesem Jahr dominierten. Was im Gegensatz zu dem in den vergangenen Jahren oft erhobenen Vorwurf steht, dass der Filmpreis zu amerikanisch, zu weiss, zu männlich und zu alt sei.

Der "Hollywood Diversity Report" der University of California belegt, dass der Anteil von Frauen und People of Color in wichtigen Rollen vor und hinter der Kamera in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Was sich in diesem Jahr dann auch bei den Oscars widerspiegelte.

Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie?

Die grosse Frage ist nun, ob es tatsächlich einen Trend zu mehr Diversität gibt, oder ob die Oscars 2021 eine Ausnahme bleiben. Natürlich haben die #MeToo- und #BlackLivesMatter-Bewegungen auch in Hollywood viel verändert, das Filmgeschäft ist bunter und vielfältiger geworden. Die Macht der alten Filmbosse ist hingegen kleiner geworden, weil ihnen Streaming-Anbieter mächtig Konkurrenz machen. Auch die Oscar-Academy, die die Filmpreise vergibt, hat ihre Jury diverser und breiter aufgestellt, mit mehr Frauen und People of Color.

Es gibt aber durchaus auch Argumente dafür, dass sich die Vielfalt der Oscars 2021 in diesem Ausmass nicht wiederholen wird. Denn weltweit waren und sind wegen der Corona-Pandemie Kinos geschlossen, die grossen Blockbuster mit eher traditionellen Themen, Rollenmustern und gigantischem Werbebudget wurden verschoben, insgesamt wurden deutlich weniger Filme produziert.

Geschlossene Kinos begünstigen kleine Produktionen und Streamingdienste

Dieser Umstand ermöglichte es einer verhältnismässig kleinen Produktion wie "Nomadland" deutlich mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, auch "Minari" profitierte sicherlich davon, dass die grossen Filmstudios ihre Filme teilweise zurückhielten. Profiteure der Corona-Krise waren auch die Streaming-Dienste, die bei ihren für das Heimkino gedachten Produktionen generell viel Wert auf Diversität legen. Netflix war in diesem Jahr in 36 Kategorien nominiert und gewann sieben Oscars.

Der Trend hin zu einem bunteren und diversen Hollywood ist unbestritten und passt zur gesellschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre. Ob die kommenden Oscar-Verleihungen aber so vielfältig und politisch wie im Jahr 2021 werden, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen, wenn die Pandemie vorüber ist und das Filmgeschäft sich wieder normalisiert hat.

Verwendete Quellen:

  • npr.org: 2021 Is Oscars Most Diverse Year And We Know Why
  • socialsciences.ucla.edu: Hollywood Diversity Report 2021
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